Der Eingangsbereich im Kulturschloss Wandsbek © Kulturschloss Wandsbek

Kulturschloss Wandsbek bietet digitales Programm

Stand: 03.02.2021 15:32 Uhr

Mit digitalen Angeboten will das Stadtteil-Kulturzentrum Wandsbek Künstlern eine Plattform geben. Unter der neuen Leitung von Carmen Hansch bietet das Kulturschloss Musik und Kunst - per Livestream.

von Lennart Richter

Trotz des lang anhaltenden Lockdowns gibt das Stadtteil-Kulturzentrum in Wandsbek nicht auf. Im Gegenteil: Mit der neuen Leiterin Carmen Hansch strahlt das "Kulturschloss" - so heißt das etwas unscheinbare Gebäude -  in neuer Kraft und mit einem größtenteils kostenlosen und gut ausgebauten Digital-Programm. Erst seit einem Monat manövriert sie das Kulturschloss Wandsbek durch die Krise und dabei sprüht Carmen Hansch nur so vor neuen Ideen.

Plattform für Künstler im Lockdown

Ein Glamour-Moment in schweren Zeiten: Im Funkelkleid steht Schauspielerin Christa Krings auf der Bühne des Kulturschlosses in Wandsbek und singt Lieder von Marlene Dietrich. Über den gelungenen Livestream vom Wochenende freut sich Carmen Hansch auch ein paar Tage später noch. Da ist die Bühnenbeleuchtung schon wieder aus, und es ist still geworden im Kulturschloss. "Während dieser Zeit ist die Stadtteilkultur eigentlich besonders wichtig, um den Kontakt zu halten", findet Carmen Hansch. "Im Lockdown muss man ja auch etwas bieten, wir müssen zeigen, wir sind da! Wir denken uns neue Sachen aus und für die Künstler ist es eben extrem schwer im Moment. Wir versuchen ihnen trotzdem eine Plattform zu bieten, damit sie sich ein bisschen zeigen können und auch ein bisschen verdienen."

Carmen Hansch leitet Kulturschloss seit einem Monat

Die Bühne im Kulturschloss Wandsbek © Kulturschloss Wandsbek
Auf der Bühne im Kulturschloss Wandsbek finden Auftritte statt - ohne Publikum im Saal, dafür live im Internet.

Die Stadtteilkultur begleitet Carmen Hansch schon viele Jahre. Seit einem Monat leitet sie das Kulturschloss Wandsbek, das seine Türen seit dem Teil-Lockdown im vergangenen Jahr nicht mehr geöffnet hat. "Im Moment ist das wirklich ein bisschen traurig, man geht hier durch die Gänge, durch die schönen Kursräume. Alles ist frisch gestrichen und es ist so wahnsinnig leise. Das macht einen schon ein bisschen traurig. Ich freue mich wahnsinnig darauf, wenn hier wieder Leben ist und Kurse stattfinden. Und dass ich den normalen Betrieb hier richtig erlebe", erklärt Hansch.

DJ-Sets und Marlene-Dietrich-Abend per Livestream

Mehr als Livestreams, von der Bühne ins Internet, sind gerade nicht drin, das weiß auch Carmen Hansch. Trotzdem weht unter ihrer Leitung ein frischer Wind durch das Gebäude. Am vergangenen Wochenende gab es gleich zwei Veranstaltungen: ein DJ-Set am Freitag und Marlene Dietrich, gesungen von Christa Krings, am Abend danach. "Also das ist ein bisschen schwierig, auch jetzt am Wochenende, dass die Künstler sich ganz viel Mühe geben und dann klatschen nur die Techniker. Aber das ist im Moment der Weg. Und wir müssen noch ein bisschen durchhalten, aber wir haben auch ganz viele Ideen. Eben dass wir sagen, wenn es in ein paar Wochen, Monaten, wie auch immer wieder weitergeht, dann kommen wir mit einem richtig tollen Programm wieder raus."

Stream aus der De-Chirico-Ausstellung in der Kunsthalle geplant

Der Eingangsbereich im Kulturschloss Wandsbek © Kulturschloss Wandsbek
Normalerweise finden hier Kurse für Kinder und Erwachsene statt. Während der Corona-Pandemie muss das Stadtteil-Kulturzentrum geschlossen bleiben.

Schon jetzt aber ist der Veranstaltungskalender des Kulturschlosses gut gefüllt. Kommende Woche soll es einen Stream aus der De-Chirico-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle geben. Mitte des Monats stellt die Künstlerin Zari Harat im Kulturschloss aus: ebenfalls digital. Die Arbeit im Stadtteilkulturzentrum macht Carmen Hansch Spaß, das liegt auch an ihren motivierten Kollegen. "Das sind wirklich unheimlich sympathische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da finden wir uns zusammen, es gibt ordentlich was aufzuarbeiten. Und wir nutzen eigentlich auch die Zeit im Moment, so wie viele andere auch, um zu gucken: Wie ist der Zustand im Schloss, was können wir verbessern, wie können wir es ein bisschen attraktiver machen", berichtet Hansch.

Markierungen auf dem Boden, Pfeile zum Anzeigen der Gehwege, Desinfektionsmittel-Spender in jedem Raum - das Kulturschloss hat ein Sicherheitskonzept. Es ist vorbereitet, wenn sich die Türen wieder öffnen dürfen. "Natürlich ist es im Moment recht schwierig unter diesen Bedingungen zu planen, wir fahren halt auf Sicht und gucken, wann es weitergeht", sagt Carmen Hansch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 02.02.2021 | 19:00 Uhr