Stand: 02.01.2020 06:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Kommt Archäologisches Landesmuseum MV erst 2030?

von Axel Seitz
Eine Grafik zeigt einen Entwurf des Stadthafens in Rostock zur Bundesgartenschau BUGA 2025 mit einem neuen Landesmuseum (links), einer Fußgängerbrücke über die Warnung und einer Markthalle (rechts). © Hanse- und Universitätsstadt Rostock
Der Entwurf des Rostocker Stadthafens mit einem neuen Landesmuseum (links), einer Fußgängerbrücke über die Warnow und einer Markthalle (rechts).

Mecklenburg-Vorpommern ist einzigartig, denn als einziges Bundesland sind dort die archäologischen Schätze der vergangenen Jahrhunderte nicht zu sehen. Bis 1992 waren die Funde aus dem Ostseeraum und dem Hinterland im Schweriner Schloss mehr als vier Jahrzehnte zu besichtigen. Seither gab es zwar immer wieder Ausstellungen und Präsentationen neuer Funde - auf ein immer wieder versprochenes Museum warten Beteiligte, Experten und Touristen seit mittlerweile fast drei Jahrzehnten. Und sie werden sich alle auch weiterhin noch jahrelang gedulden müssen, bis das versprochene Archäologische Landesmuseum öffnet.

Bau soll in Rostock entstehen - für 55 Millionen Euro

Seit 2017 wurden allerdings einige Fakten geschaffen, das Museum kommt nach Rostock, die Hansestadt steuert 15 Millionen Euro bei und das Land gibt 40 Millionen. Vor einem Jahr sollte bereits der Architekturwettbewerb starten. "Ich war vor einem Jahr überaus zuversichtlich, dass wir dieses Museum bis zur Bundesgartenschau errichtet bekommen - und dass wir mit der Bundesgartenschau dieses Archäologische Landesmuseum mit der ersten Million Besucher im ersten Jahr gleich in die Top-Ten in Europa heben. Das ist natürlich schade, dass wir das nicht schaffen", sagt Rostocks ehemaliger Oberbürgermeister Roland Methling, der inzwischen dem Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum angehört.

Funde aus MV werden derzeit in Aarhus ausgestellt

Carsten Schmoldt © NDR Foto: Axel Seitz
Carsten Schmoldt engagiert sich seit Jahren in der Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum.

Carsten Schmoldt ist einer von rund 200 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern in Mecklenburg-Vorpommern. Der 45-Jährige engagiert sich seit Jahren in der Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum. Carsten Schmoldt weiß um die Schätze, die MV seit Jahrzehnten nicht präsentiert. "Es wird unterschätzt, welche Geschichte in diesem Boden des Landes schlummert, welche auch schon gehoben wurde", sagt er. "Wir haben das älteste Schlachtfeld der Welt, wir haben vier Wikinger-Handelsplätze - davon träumt Schleswig-Holstein. Wöchentlich werden Schatz- und Hortfunde von ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern im Landesamt abgegeben. Wir stellen unsere Funde momentan im modernsten und tollsten Archäologiemuseum der Welt in Aarhus aus. Die freuen sich, dass sie unsere Funde präsentieren können. Wir haben einen Fundus, der seinesgleichen im Ostseeraum sucht."

Entwürfe liegen in der Schublade

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling.
Rostocks ehemaliger Oberbürgermeister Roland Methling gehört dem Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum an.

Methling hofft, dass die Bürgerschaft noch im Januar endlich beschließt, dass Rostock tatsächlich die vereinbarten 15 Millionen Euro bereitstellt. Der designierte Museumschef, der Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Uni Rostock Hans-Jörg Karlsen, hofft darauf, dass 2020 vor allem der Architekturwettbewerb abgeschlossen werden kann. "Die Entwürfe liegen eigentlich in der Schublade, müssten jetzt noch mal angepasst werden und dann kann das 2020 an den Start gehen", sagt er und fügt hinzu: "Es muss eigentlich an den Start gehen, damit wir Klarheit haben."

Baubeginn frühestens 2026?

Das künftige Museum soll am Rostocker Stadthafen stehen, dort wo es 2025 auch eine Bundesgartenschau (Buga) geben soll. Beides - das ist bereits klar - wird nicht fertig: das Buga-Gelände und das Museum. Und so rechnen alle Beteiligten damit, dass mit dem eigentlichen Gebäude frühestens 2026 begonnen wird. "Wenn das tatsächlich so laufen sollte, dann wird man 2029, 2030 eröffnen", sagt Carsten Schmoldt. "Da gibt es natürlich viel wenn und aber: Es gibt in der Zeit eine Wahl, es wird Baukostensteigerungen geben. Wir hoffen nicht, dass das erst 2026 mit dem Hochbau losgeht."

Museumseinrichtung dauert eineinhalb Jahre

Hans-Jörg Karlsen © NDR Foto: Axel Seitz
Hans-Jörg Karlsen ist Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Uni Rostock und designierter Leiter des neuen Archäologischen Landesmuseums.

Doch wie Carsten Schmoldt muss auch Professor Hans-Jörg Karlsen weit in die Zukunft blicken, denn auch er benötigt mit seinen Museumsmitarbeitern Zeit für die Ausstellung. "Wir haben sicherlich noch anderthalb Jahre mit der Einrichtung zu tun", sagt Karlsen. "Aber wir können alles sehr gut vorbereiten, wenn wir wissen, wie groß der Baukörper ist und wie groß die Ausstellungsflächen sein werden. Dann haben wir die Möglichkeit, es virtuell zu planen."

Haus in Rostock wird wohl kleiner als der Durchschnitt

Ein durchschnittliches archäologisches Landesmuseum in Deutschland habe eine Ausstellungsfläche von bis zu 3.000 Quadratmetern, sagt Hans-Jörg Karlsen. In Rostock werden es wohl weniger, deswegen müsse der Inhalt umso eindrucksvoller sein. "In unserer Vorstellung wird in diesem Gebäude eine Blackbox eingerichtet, ein großer quadratischer Ausstellungsraum mit einer Höhe von sechs Metern, der frei bespielbar ist. Das soll ja das Museum auszeichnen, dass wir flexibel sind und die Ausstellung jederzeit wieder verändern können."

Landesregierung steht zur Zusage von 40 Millionen Euro

Der künftige Museumsleiter setzt darauf, dass in diesem Jahr die ersten beiden Stellen für das Museum besetzt werden. Insgesamt rechnet Hans-Jörg Karlsen mit sieben bis acht Wissenschaftlern, die ein Archäologisches Landesmuseum aufbauen und leiten, das sich von bereits bestehenden Museen unterscheiden sollte.

Die Landesregierung steht zu ihrer Zusage von 40 Millionen Euro, der zuständige Finanzminister Reinhard Meyer sieht übrigens keinen direkten Zusammenhang zwischen Buga und Museum in Rostock. "Wir werden mit der Hansestadt Rostock abstimmen: In welchem Bauzustande möchte man 2025 zur Buga dieses Gelände haben, wo das Archäologische Landesmuseum im Stadthafen errichtet wird", sagt Meyer. "Wir haben tatsächlich eingeschätzt, dass man mit dem Hochbau realistisch erst nach der Buga beginnen kann." Es dürfte also - Stand Anfang 2020 - mindestens noch ein weiteres Jahrzehnt dauern, bis das Archäologische Landesmuseum in Rostock erstmals Besucher empfängt.

Weitere Informationen
Ansicht Rostocker Stadthafen © NDR Foto: Gerhard Volkmann aus Tessin

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Freundeskreis will Museums-Neubau fördern

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Eine Grafik zeigt einen Entwurf des Stadthafens in Rostock zur Bundesgartenschau BUGA 2025 mit einem neuen Landesmuseum (links), einer Fußgängerbrücke über die Warnung und einer Markthalle (rechts). © Hanse- und Universitätsstadt Rostock

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 02.01.2020 | 08:00 Uhr