Eylien König steht in ihrem Atelier vor einem Bühnen-Model © NDR.de Foto: Anina Pommerenke

Atelierbesuch bei Bühnenbildnerin Eylien König

Stand: 10.04.2021 06:00 Uhr

Eylien König ist freiberufliche Bühnenbildnerin. Derzeit arbeitet die Hamburgerin an neuen Möglichkeiten, Theaterräume nutzen zu können. Ein Atelierbesuch.

von Anina Pommerenke

"Diese kleine Raumbühne ist das Gorki-Theater, die Box vom Gorki", erklärt Eylien König und geht weiter durch ihr Atelier. "Dann habe ich hier auf dem Tisch Freiburg stehen, das ist der Studioraum im Keller von Freiburg. Das ist auch eine Studio- und Raumbühne. Auf dem Tisch hier steht das ist das Vestibüll am Burgtheater. Aber das muss ich noch aufbauen. Das Theater Paderborn habe ich auch da."

Eylien König zieht immer weitere Modellkisten aus Pappe von vergangenen Aufträgen aus dem Regal. Mit ihnen beginnt jeder Auftrag der freien Bühnenbildnerin. Im Maßstab 1:25 bildet sie Bühnen bis ins letzte Detail nach um dann an den Kulissen für eine Inszenierung zu arbeiten. "Inklusive Zuschauerraum und den ersten Logen dauert das schon circa 1,5 Wochen", sagt König. "Es ist alles Handarbeit. Es ist alles maßstabsgetreu. Ich messe tatsächlich alles raus aus den Plänen, das dauert seine Zeit."

Eylien Königs Bühnenbilder nützlich für neue Raumnutzung

Eylien König steht in ihrem Atelier vor einem Bühnen-Model © NDR.de Foto: Anina Pommerenke
Große Theaterkunst im Maßstab 1:25 bei Eylien König im Atelier

Entworfen hat Eylien König das letzte Mal vor einem Jahr. Seither werden Engagements abgesagt oder immer weiter nach hinten verschoben. Neue Aufträge kommen kaum rein. Ist sie sonst mit ihren Modellkisten unterm Arm ständig unterwegs, sind nun keine neuen Konzepte und Inhalte in Sicht. In ihrem Atelier in einer ehemaligen Schlosserei am Bullerdeich im Stadtteil Hammerbrook möchte sich König deshalb nun mit der Leere der Theaterräume beschäftigen. "Ich finde, es ist im Moment ein ganz guter Zeitpunkt das zu tun, sich diese leeren Räume weiter anzuschauen und zu reflektieren", schildert König. "Was könnten wir da drinnen eigentlich noch alles machen? Wollen wir darin wirklich weiter Kulissen aufbauen? Oder lässt sich der Raum vielleicht doch auch häufiger anders nutzen?"

Für ihr Projekt hat Eylien König schon zwei große Modelle von Guckkastenbühnen auf einen Tisch gestellt: das Theater Lübeck und das Wiener Burgtheater. Ihre Idee: Kulissen in diesen Bühnen auf- und abzubauen und das als Video festzuhalten. Zum Beispiel mit ihren Händen im Bild oder mit der Stop-Motion-Technick: "Vielleicht kann man das Zuschauer-Bühnen-Verhältnis weiter auflösen. Gerade dürfen, wenn überhaupt, nur sehr wenige Zuschauer ins Theater. Kann man nicht ein sehr besonderes Erlebnis daraus machen, gerade in dieser Zeit? Und deswegen finde ich die Leere des Raumes sehr spannend."

Förderung sichert Miete für einen Monat

Eylien König steht in ihrem Atelier vor einem Bühnen-Model © NDR.de Foto: Anina Pommerenke
Verschiedene Theater hat die Bühnenbildnerin bei sich im Atelier stehen.

Zuletzt habe sie wohl im Studium so viel Zeit gehabt, sich theoretisch und ohne Auftragsdruck mit ihrer Arbeit zu beschäftigen, denkt König zurück. Ein schöner Nebeneffekt der Förderung durch die Dorit & Alexander Otto Siftung. "Damit kann man einen Monat über die Runden kommen. Nicht luxuriös, aber damit kann ich meine Miete zahlen, ohne das Gefühl zu haben, es kostet mich nur Geld, dieses Atelier zu halten", sagt die Bühnenbildnerin. "Das ist wirklich ein großartiges Gefühl. Es ist eben wie ein Auftrag." Die fertigen Filme wird Eylien König auf ihrer Internetseite veröffentlichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 11.04.2021 | 14:20 Uhr