Stand: 28.05.2018 13:07 Uhr

KomponistenQuartier Hamburg eröffnet neue Museen

von Dagmar Penzlin

Die reiche Musikgeschichte von Hamburg kann man im KomponistenQuartier der Stadt erleben. Zu den kleinen Museen über Johannes Brahms, Johann Adolf Hasse, Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach gesellen sich nun Ausstellungen zu Gustav Mahler und den Geschwistern Fanny und Felix Mendelssohn. Eine Reportage.

Ohne Klingel ging es wohl nicht: Gustav Mahler war ein begeisterter, ein rasanter Radfahrer. In Hamburg kaufte er sich ein damals brandneues Velociped. "'Velociped fahren begeistert mich oder beseelt mich', hat er gesagt", erzählt Rita Strate, die Kuratorin der Ausstellung im neuen Gustav Mahler Museum. Die Klingel funktioniert am historischen schwarzen Fahrrad von 1895 - das Velociped mit Korkgriffen und ölbetriebener Lampe ist ein echter Hingucker in der Ausstellung.

Ein Rundgang durch die neuen Museen

Von 1891 bis 1897 wirkte Gustav Mahler in Hamburg als Chefdirigent an der Oper. "Wir wollen Mahler vorstellen in seiner Hamburger Zeit", sagt Strate. "Das ist ein großer Schwerpunkt und gleichzeitig eine Möglichkeit, die Orte kennenzulernen, an denen er gewirkt hat. Das Hamburger Stadttheater, das Altonaer Stadttheater, der Convent-Garten - Orte, die einem heute gar nichts mehr sagen. Aber auch die Laeiszhalle, die damals gerade neu gebaut wurde, wo er nach seiner Hamburger Zeit noch mal dirigiert hat. Das ist ein Schwerpunkt in dem Hamburger Raum."

Wie in anderen Ausstellungen des KomponistenQuartiers findet sich auch im Gustav Mahler Museum ein typisches Tasteninstrument der Zeit: Ein Welte-Mignon-Klavier spielt automatisch Musiken, die Mahler selbst so interpretiert hat.

Interview

Eine kleine Schatzkiste Hamburger Musikgeschichte

Das Hamburger KomponistenQuartier wurde um zwei Ausstellungen erweitert. Ein Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden des KomponistenQuartier e.V., Ingeborg Steifensand. mehr

Luftiges Lebensgefühl

Im Fanny und Felix Mendelssohn Museum nimmt dagegen ein Hammerklavier einen prominenten Platz ein - als Symbol für die Musik, die beide Geschwister verband und über die sie miteinander kommunizierten, sagt Beatrix Borchard. Die Musikwissenschaftlerin betreut als Erste Vorsitzende der Fanny und Felix Mendelssohn Gesellschaft Hamburg federführend die neue Ausstellung. "Es gibt zum Beispiel Briefe, wo Felix nicht mehr weiß, wie er weiterschreiben soll, und er notiert Noten", erzählt Borchard.

Das Sommerhaus der Familie Mendelssohn lag an der Elbe. Vor allem Fanny Mendelssohn hat als kleines Mädchen hier viel Zeit verbracht. Und dieses luftige Lebensgefühl der Hamburger Jahre will das Fanny und Felix Mendelssohn Museum einfangen. Schon wenn man sich aus den Barock-Abteilungen des KomponistenQuartiers der Ausstellung zu den Geschwistern nähert, leuchten einem die himmelblauen Wände entgegen. Der Blick geht über eine weiße Gartenpforte hinweg zu einer Wand voller Bilder: Um zwei Porträtzeichnungen der Geschwister herum sind viele kleinere Porträts gehängt.

Der Mendelssohnsche Kosmos

"Es geht um den Kosmos, um den geistigen Kosmos, in dem die Kinder groß geworden sind", erklärt Borchard. "Da gehört nicht nur die Familie dazu. Wir haben nicht sortiert: hier Lehrende, hier Familie, da Bach und Beethoven. Die Eltern haben sie unterrichtet, waren auch Lehrende. Oder es gibt geistige Orientierungspunkte wie Goethe oder natürlich Beethoven und Bach."

Im November 1805 wurde Fanny Mendelssohn in Hamburg geboren, im  Februar 1809 ihr Bruder Felix. 1811 zieht die Familie nach Berlin zurück. Die Hamburger Zeit begreift Borchard als Nährboden für die musikalisch hochbegabten Kinder. Ihr ist wichtig, "dass der Name Mendelssohn nicht für eine Person und einen Helden steht, sondern für ein System, für einen Kosmos und für unglaublich viel Dialog. Weil ich wirklich gegen Heldengedenkstätten bin - die Zeiten sind längst vorbei."

Weitere Informationen

Zeitreise durch Hamburgs Musikgeschichte

Im Hamburger Komponistenquartier werden am 29. Mai die Ausstellungen zu den Lebenswerken von Gustav Mahler und den Geschwistern Felix und Fanny Mendelssohn eröffnet. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 28.05.2018 | 09:20 Uhr

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