Stand: 24.06.2019 14:41 Uhr

MV: Ministerin Martin will Kultur neu denken

von Axel Seitz

Sie möchte den Lehrerberuf in Mecklenburg-Vorpommern attraktiver machen, junge Pädagogen im Land halten und sich für mehr Professorinnen an den Hochschulen einsetzen. Das sind nur drei Aufgaben im Bildungsbereich, die die neue Kultusministerin Bettina Martin für Mecklenburg-Vorpommern als äußerst wichtig betrachtet. Heute hat die SPD-Politikerin, die seit vier Wochen im Amt ist, in Schwerin ihre Arbeitsschwerpunkte vorgestellt.

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Bettina Martin ist seit Ende Mai Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern.

Bettina Martin ist neu im Amt, allerdings nicht neu in der Politik. Schon zuvor war sie im Kabinett Schwesig als Staatssekretärin für Bundesangelegenheiten tätig. Die 53-Jährige nimmt für sich in Anspruch, im Bereich Bildung, Wissenschaft und Kultur, neu zu denken: "Man guckt mal von oben drauf, mit einem gesunden Menschenverstand und dann fragt man sich: 'Muss das so sein oder kann man das verändern?'"

Was Bettina Martin nicht verändern kann, ist die Tatsache, dass Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Jahren viele neue Lehrer benötigt. "Wir wissen, dass wir einen hohen Bedarf an Lehrern und Lehrerinnen in den nächsten Jahren haben werden." Von etwa 12.000 Lehrern werden laut der Ministerin bis 2030 rund 8.000 in den Ruhestand gehen.

Fehlende Lehrer: Konzepte für Seiteneinsteiger verbessern

Für das nächste Schuljahr sollen rund 700 neue Pädagogen eingestellt werden, unter ihnen auch sogenannte Seiteneinsteiger und gerade für diese soll es bereits in den kommenden Wochen Veränderungen geben.

"In diesem Jahr werden wir mit der Fortbildung der Seiteneinsteiger bereits in den Sommerferien beginnen", kündigt Martin an. In den vergangenen Jahren sei es ein Problem gewesen, dass die Seiteneinsteiger erst "zum Schuljahr reinkamen und dann erstmal in die Fortbildungen gingen und vor Ort fehlten."

Kultusministerin Martin will Sozialkundeunterricht früher ansetzen

Im konkreten Bildungsangebot ist der neuen Ministerin bereits aufgefallen, dass aus ihrer Sicht der Sozialkundeunterricht in Mecklenburg-Vorpommern viel zu spät angeboten wird. "Sozialkundeunterricht muss früh ansetzen", meint die neue Bildungsministerin.

Bislang beginnt der Sozialkundeunterricht in den Klassen sieben und acht. "Ich habe darum gebeten im Haus, wie wir es hinbekommen, Sozialkundeunterricht schon in der Orientierungsstufe einzuführen." Wann es diesen Sozialkundenunterricht bereits in den Klassen 5 und 6 geben wird, konnte Bettina Martin aber noch nicht sagen.

Im Hochschulbereich will sich die Ministerin dafür stark machen, dass künftig mehr Professorinnen an den Universitäten und Hochschulen lehren. Der Frauenanteil an Professuren liege bundesweit bei 23,4 Prozent. "Das ist immer noch viel zu wenig", sagt Bettina Martin. "In Mecklenburg-Vorpommern sind wir sogar nur bei 20,9 Prozent."

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Die Kulturlandschaft von Mecklenburg-Vorpommern sei groß und vielfältig. "Ich glaube, wir haben noch Potential, dass was wir haben, über unsere Landesgrenzen hinaus sichtbar zu machen", betonte die 53-Jährige. "Wir haben ganz viele Kulturschätze im Land, die sich sehen lassen können, auch über Mecklenburg-Vorpommerns Grenzen hinweg."

Und eine dieser Grenzen, sei die zum baltischen Raum. Es gebe schon eine kulturelle Zusammenarbeit mit dem baltischen Raum, "aber ich glaube, da kann man auch noch einiges ausbauen."

Martin will Theaterpakt umsetzen

Bei den kulturpolitischen Leitlinien, die seit einiger Zeit bereits entwickelt werden, kündigte Bettina Martin für den Herbst erste Zwischenergebnisse an. Beim Theaterpakt gehe es nun darum, diesen umzusetzen. "Da ist viel Potential bei den Theatern", meint die Bildungsministerin. "Das ist ein Punkt auf meiner Agenda, diesen Theaterpakt jetzt auch so umzusetzen, dass wir zu einer guten Entwicklung der Theater im Land beitragen können."

Mit Blick auf die jüngsten Spannungen zwischen Belegschaft und Intendanz am Mecklenburgischen Staatstheater konnte Bettina Martin noch nicht mitteilen, was die Befragung unter den Mitarbeitern ergeben hat. Die Ministerin kündigte aber an, die Ergebnisse möglichst schnell zu präsentieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 24.06.2019 | 16:20 Uhr

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