Stand: 20.08.2019 16:18 Uhr

"Laß leuchten!": Rühmkorf-Ausstellung in Altona

von Anina Pommerenke

90 Jahre wäre der Lyriker und Autor Peter Rühmkorf in diesem Jahr geworden. Zu diesem Anlass hat die Arno-Schmidt-Stiftung mit "Laß leuchten!" eine Ausstellung im Altonaer Museum kuratiert. Sie ist ab sofort bis Mitte Juli 2020 zu sehen.

Büchner-Preisträger Peter Rühmkorf (1929-2008) zählt zu den wichtigsten Autoren der Nachkriegszeit. Seine Markenzeichen: politisches Engagement und grotesker Humor.

Er könne sich buchstäblich auf alles einen Reim machen, so fasste es der damalige Bundespräsident Horst Köhler nach Rühmkorfs Tod 2008 zusammen. So wie in seinem letzten Gedichtband "Paradiesvogelschiß". Der Titel ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass Rühmkorf ein kreativer Wort-Erfinder war.

Die Frage nach dem Sinn kennt keine Ruh: / Wohl weiß ich, dass ich bin, doch nicht wozu. / Trotzdem behaupte ich: die Welt alleine, / ich meine: ohne mich / das wär' noch keine. Peter Rühmkorf, aus: "Paradiesvogelschiß"

1929 in Dortmund geboren, wuchs Rühmkorf im niedersächsischen Warstade auf. Schon am Gymnasium, dem Stader Athenaeum, entstanden seine ersten Verse. Ein guter Schüler war er aber nicht, wie aus einem blauen Brief hervorgeht, der im Altonaer Museum zu sehen ist. Ein Lehrer bemerkte, dass er lediglich aus Rücksicht auf die Gesundheit der armen Eltern in die nächste Klasse versetzt werde. Doch er war durchaus politisch engagiert: Gemeinsam mit vier Mitschülern bildete er eine antinationalsozialistische Bande. Rühmkorf sammelte Flugblätter der Alliierten, hörte BBC oder verspottete den parteitreuen Schuldirektor in einer anonymen Schülerzeitschrift.

Peter Rühmkorf bekommt ein Häuschen an der Elbe

Nach dem Krieg und dem Abitur gab es für ihn nur ein Ziel: Hamburg. Und da blieb er auch, fast bis zu seinem Lebensende. Genauer gesagt: Im Stadtteil Oevelgönne. Auf einer öffentlichen Veranstaltung hatte Rühmkorf sich darüber beklagt, dass es unmöglich sei, als Lyriker eine schöne Wohnung in Hamburg zu finden. Wenig später wurde ihm und seiner Frau Eva Rühmkorf - der späteren Bildungsministerin Schleswig-Holsteins - ein Häuschen an der Elbe angeboten. Von seinem Schreibtisch aus hatte er den besten Blick auf die Elbe und den Hamburger Hafen.

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Inspiriert von den US-amerikanischen Beat-Poeten veranstalten Peter Rühmkorf und Michael Naura (1934-2017) "Lyrik und Jazz"-Abende.

Videoaufnahmen von diesem atemberaubenden Ausblick sind in der Ausstellung neben vielen kuriosen Exponaten aus Rühmkorfs privatem Nachlass zu sehen. Darunter seine Schreibtischplatte, der man intensive und Alkohol-lastige Arbeitsstunden ansieht. Oder ein großes Glas mit selbst gezüchtetem Hanf, an dem der Autor sich gerne bediente, wenn er Schreiben wollte.

Politik, Lyrik und Jazz

Auch in den 50er-Jahren stand Rühmkorf, neben seinen Gedichten, für politisches Engagement. Als Autor diverser gesellschaftskritischer und meist linker Zeitschriften griff er schon damals viele Themen der späteren Studentenbewegung auf. Sein Herzensprojekt war jedoch die Veranstaltung "Lyrik und Jazz", die er mit dem Pianisten und späteren NDR Redakteur Michael Naura organisierte und ihn einem größeren Publikum bekannt machte.

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