Stand: 23.01.2020 06:00 Uhr

Elphi-Intendant: Hamburger Publikum am wichtigsten

Hamburgs Kultur leuchtet, vor allem auch dank der Elbphilharmonie. Der große Konzertsaal brummt - die ersten drei Jahre waren ein Riesenerfolg. Hamburg ist eine andere Stadt geworden. Wie geht es nun weiter in den 20er-Jahren? Was passiert, wenn die Neugier auf den Saal befriedigt ist und das Programm entscheidet, ob man eine Karte kauft oder nicht? Ein Gespräch mit Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter.

Sie haben zur Eröffnung den politisch nicht korrekten Satz gesagt, man wäre auch ausverkauft, wenn in der Elbphilharmonie auf dem Kamm blasendene Putzfrauen aufträten. Gilt das immer noch so?

Christoph Lieben-Seutter © Elbphilharmonie Foto: Michael Zapf
"Das Wichtigste für mich ist, dass der Großteil des Publikums aus Hamburg und der Metropolregion kommt", so Intendant Christoph Lieben-Seutter.

Christoph Lieben-Seutter: Sagen wir es so: Wir müssten mit den Reinigungskräften schon ein gutes Konzept erarbeiten und eine gute Komposition machen. Dann würde es wahrscheinlich immer noch gehen. Aber die Elbphilharmonie ist noch immer so gefragt, dass wir praktisch jeden Abend im Großen Saal ausverkauft sind. Nicht mehr gleich nach Beginn des Vorverkaufs. Man hat manchmal Monate Zeit, um sich Tickets zu besorgen. Das ist nur gut so, dann kommen auch Leute ins Konzert, die den jeweiligen Abend hören wollen.

Hintergründe
Das Foyer zum Großen Saal in der Elbphilharmonie © Iwan Baan Foto: Iwan Baan

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Was wird sich in den nächsten zehn Jahren ändern? Wird die Musik populärer werden oder machen Sie so mutig weiter wie bisher?

Lieben-Seutter: Das ist schwer vorauszusehen. Die Welt dreht sich dermaßen schnell, dass ich mich kaum traue, für die nächsten drei Jahre Voraussagen zu machen, geschweige denn für die nächsten zehn Jahre. Unser Programmprofil ist ein sehr breites. Eines, wo die Menschen gerne bereit sind, etwas zu wagen und sich auf unbekanntere Dinge einzulassen. Der Überraschungseffekt in der Elbphilharmonie hat sich herumgesprochen, weil das Gesamtergebnis stimmt. Ein Besuch hier ist in vielerlei Hinsicht ein tolles Erlebnis. In der Gesamtmischung hatten wir in den ersten Jahren, vor allem im letzten, einen extrem hohen Anteil an schwergängigerer, komplexerer Musik. Es wird ein wichtiges Element des Programms bleiben, aber dieser Anteil wird in der Zukunft nicht noch mehr herausgehoben werden.

Was haben Sie aus den ersten drei Jahren für die nächsten zehn gelernt?

Lieben-Seutter: Die Haupterkenntnis ist, welche die Stärken der Elbphilharmonie sind. Dass natürlich die Leistung auf der Bühne extrem wichtig ist, aber doch nur ein Teil des Gesamterlebnisses. Es ist nicht nur ein Ort, der spektakulär ist, den man einmal gesehen haben muss. Sondern auch ein Ort, an dem sich Publikum, Musiker und Mitarbeiter besonders wohl fühlen. Diese Rolle wird auch noch wichtiger, als ein Ort, wo sich unsere Gesellschaft trifft und ein tolles Gemeinschaftserlebnis hat. Das ist auch einer der Vorteile des Großen Saals, dass man quasi im Kreis sitzt. Das Publikum sieht sich selber beim gemeinsamen Zuhören und Erleben. Dieser Effekt ist viel stärker, als ich ursprünglich dachte. Deswegen habe ich ein sehr gutes Gefühl, was die Elbphilharmonie in den nächsten zehn Jahren betrifft.

Das Wichtigste für mich ist, dass der Großteil des Publikums aus Hamburg und der Metropolregion kommt. Dass der Anteil an Menschen, die regelmäßig kommen, sich erhöht. Dazu kommen Gäste aus der ganzen Welt. Die Reiseveranstalter warten dringend auf Ticket-Kontingente und zusätzliche Veranstaltungen. Wenn es den Platz gibt: Sehr gerne, dann haben wir auch ein größeres touristisches Angebot. Aber Vorrang hat immer die lokale Bevölkerung, die schließlich das Haus auch bezahlt hat.

Wird es im neuen Jahrzehnt auch Popkonzerte in der Elphi geben?

Lieben-Seutter: Ja, unbedingt. Auch wenn der Saal ganz klar für klassische und für akustische Musik gebaut wurde, für Orchester. Circa ein Viertel der Musik ist verstärkt. Pop, Jazz, Weltmusik, Schlagerstars, das gehört unbedingt dazu. Das ist immer auch eine Herausforderung an die Technik. Die Elbphilharmonie kann einen hervorragenden Klang machen, auch bei verstärkten Konzerten. Man ist aber immer darauf angewiesen, dass der verantwortliche Sound-Techniker sich auch den Saal ansieht und die Besonderheiten berücksichtigt.

Das Gespräch führte Daniel Kaiser.

Elbphilharmonie © Daniel Reinhardt/dpa

AUDIO: Goldene 20er Jahre für Hamburgs Kultur? (35 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 22.01.2020 | 20:00 Uhr

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