Stand: 14.09.2020 14:00 Uhr

Klassik für Kinder: "Der kleine Beethoven" im Allee Theater

Singende Dalmatiner, eine Hörrohr-Sammlung und eine Zeitmaschine - so bringt das Hamburger Allee Theater im Jubiläumsjahr des Komponisten eine Beethoven-Geschichte für Kinder auf die Bühne. Im Stück "Der kleine Beethoven" sind viele weltbekannte Melodien Beethovens zu hören.

von Daniel Kaiser

Szene aus der musikalischen Erzählung "Der Kleine Beethoven" auf der Bühne des Allee Theaters in Hamburg. © Allee Theater
"Für Elise" auf der E-Gitarre. Charly (l.) besucht per Zeitmaschine seinen Urahn Karl, den Neffen von Ludwig van Beethoven.

Charly spielt mit seiner E-Gitarre "Für Elise". Bei jedem falschen Ton heult die Dalmatiner-Dame "Edna" auf. Charly, der entfernte Beethoven-Verwandte aus der Gegenwart, reist mit seinem Hund in einer Zeitmaschine zu seinem Urahn Karl und erlebt, wie der vom Komponistenonkel Ludwig van Beethoven zum Musiker gemacht werden soll. Man taucht in Beethovens Alltag ein, lernt, dass der Komponist ein sehr unruhiger Geist war und ständig umgezogen ist. Es erklingen weltberühmte Stücke wie die "Mondscheinsonate", die "Wut über den verlorenen Groschen", die alle in kleine Geschichten verpackt werden. Auch Gags über Beethovens Schwerhörigkeit sind natürlich dabei.

Wirbeln und Wuffen

Emrah Demir als Charly von heute mit Kapuzenpulli und als Beethoven himself mit ikonischer Wuschelperücke spielt mit viel Witz und Mimik. Lukas Spitzenberg bezaubert als ernster Beethoven-Neffe Karl, der lieber Soldat sein als Klavier üben möchte. Als Spitzenberg Beethovens "Es war einmal ein König, der hatt' einen großen Floh" deklamiert und das Stück mit ganzem Körper performt, ist das sicher einer der stärksten Momente. Auch Jana Lou und Maren Meyer wirbeln und wuffen in mehreren Hunde- und Menschenrollen über die Bühne. Und die beiden können auch noch wunderbar singen. Das Mini-Orchester (Klavier, Geige und Flöte) unter der Leitung von Tjaard Kirsch sorgt für einen sympathischen Kammermusik-Sound.

Ein braves Stück für brave Kinder

Szene aus der musikalischen Erzählung "Der Kleine Beethoven" auf der Bühne des Allee Theaters in Hamburg. © Allee Theater
Die Zeitmaschine: Eine Propeller-Maschine, in die man sofort einsteigen möchte.

Das Bühnenbild (Lisa Überbacher) ist phänomenal fantasievoll. Beethovens Klaviere, Sessel, Schränke und Spiegel sind nur mit schwarzem Stift gezeichnet und korrespondieren mit Karls Kleidung. Die Zeitmaschine, mit der Charly und Edna hin- und herfliegen, ist ein Uralt-Propellerflugzeug. Man möchte sofort einsteigen. Die Geschichte von Barbara Hass, die wegen der Corona-Beschränkungen überarbeitet werden musste, wackelt leider ein bisschen. Die Idee mit der Zeitreise verpufft am Ende irgendwie - die beiden Beethoven Juniors, Charly und Karl, begegnen sich kaum. Die Regie von Andreas Franz hat aus dem "kleinen Beethoven" ein braves Stück für brave Kinder zum Zuhören und Zuschauen ohne Interaktion gemacht. Für Nachwuchs, der aber bereits ein bisschen Spaß an Klassik hat, lohnt sich der Nachmittag mit dem kleinen Beethoven.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 14.09.2020 | 19:00 Uhr