Stand: 25.09.2020 16:23 Uhr

Lebendige Geschichte im Stadtteilarchiv Ottensen

Dieses Archiv ist selbst schon ein Stück Geschichte: Das Stadtteilarchiv Ottensen feiert seinen 40. Geburtstag und ist damit Hamburgs älteste Geschichtswerkstatt. Antonia Reiff war dort und hat herausgefunden, wie das Archiv 1980 in Pionierarbeit angefangen hat und wie viel die Gründerinnen und Gründer mit ihrer Arbeit im Stadtteil bewegt haben.

Bücherregale im Stadtteilarchiv Ottensen © NDR Foto: Antonia Reiff
Die Bücher im Stadttarchiv stapeln sich in deckenhohen Regalen.

In einem denkmalgeschützten Fabrikgebäude mitten in Ottensen stapeln sich in deckenhohen Regalen die Bücher, Fotos und Dokumente des Stadtteilarchivs. Hier hat sich in den vergangenen 40 Jahren vieles angesammelt, was vom früher dörflichen, dann industriellen und heute schicken Ottensen und Altona erzählt. Kathrin Offen-Klöckner hat das Archiv mit aufgebaut und beobachtet den Stadtteil schon lange. Sie ist fasziniert von der Entwicklung, die Ottensen gemacht hat - und den Spuren, die man immer wieder davon findet.

Alte Maschinen zeugen von der Industrialisierung

Eine historische Maschine der alten Ottenser Drahtstifte-Fabrik. © NDR Foto: Antonia Reiff
Schwere Maschinen zeugen von der Arbeit der alten Drahtstifte-Fabrik.

Die Räume der alten Drahtstifte-Fabrik erinnern daran, wie dreckig, laut und auch arm dieser Stadtteil einmal war. Originale, tonnenschwere Maschinen aus Stahl zeigen noch heute, wie hier im 19. Jahrhundert und bis in die 1970er-Jahre hinein Nägel für sämtliche Industriezweige hergestellt wurden. Peter Offen ist ehrenamtlicher Mitarbeiter und bringt die alten Maschinen für Besucherinnen und Besucher noch heute zum Laufen.

Oral History in Ottensen

Eine kleine Gruppe von Frauen hatte 1980 mit der Archivarbeit angefangen, direkt auf den Straßen von Ottensen. Mit einem Bauwagen fuhren sie die Marktplätze ab, erzählt Kathrin Offen-Klöckner: "Dann stand man mit dem Bauwagen auf dem Platz und die Leute konnten kommen, ihre Geschichten abholen oder bringen." Die Gründerinnen und Gründer etablierten eine damals ungewöhnliche und heute anerkannte Geschichtsmethode, die Oral History - also mündlich überlieferte Geschichte. Zeitzeugen erzählen über bestimmte Ereignisse, Erlebnisse, ihr Leben und erinnern an besondere Zeitumstände. Die Ehrenamtlichen sammelten unter anderem Privatfotografien, die das längst vergangene Ottensen zeigen oder Zeitungsartikel, die von Straßenumbenennungen berichten. Auf Initiative von Kathrin Offen-Klöckner und ihren Kolleginnen erfolgte zum Beispiel in den 90er-Jahren die Umbenennung des Alma-Wartenberg-Platzes. Sie wollten damit an die Ottenser Frauenrechtlerin und Sozialdemokratin erinnern.

Einbrüche bei der Besucherzahl

Stadtteilarchiv Ottensen © NDR Foto: Antonia Reiff
Das Stadtteilarchiv Ottensen gibt es bereits seit 40 Jahren.

An verschiedenen Orten im Stadtteil wurden die Gründerinnen und Gründer des Stadtteilarchivs aktiv, wie die neue Geschäftsführerin des Archivs, Viktoria Urmersbach, erzählt. Corona-bedingt gibt es aktuell große Einbrüche bei der Besucherzahl, aber Katrin Offen-Klöckner bleibt zuversichtlich, dass die Menschen dem Museum auch in Corona-Zeiten treu bleiben und sich für die Geschichte ihres Stadtteils begeistern: "Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man weiß, woher man kommt oder wo man lebt."

Das Stadtteilarchiv Ottensen steht für Besucher offen, allerdings nur nach Voranmeldung unter (040) 390 36 66.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 25.09.2020 | 19:00 Uhr