Stand: 23.07.2019 12:01 Uhr

Licht, Ton, Kulissen: Traumjob Bühnentechniker?

von Peter Helling

Wer baut im Theater Abend für Abend die Bühnenbilder auf? Wer sorgt für das richtige Licht, den exakten Ton? Die technischen Gewerke bieten einen ganz eigenen Zugang zur Welt der Bühne. Gerade wird in der Hamburger Kampnagel-Fabrik auf Hochtouren gearbeitet, geschraubt und geputzt. Dort beginnt am 7. August das Internationale Sommerfestival. Ein Treffen mit drei Technik-Begeisterten, für die die Arbeit als Bühnentechniker ein Traumberuf ist.

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Am 7. August startet auf Kampnagel wieder das Sommerfestival. Die Bühnentechniker haben im Vorfeld alle Hände voll zu tun.

Wochenlanges Kabel-Abknipsen, das klingt nach eher eintöniger Arbeit. "Wir stecken jetzt gerade in der Wartung", sagt Jana Köster. "Das heißt, einmal im Jahr müssen alle unserer Betriebsmittel geprüft werden - und das steht gerade an. Da sitzt man den ganzen Tag in der Werkstatt und schraubt, putzt und prüft." Schwärmerei klingt anders. Jana Köster ist gerade mit ihrer Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik fertig. Dennoch: "Das ist zwar nervig, aber notwendig. Jeder Beleuchter freut sich, wenn er eine Lampe aufhängt, die funktioniert", sagt Markus Both. Er ist seit fünf Jahren Technischer Direktor des Internationalen Sommerfestivals der Hamburger Kampnagel-Kulturfabrik, einem internationalen Top-Event.

Frauenanteil in der Bühnentechnik steigt

"Wir haben in der Regel um die 16 Gruppen innerhalb von zweieinhalb Wochen da. Da muss direkt nacheinander aufgebaut und abgebaut werden. Die große Herausforderung ist, überall die gleiche gute Qualität zu gewährleisten", so Markus Both. Da müsse das Material einwandfrei funktionieren: Hunderte Lampen, Tausende Kabel. Markus Boths Team besteht aus etwa 30 Kollegen und Kolleginnen. "Der Anteil an Frauen beläuft sich in der Technik auf 15, 20 Prozent", sagt er. "Tendenz steigend."

"Teams mit Frauen funktionieren besser"

Was hat Jana Köster in diesen immer noch männerlastigen Beruf gezogen? "Wollen Sie eine ehrliche Antwort hören? Es war ein Prinzip-Ding. Ich habe ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einem kleinen Theater gemacht", erzählt sie. "Da hieß es: Die Frauen machen die Kostüme und die Schminke, und die Männer machen die Technik. Das hat mir überhaupt nicht gepasst!" Also, weg mit dem Klischee, rein in den Beruf. Mit Erfolg. "Wir freuen uns immer, wenn es Frauen machen, weil ich selber finde, dass Teams, wo Frauen mitarbeiten, besser funktionieren als reine Männerteams", sagt Jana Kösters Chef, Markus Both.

Wenn die Künstler Pause machen, wird es stressig

Ein Kollege von Jana Köster ist Arne Apitsch. Seit vier Jahren hat er ausgelernt. Wie sie arbeitet er fest am Theater als Beleuchter. "Wir haben sehr viel Abwechslung", sagt er zu seinem Job. "Es sind internationale Künstler und man lernt sehr viele interessante Menschen kennen." Altersunterschiede zählten hier nicht so viel. Verschiedenheit gehöre fest dazu. Die größte Herausforderung seien die Proben. "Ich muss aufpassen, dass alles richtig läuft, muss wissen, was auf der Bühne passiert. Und wenn dann die Künstler in die Pause gehen, muss ich diese nutzen, um technische Dinge auf der Bühne möglichst schnell umzusetzen", sagt Arne Apitsch.

"Definitiv nicht für jeden ein Traumjob"

Also ist Veranstaltungstechniker ein Traumjob? Jana Köster meint: "Es ist definitiv nicht für jeden ein Traumjob, aber für mich ist es einer." Bei so viel Begeisterung scheint sich Markus Both keine Nachwuchssorgen machen zu müssen. Aber das stimme nur teilweise, sagt er. Viele der Auszubildenden wollten in den Bereich Ton, Video oder Licht. Klassische Bühnentechnik, also Aufbauen, Schrauben, Schleppen - sei nicht so attraktiv.

Stressige Arbeitszeiten

Die Theaterlandschaft wird gerade von Zukunftssorgen geplagt, vor allem im künstlerischen Bereich: Viele Ensembles beklagen zu geringe Bezahlung bei zu viel Arbeit. "Ich glaube, der Kultur-Etat ist immer der erste, der gestrichen wird. Personal ist immer mit das teuerste in einem Haus. Und wenn es sowieso schon sehr anstrengend ist, dann kann ich mir gut vorstellen, dass das den einzelnen noch mehr belastet", so Markus Both. Dennoch sehe er keine Krise im Bereich Bühnentechnik - trotz stressiger Arbeitszeiten. "Es kann passieren, dass wir zwei Tage in der Spätschicht arbeiten und am nächsten Tag in die Frühschicht umswitchen müssen. Das ist dem Spielbetrieb geschuldet."

"Wenn der Applaus aufbrandet - dann bin ich glücklich"

Schichtdienst, lange Wege, dazu die oft eigenwilligen Wünsche der Künstlerteams. In der Regel aber funktioniere das Zusammenspiel von Kunst und Technik sehr gut. "Wenn nach einer Premiere der Applaus aufbrandet und die Künstler zufrieden sind, dann bin ich glücklich", sagt Markus Both. Jana Köster pflichtet ihm bei: "Mir geht es genauso. Der Moment nach der Premiere, wenn das Stück vorbei ist, alle zufrieden sind, das ist ein unglaublich toller Moment."

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Große Show von Peaches? Markus Both bezeichnet ihre Konzerte als größte technische Herausforderung beim Sommerfestival auf Kampnagel.
Peaches Konzerte als Herausforderung

Als größte technische Herausforderung bezeichnet Markus Both übrigens die Konzerte der Sängerin Peaches ab dem 15. August. Sie feiert ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum in der Hamburger Kampnagel-Fabrik im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 23.07.2019 | 10:20 Uhr

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