Stand: 12.03.2019 16:37 Uhr

Halbzeitbilanz Kultur: Noch viel zu tun in MV

von Axel Seitz

Wenn eine Landesregierung zur Halbzeit ihrer fünfjährigen Arbeit Bilanz zieht, wie am Dienstag die SPD-CDU-Koalition in Schwerin, verwundert es nicht, dass sie ihre Erfolge präsentiert. Für den Kulturbereich hieß es dabei, der im vergangenen Jahr geschlossene Theaterpakt hätte eine jahrelange Debatte beendet und die Kulturförderung sei vereinfacht worden. Allerdings gibt es nach wie vor einige ungelöste Fragen: Wie soll die Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern gestärkt werden? Oder: Wie teuer darf das Archäologische Landesmuseum werden? Und auch der Theaterpakt scheint noch nicht umgesetzt.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und ihr Stellvertreter, Innenminister Lorenz Caffier (CDU), haben Halbzeitbilanz ihrer Regierungsarbeit gezogen.

Alle Theaterstandorte in Mecklenburg-Vorpommern bleiben erhalten und das Land gibt für die Mehrsparten-Theater seit diesem Jahr 2,5 Prozent mehr Geld aus - so steht es in der Halbzeitbilanz und das verkündete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: "Mir war wichtig, hier zu einer Planungssicherheit zu kommen und auch als Landesregierung glaubwürdig zu sein", sagte sie. "Wir fordern bessere Löhne, wir fordern Tariflöhne und wollen auch eine Dynamisierung, die es zukünftig ermöglicht, auch die Lohnsituation bei den Theatern zu verbessern."

Theatermacher sehen keine Planungssicherheit

Von Planungssicherheit möchten hingegen einige Theatermacher nicht reden. Das seien Versprechen, die noch nicht eingehalten werden, erklärte der Ballettdirektor am Theater Vorpommern und Landeskulturpreisträger Ralf Dörnen in der "Ostseezeitung". Sein Intendant, Dirk Löschner, sprach gegenüber NDR 1 Radio MV nur von Absichtserklärungen und Geld, das in seinem Haus nicht ankomme. Auf diese Kritik angesprochen, erklärte Manuela Schwesig: "Wir sind mit dem Theaterpakt in der Umsetzung. Aber es ist auch klar, dass wir nicht wieder in die Spirale geraten dürfen, mehr Geld zu geben - und nach einem halben oder ganzen Jahr haut es wieder nicht hin."

Gespräche in Sachen Filmförderung

Von Beratungen und Gesprächen berichtete die Ministerpräsidentin auch, als es um die Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern ging, die laut dem 2016 geschlossenen Koalitionsvertrag gestärkt werden soll: "Wir stellen die Filmförderung in der Staatskanzlei mit den Partnern und Partnerinnen gerade neu auf und sind in Gesprächen. Ich finde, dass es erst mal ein wichtiger Punkt ist, dass wir uns damit überhaupt auseinandersetzen." Wichtig sei, dass der Streit zwischen wirtschaftlicher und kultureller Förderung beigelegt werde. "In diesem Sinne werden wir die Gespräche weiter fortführen", so die Ministerpräsidentin. Erst in der vergangenen Woche hatten die Filmproduzenten in Mecklenburg-Vorpommern die Förderpolitik der Landesregierung kritisiert, mehr Geld sowie die Gründung einer Filmfördergesellschaft gefordert.

"Archäologisches Landesmuseum muss bezahlbar sein"

Im Februar wurde bekannt, dass es innerhalb der Landesregierung Diskussionen darüber gebe, wie teuer ein Archäologisches Landesmuseum mit Standort Rostock werden dürfe. Dazu sagte die Regierungschefin am Dienstag: "Es muss in der Investition und im laufenden Unterhalt bezahlbar sein. Ich halte es für seriös zu sagen: Wenn die Kosten die bisherigen Planungen weit übersteigen - wenn man sich für einen neuen Standort, für ein neues Konzept entscheiden will, muss man es seriös durchplanen - und gucken, ob es wirklich geht." Und ihr Stellvertreter, Innenminister Lorenz Caffier, ergänzte: "Wir haben uns als Koalitionspartner zum Archäologischen Museum mit Standort Rostock bekannt. An dem Thema gibt es auch nichts zu rütteln. Aber es muss auch so sein, dass es sich am Schluss mittelfristig trägt."

Derzeit sollen Kultus- sowie Finanzministerium noch einmal nachrechnen, ob die bereits in der Ausschreibung zum Architekturwettbewerb für das Museum genannten rund 55 Millionen Euro tatsächlich zu viel sind. Auf die Frage, wann die Neuberechnung vorgelegt wird, blieb Manuela Schwesig vage: "Die Ministerien arbeiten an einer guten Lösung und wir werden diese gemeinsam in der Landesregierung beraten."

"Es gibt noch eine Menge zu tun"

Es bleiben viele offenen Fragen für den Kulturbereich in der Halbzeitbilanz der Landesregierung - die Ministerpräsidentin prognostizierte für die zweite Hälfte der Legislaturperiode, es gebe noch eine Menge zu tun, die Regierung wolle sich auf dem Erreichten nicht ausruhen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 12.03.2019 | 19:00 Uhr

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