Stand: 01.03.2019 09:04 Uhr

Künstliche Intelligenz an Schulen

von Ole Wackermann

Künstliche Intelligenz in Schulen und Universitäten bedeutet nicht, dass bald Roboter Lehrerinnen und Lehrer ersetzen. Aber Experten sind überzeugt: Die Technologie aus diesem Bereich wird die Art und Weise wie wir lernen, verändern.

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Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Klassenzimmer.

Christoph Igel ist in Deutschland einer der führenden Experten für Künstliche Intelligenz. In China hat er gesehen, wie weit die Technologie in diesem Bereich schon ist: "In jeder Schule ist in jedem Klassenraum eine Videokamera oder besser gesagt zwei Videokameras installiert und diese Videokameras erfassen Daten von den Gesichtsausdrücken der Schülerinnen und Schüler. Sind die gelangweilt, sind die konzentriert oder schlafen sie eigentlich in der Zwischenzeit ein. Wenn Sie dort mit den Schülerinnen und Schülern sprechen, dann haben Sie nur sehr wenige Kinder, die sagen: Ich fühl mich unwohl. Die Mehrheit der Kinder sagt Ihnen, dass sie solche Technologie als Freund, als Unterstützer verstehen, die ihnen behilflich sein können."

Lernfortschritte in Echtzeit per Computer an den Lehrer

500 Schulen in der Region Shanghai sind miteinander vernetzt, Software wertet in Echtzeit Daten zum Lernfortschritt der Schüler aus. Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass die nächste Aufgabe, die ein Schüler gestellt bekommt, genau auf den Wissenstand und den aktuellen Gemütszustand abgestimmt wird. Die Lehrer sind permanent darüber informiert, welche Schüler wie gut vorankommen. In Deutschland ist das bisher undenkbar. "Ich denke, dass künstliche Intelligenz in Deutschland auch ein Image-Problem hat", sagt Martin Brause, Chief Digital Officer der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg. "Wenn wir an Künstliche Intelligenz denken, dann sehen wir igendwelche Bilder von humanoiden Robotern vor unserem geistigen Auge oder Systeme, die für den Menschen vielleicht schwierig sind."

Chancen für die Bildung?

Er ist damit beschäftigt, die digitale Grund-Ausstattung an Hamburgs Schulen zu verbessern. Aber auch Brause sieht Chancen, die Künstliche Intelligenz in der Bildung bringt: "Denn Unterricht findet heute ja doch immer stärker individualisiert statt, dass wir uns auf den einzelenn einstellen, dabei kann KI helfen." Software und Hardware sollen künftig so individuell auf Schüler eingehen können, wie das bisher nur Lehrer können. Dafür müssen die Maschinen sich selbstständig weiterentwickeln und anpassen. Und das geht nur, wenn umfangreich Daten der Nutzer erhoben und analysiert werden. Nicht zuletzt Daten-Schutz-Gesetze stehen dem entgegen.

Widerstände in den Schulen

Felix Müller ist überzeugt, dass Deutschland dadurch Chancen verpasst. Im Auftrag eines großen Softwareunternehmens aus den USA wirbt er für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Bildung und stößt auf viele Widerstände: "Natürlich spielt hier auch die Angst der einzelnen Lehrer eine Rolle durch so ein System ersetzt zu werden. Das wird nicht passieren. Die Rolle des Lehrers verändert sich nur, weg vom Wissens-Replikator hin zum Lerncoach, der die Schüler einfach bei diesem Prozess begleitet. Da ist Deutschland jetzt gerade im Bildungsbereich ein Kandidat, der eher an dem alten festhält."

Künstliche Intelligenz in zehn Jahren an Schulen selbstverständlich?

Doch ist die Angst vor Totalüberwachung nicht berechtigt? Welcher Schüler traut sich noch, träumend aus dem Fenster zu schauen, wenn das die Künstliche Intelligenz sofort merkt und dem Lehrer meldet? KI-Experte Christoph Igel hält dagegen: "Am Ende ist es nicht die KI, die entscheidet, ob sie überwacht oder ob sie hilft, sondern der Mensch, der die KI einsetzt, entscheidet, für welche Funktion und mit welchem Zweck." Er ist überzeugt, dass schon in zehn Jahren Künstliche Intelligenz auch in Deutschland selbstverständlich zum Schulalltag gehören wird.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 01.03.2019 | 06:40 Uhr

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