Stand: 06.12.2019 17:16 Uhr

Geschäftsführerin Mairi Kroll geht in den Ruhestand

von Agnes Bührig

Wie finanzieren wir die nächste Ausstellung? Welche Schwerpunkte setzen wir in der Mitgliederarbeit im Förderkreis und wie können wir neue gesellschaftliche Gruppen für die Kunst interessieren? Diese Fragen waren fast 40 Jahre das tägliche Geschäft von Mairi Kroll, der Geschäftsführerin des Kunstvereins Kestner Gesellschaft in Hannover. Ende der Woche geht die 64-Jährige in den Ruhestand. Welche Höhepunkte und Herausforderungen haben ihre vergangenen Jahren geprägt?

Mairi Kroll, bis 2019 Geschäftsführerin der Kestnergesellschaft in Hannover © Kestnergesellschaft Hannover
Mairi Kroll fing 1981 an, für die Kestner Gesellschaft in Hannover zu arbeiten.

Mairi Krolls Büro strahlt die Eleganz der Moderne aus: Schlichte dunkelgraue Büroschränke, ein übersichtlich aufgeräumter Schreibtisch, rote Club-Sessel im Bauhaus-Stil für Besucher. Wer Kunst an den Wänden sucht, sucht allerdings vergeblich. Gerade einmal zwei Einladungskarten von Kunstausstellungen haben es auf die hohen Fenstersimse des ehemaligen Schwimmbades geschafft. Darunter hängt eine ästhetische Stahlkonstruktion mit Sprossen - ein Kunstwerk?

"Wir haben einmal eine Ausstellung von Michael Sailstorfer gezeigt, er hat eine Brücke in unser Haus eingebaut. Die Brücke hing frei im Raum. Es war ein unangenehmes Gefühl, da drüber zu gehen, aber es war ein beeindruckendes Kunstwerk. Kurz danach kam jemand in mein Büro und sagte: 'Oh, wie cool, hier ist ja ein Sailstorfer, das ist ja super!' Und da habe ich gesagt: 'Nein, das ist der Rettungsweg für die Feuerwehr, falls es mal brennt'", erzählt Kroll.

1981: Mairi Kroll beginnt ihre Arbeit in Hannover

Es sind die kleinen Details, die der Tochter eines Schotten und einer Niedersächsin ins Auge fallen können. Als sie Anfang der 1980er-Jahre nach Hannover kommt, weckt eine Stellenanzeige der Galerie Brunsberg mit runden Ecken und kleiner Schrift das Interesse der ausgebildeten Hotelfachfrau. Sie wohnt damals in der Nähe der Kestner Gesellschaft. In der Bäckerei lernt sie den damaligen Direktor des Hauses, Carl Haenlein, kennen. 1981 beginnt sie, für seinen Kunstverein zu arbeiten. "Das war eine feine, ganz kleine Gesellschaft. Die Tür war zu, man musste klingeln, um reinzukommen", erinnert sich Kroll. "Das heißt, es kam keine Laufkundschaft. Es kamen nur Menschen, die gezielt zu uns wollten. Damals fanden wir das aber normal. Heute würde man das schrecklich finden."

1997: Umzug in das Goseridebad im Stadtzentrum

Die Außenansicht der Kestnergesellschaft in Hannover.  Foto: Ulrich Prigge
In dem ehemaligen Goseriedebad im Zentrum von Hannover stehen rund 1.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Die Kestner Gesellschaft zieht 1997 in das ehemalige Goseriedebad ins Stadtzentrum. Seitdem gibt es mehr als 1.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Zudem inspiriert die Geschichte einer Badeanstalt etliche Künstler. Nicht zuletzt den spanischen Konzeptkünstler Santiago Sierra, der im Jahr 2005 Boden und Wände mit Schlamm füllt. Doch nicht nur spektakuläre Ausstellungen sind für den Erfolg der Kestner Gesellschaft wichtig, sagt Kroll. Die aktuelle Direktorin der Kestnergesellschaft, Christina Végh, verlässt das Haus und "Es gibt die Herausforderung, eine neue Direktorin, einen neuen Direktor zu finden. Die Person muss kompetent sein, sie muss Vorstellungen haben, was sie zeigen will", so Kroll. Ebenso wichtig sei etwa ein großes Netzwerk für die Akquise von Geldern bei Stiftungen.

Unter anderem diese Aufgabe hat nun eine neue Geschäftsführerin: Krolls Nachfolgerin ist Claudia Beißner, hat Marketing-Erfahrung und ist bereits seit ein paar Monaten im Haus. Mairi Kroll hingegen freut sich, dass sie bald Zeit für anderes hat: Einen Besuch in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt und den Besuch des Enkelkindes in München.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 09.12.2019 | 06:40 Uhr