Jens Eisel © NDR

Kultur hält zusammen: Jens Eisel schreibt über Flugzeugentführung

Stand: 08.04.2021 13:40 Uhr

Der Hamburger Schriftsteller Jens Eisel kann sich über eine Förderung freuen. Er arbeitet zurzeit an einem Roman über eine der spektakulärsten Flugzeugentführungen in der Geschichte der USA.

von Anina Pommerenke

Um die Kulturszene in Hamburg zu unterstützen, hat die Dorit & Alexander Otto Stiftung eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld ist in den Fonds "Kultur hält zusammen" geflossen, der in Kooperation mit der Hamburgischen Kulturstiftung verwaltet wird. Ein Teil des Geldes wurde bereits vor Weihnachten verschiedenen Projekten zugesprochen. In einer zweiten Förderrunde sind jetzt noch einmal 450.000 Euro an insgesamt 178 Künstlerinnen und Künstler ausgeschüttet worden. Dabei zeigt sich einmal mehr, wie vielfältig und kreativ die Hamburger Kulturszene ist. Und dass sie sich von der Pandemie allen Schwierigkeiten zum Trotz nicht unterkriegen lässt.

Wer ist Dan Cooper?

Die Geschichte um Dan Cooper ist bis heute ein Mysterium. Am 24. November 1971 besteigt ein Mann in Portland unter diesem Namen ein Flugzeug und steckt einer Stewardess einen Zettel zu: "Ich habe eine Bombe in meiner Aktentasche. Falls nötig, werde ich von ihr Gebrauch machen. Ich möchte, dass sie sich neben mich setzen. Das ist eine Entführung."

200.000 Dollar Lösegeld fordert Cooper. Später springt er mit dem Geld und einem Fallschirm aus dem Flugzeug.

Eine Flugzeugentführung, erzählt aus vier Perspektiven

"Als Schriftsteller hat mich an diesem Stoff fasziniert, dass es da eine Riesen-Leerstelle gibt", erzählt Jens Eisel. "Man weiß bis heute nicht, wer dieser Mann war. Das ist ein spannendes Thema, und es ist literarisch spannend, diese Leerstelle zu füllen."

Mit schwarzer Wollmütze und Daunenjacke sitzt Jens Eisel vor einer Garage in einem ruhigen Hinterhof in Hamburg Altona. Zum dunklen Vollbart trägt er einen kleinen silbernen Nasenring. Wenn er nicht gerade an seinem Roman arbeitet, schraubt er hier an seinem Motorrad - oder bastelt mit seiner Tochter Holzpferde. Zum Schreiben kam er erst nach einer Ausbildung als Schlosser und Stationen in verschiedenen Berufen. "Cooper" ist nun aber schon sein dritter Roman. Eisel nähert sich darin der Flugzeugentführung aus vier Perspektiven: eines Piloten, einer Stewardess, eines FBI-Ermittlers und des Entführers.

Richard. Portland. Das Motel indem er erwachte, lag nordöstlich vom Stadtzentrum. Direkt an der Interstate. Er hatte in den letzten Wochen kaum geschlafen und fest damit gerechnet, dass es in dieser Nacht nicht anders laufen würde. Deshalb hatte er sich nicht einmal die Mühe gemacht, sich auszuziehen. Umso mehr verwunderte es ihn jetzt, wie ausgeruht er sich jetzt fühlte. Das Geräusch des Verkehrs, vermischte sich mit dem Brummen des Kühlschranks. Die Vorhänge waren zugezogen, aber an dem Licht, das durch den schmalen Spalt zwischen dem Stoff auf den Fußboden fiel, erahnte er, dass es draußen bewölkt war, vielleicht sogar regnete. Er wusste, dass die Jahreszeit vielleicht sogar gegen sein Vorhaben sprach, doch bis zum Frühjahr konnte und wollte er nicht warten. Leseprobe

"Ich wollte mich ein bisschen weiterentwickeln"

Auf das Thema ist Eisel eher zufällig gestoßen: Er hat es als Randnotiz in einem Zeitungsartikel entdeckt. Scheint der Fall im deutschen kollektiven Gedächtnis eher in Vergessenheit geraten zu sein, finden sich in der amerikanischen Popkultur zahlreiche Verweise auf den Fall.

Jens Eisel war sofort von dem einzig ungelösten Fall einer Flugzeugentführung in der Geschichte der USA fasziniert. Zahlreiche Orte, die damit zusammen hängen, hat er persönlich besucht. "Meine ersten beiden Bücher spielen in Hamburg, in einem Milieu, das ich sehr gut kenne", erzählt er. "Ich wollte mich in der Literatur ein bisschen weiterentwickeln - einfach mal was anderes machen."

Mit Hilfe der Förderung kann er den Roman nun fertig schreiben. Die Veröffentlichung hat sein Verlag zwar schon auf nächstes Frühjahr verschoben - in der Hoffnung, dass dann auch wieder Lesereisen stattfinden können. Spätestens dann möchte Eisel viele Fans von True-Crime-Romanen mit seinem Stoff begeistern.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 08.04.2021 | 14:20 Uhr