Die Intendantin des Staatstheaters Hannover Laura Berman auf einem Pressefoto. © dpa - Bildfunk Foto: Christophe Gateau

Lockerungen für die Kultur: Reaktionen aus dem Norden

Stand: 04.03.2021 09:17 Uhr

Der Lockdown ist bis zum 28. März verlängert wollen. Allerdings sind je nach Sieben-Tage-Inzidenz in den Regionen vorsichtige Lockerungen in einem Fünf-Stufen-Plan möglich - auch in der Kultur. Die reagiert freudig - zumindest teilweise.

von Anina Pommerenke

Buchläden dürfen ab Montag wieder öffnen. Je nach Inzidenzwert dürfen sie allerdings nur eine begrenzte Anzahl an Kunden in die Läden lassen. Öffnen können ab Montag auch Museen, Galerien und Gedenkstätten. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 braucht man dafür allerdings einen Termin und pro 40 Quadratmeter Ausstellungsfläche ist nur ein Besucher erlaubt. Bei einer Inzident unter 50 sind mehr Besucher möglich und auch die Terminbuchung könnte wegfallen. Andreas Hoffmann, der Geschäftsführer vom Bucerius Kunstforum in Hamburg, sagte am Donnerstag, er gehe davon aus, dass er ab Montag mit starken Einschränkungen wieder öffnen darf. "Ich glaube, dass etwas mehr Großzügigkeit für die Museen und Ausstellungshäuser, die Galerien, die Zoos, die botanischen Gärten durchaus möglich gewesen wäre. Aber das sind natürlich Dinge, die man am grünen Tisch sitzend immer schnell kritisieren kann."

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Angst vor einem Flickenteppich an Regeln

Nach den neuen Bestimmungen könnten rechnerisch zeitgleich nur 22,5 Besucherinnen und Besucher auf den 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche des Bucerius Kunstforums unterwegs sein. Lockerungen für Kinos, Theater und Opernhäuser sind laut dem neuen Plan frühestens ab dem 22. März denkbar. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 wäre ein Besuch aber nur mit einem tagesaktuellen Selbst- oder Schnelltest möglich. Davon soll jeder Bürger und jede Bürgerin jetzt jede Woche einen kostenlos machen können. Christine Berg vom Hauptverband Deutscher Filmtheater freut sich, dass die Kinos damit endlich in den Öffnungsperspektiven berücksichtigt wurden. Die Freude bleibt aber gedämpft: "Wir haben ehrlich gesagt vor allen Dingen Angst davor, dass wieder ein Flickenteppich entsteht und dass jede Region in jedem Bundesland wieder völlig andere Regelung hat. Das macht uns das Kinomachen schwer. Wir sind abhängig davon, dass die Kinos neue Filme bekommen. Neustarts gehen immer nur, wenn wirklich auch große Flächen aufmachen können."

Große Freude und viele Fragen

Auch Laura Berman, Intendantin der Staatsoper Hannover, hat noch viele Fragen nach den neuen Bestimmungen. Für wie viele Menschen darf sie ihr Haus öffnen, wie weisen die Leute nach, dass sie einen Corona-Selbsttest am gleichen Tag gemacht haben und wie schnell gewöhnen sich die Menschen an das Test-Konzept? Sie sagt, man müsse sich jetzt auf die neue Situation einstellen. "Wir müssen erst mal eine Struktur finden, die für alle Kunden und Kundinnen einfach zu handhaben ist. Und wir müssen schauen, was das an Arbeit für uns bedeutet. Aber, ehrlich gesagt, zu lesen, dass wir unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen dürfen, das hat mir erst einmal Freude gemacht!"

Erst am 22. März wird die Konferenz der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten über weitere Bestimmungen für die Kultur und Veranstaltungsbranche entscheiden. Das jetzt beschlossene komplexe Fünf-Stufen-System gibt Hoffnung, muss aber von den Ländern jeweils in Verordnungen bestätigt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.03.2021 | 08:15 Uhr