Ein Mann und eine Frau tanzen auf einem Tisch, der auf einer Bühne steht. Der Mann hebt die Frau über seinen Rücken. © Faktotum Medienproduktion

LOT-Theater in Braunschweig: Ein Ort für Experimente

Stand: 08.07.2021 07:47 Uhr

Das Braunschweiger LOT-Theater hat in Berlin den Theaterpreis des Bundes verliehen bekommen. Das Theater versteht sich als zentrale Spielstätte der freien Theaterszene in Niedersachsen.

von Janek Wiechers

In einem Hinterhof in der Innenstadt von Braunschweig liegt das LOT-Theater. Früher war der zweigeschossige Flachbau eine Werkstatt für Omnibusse. Heute ist er Heimat der freien Theaterszene. Vom kleinen Foyer aus geht es direkt in den mattschwarz gestrichenen Saal. Die Bühne und das Publikum sind sich im LOT sehr nah. Der ebenerdige Bühnenraum grenzt direkt an die erste Stuhl-Reihe der steil ansteigenden Zuschauertribüne mit rund 100 Plätzen.

Eine Bühne für Theater abseits des Mainstreams

Das LOT-Theater unterhält kein eigenes Ensemble, sondern beherbergt Gastspiele und zeigt Inszenierungen in Koproduktion mit freien Theatergruppen. Egal ob Tanz, Performance, Kinder- und Jugendtheater oder Konzerte - das LOT-Theater ist ein Ort, den Künstlerinnen und Künstler abseits des Mainstreams gerne als Auftrittsort nutzen. "Es ist ein Haus für die regionale freie Kulturszene, aber auch für dir gesamte freie niedersächsische Szene", sagt Stefani Theis, die das Theater seit 2009 leitet. "Aber wir wollen auch über Niedersachsen hinaus etwas etablieren."

Seit der Gründung sieht sich das LOT-Theater in Abgrenzung zu den öffentlich geförderten Staats- oder Landestheatern. Die programmatische Ausrichtung war von Anfang an experimenteller, die Formate grenzüberschreitender - ein Anspruch, der geblieben ist. "Die Stadt- und Staatstheater zeichnen sich ja nicht durch unglaublich revolutionäre Produktionen aus - es braucht Orte, an denen experimentiert werden kann", meint Theis.

Viel Engagement für den Theater-Nachwuchs

Außenansicht: Das LOT-Theater in der Kaffeetwete in Braunschweig. © LOT-Theater
Das LOT-Theater an der Kaffeetwete in Braunschweig

Ein wichtiges Anliegen des LOT ist etwa, den Nachwuchs zu fördern und Auftritte zu ermöglichen. So sind zum Beispiel regelmäßig Theater-Gruppen der Uni Hildesheim zu Gast. Und auch zur Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gibt es enge Verbindungen. Dort gibt es einen Studiengang für Darstellendes Spiel.

Einmal im Jahr veranstaltet das LOT-Theater zudem die Kinder- und Jugendtheatertage und widmet sich seit einigen Jahren intensiv auch der Kunstvermittlung. "Wir haben das Theaterpädagogische Zentrum ausgegründet. Mit vielen Projekten, die da jährlich gemacht werden", erzählt Theis.

LOT-Theater bietet eine Bühne für Tanztheater

Der Anspruch des LOT-Theaters ist es, drängende gesellschaftliche Fragen in den Produktionen aufzugreifen. So bietet die Spielstätte schon seit langem inklusiven Theaterprojekten aus der Region Braunschweig ein Forum. Ein starker Schwerpunkt des LOT liegt auf zeitgenössischem Tanz. Performerinnen, Tänzer und Choreografinnen nutzen die Auftrittsmöglichkeiten des Theaters gerne, denn es gibt nicht viele Orte in Norddeutschland, an denen sie regelmäßig ihre Inszenierungen zeigen können. "Es gibt diverse Tänzer*innen und Choreograf*innen, die ursprünglich mal in den Ensembles der Staatstheater waren, die in Richtung Freiberuflichkeit gegangen sind", schildert Theis.

Theaterpreis des Bundes: Preisgeld hilft bei der Finanzierung

Dass sich das Theater besonderes um die jungen Zuschauer und Zuschauerinnen kümmert - und speziell für sie in der Corona-Pandemie neue digitale Formate entwickelt hat - das war übrigens eines der Hauptkriterien für den Bund, das LOT mit dem Theaterpreis auszuzeichnen. Die freien Theater sind anders als öffentlich betriebene Theater nicht dauerhaft finanziell gut ausgestattet und auf andere Auftrittsorte und Finanzierungstöpfe angewiesen. Die 75.000 Euro Preisgeld kann das Haus deshalb gut gebrauchen: "Wir haben eine institutionelle Förderung der Stadt Braunschweig und wir haben eine Konzeptionsförderung des Landes Niedersachsen über drei Jahre - das macht ein Drittel unseres tatsächlichen Budgets aus", sagt die Geschäftsführerin. "Ein enormer Teil kommt über Projektförderung rein." Bezahlt werden diese Projekte vor allem mit dem Geld verschiedener Kulturstiftungen.

LOT-Theater bekommt neue Spielstätte

Die Arbeit zu finanzieren ist wie für alle freien Theater auch für das LOT-Theater ein schwieriges Dauerthema. Umso mehr freut es die Macher, dass sie demnächst eine zweite Spielstätte eröffnen können. Gemeinsam mit dem Theaterpädagogischen Zentrum wird das LOT-Theater im Oktober 2022 ins Quartier St. Leonhard - unweit des Braunschweiger Hauptbahnhofs - einziehen. "Der nächste Entwicklungsschritt wird sein, dass wir weitergehen Richtung Produktionshaus mit Residenzen - da wird eine zweite Bühne drin sein, da werden Probenräume drin sein, da wird eine Residenzwohnung drin sein, Büros werden da drin sein. Und eine Gastronomie", blick Theis mit Vorfreude auf die Zukunft. Möglich wird das unter anderem deshalb, weil ein Mäzen das Projekt unterstützt. Der ursprüngliche Standort in der Braunschweiger Innenstadt bleibt aber weiter erhalten. In Zukunft kann das LOT-Theater dann sogar auf zwei Bühnen experimentieren.

Das LOT-Theater ist eines von elf Theatern, das den Theaterpreis des Bundes von Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin verliehen bekommt. Daneben werden in diesem Jahr auch das Theater an der Glocksee in Hannover und das Jahrmarkttheater in Altenmedingen bei Uelzen ausgezeichnet.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 08.07.2021 | 09:20 Uhr