Stand: 16.05.2017 16:50 Uhr

Cannes: Geburtstagsparty mit Staraufgebot

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Mit 167 Diamanten besetzt ist die heiß begehrte Trophäe des Filmfestivals von Cannes anlässlich seines 70. Geburtstags.

Dieses Ding hätte wohl jeder Filmemacher gern auf dem Kaminsims: ein geschwungener Palmwedel aus 18-karätigem Gold. Das ist der Hauptpreis des Filmfestivals von Cannes. Diesmal ist der ganz besonders schick. Weil das Festival ab heute zum 70. Mal stattfindet, wurde die begehrte Trophäe noch extra mit weiteren 167 kleinen Diamanten bestückt.

Filmexpertin Katja Nicodemus ist für NDR Kultur in Cannes und begleitet das Festival.

Wie feiert man sich in Cannes denn außerdem, an diesem runden Geburtstag?

Katja Nicodemus: Cannes gelingt es eigentlich jedes Jahr, sich zum Geburtstag zu gratulieren und seine Vergangenheit zu feiern. In diesem Jahr wird ein bisschen getrickst: Das Plakat dieses 70. Festivals zeigt eine tanzende Claudia Cardinale. Das Foto wurde 1959 aufgenommen - nicht in Cannes, sondern auf irgendeiner Terrasse in Rom, und Claudia Cardinales Taille wurde digital verändert, also ganz verschlankt. Darüber wurde hier ganz schön diskutiert, Frauenrechtlerinnen haben sich beschwert. Egal, Hauptsache schöne Bilder, heißt es in Cannes.

Cannes: Die wichtigsten Filme und die Jury

Natürlich feiert sich das Festival wieder mit einem Staraufgebot: Isabelle Huppert ist in diesem Jahr da, Diane Kruger, Kirsten Dunst, Nicole Kidman spielt allein in drei Filmen und einer Serie mit. Und es gibt wieder ein Staraufgebot der Autorenfilmer, unter anderem Michael Haneke, Sofia Coppola, Todd Haynes - das ist schon eine richtige Geburtstagsparty.

Trotz Party sind große Festivals immer Spiegel ihrer Zeit. Spiegeln sich denn diese bewegten politischen Zeiten im Programm von Cannes?

Nicodemus: Ja, das ist interessant. Wie politisch genau Filme sind, kann man immer erst sagen, wenn man sie gesehen hat. Denn das tollste politische Thema wird entpolitisiert durch einen konventionellen oder langweiligen Zugriff. Aber in diesem Jahr bin ich auf zwei Filme besonders gespannt: Michael Hanekes neuer Film "Happy End" handelt von einer Familie in Nordfrankreich, die in der Nähe eines Flüchtlingscamps lebt und das gar nicht so wahrnimmt. Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant spielen die Hauptrollen.

Und "Aus dem nichts" von Fatih Akin handelt von einer Frau, deren Sohn und Ehemann bei einem rechtsextremistischen Bombenanschlag gestorben sind, und sie sinnt auf Rache. Die Hauptrolle spielt Diane Kruger. Das sind zwei Filme, wo politische Form und Inhalt ganz gut zusammenkommen könnten.

In der Jury sitzt in diesem Jahr die "Toni Erdmann"-Regisseurin Maren Ade. Ist das so ein bisschen Wiedergutmachung, weil ihr Film ja im letzten Jahr in Cannes zwar hoch favorisiert war, aber letztlich leer ausgegangen ist?

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Nicodemus: Ich würde eher sagen, dass sich Cannes mit Maren Ade ganz gut schmücken kann. Wenn ich das hätte entscheiden können, hätte ich sie zur Jury-Präsidentin gemacht. Eine Frau - und nicht Pedro Almodóvar schon wieder. Wenn man aufs letzte Jahr zurückblickt, wie dieser Film "Toni Erdmann" die gesamt internationale Filmwelt in so eine fiebrige Hysterie versetzt - das war einmalig. Daran denkt man in diesem Jahr natürlich immer wieder zurück und freut sich, Maren Ade wieder über den roten Teppich laufen zu sehen.

Maren Ade in der Jury, ein Film von Fatih Akin im Wettbewerb - sind das weitere Zeichen für den internationalen Erfolg des deutschen Kinos?

Nicodemus: Ich glaube schon. Selbst wenn davor nicht so viele deutsche Filme im Wettbewerb in Cannes liefen, mit Koproduktionen war Deutschland ja immer vertreten. Auch Michael Hanekes neuer Film ist übrigens wieder eine deutsche Koproduktion.

Es läuft auch noch ein anderer Film in einer sehr renommierten Nebenreihe: "Western", der neue Film der Regisseurin Valeska Grisebach in "Un Certain Regard". Die Deutschen sind hier sehr gut aufgestellt.

Der Eröffnungsfilm ist ein französischer Film. Ist er geeignet für die pompöse Eröffnung der 70. Ausgabe?

Nicodemus: Ich glaube schon. Arnaud Desplechin, der Regisseur des Eröffnungsfilms "Les Fantômes d'Ismaël", ist ein alter Bekannter von Cannes. Er gehört zur Regie-Bewegung der Nouvelle Vague, die schon seit vielen Jahren mit sehr persönlichen Filmen Geschichten ins französische Kino bringt. Natürlich ist Cannes als großes Festival immer auch eine Vitrine der heimischen Filmkunst - und daher ist das natürlich toll. Dieser Film hat neben Mathieu Amalric in der Hauptrolle Charlotte Gainsbourg und Marion Cotillard zu bieten. Das sind auch internationale Stars geworden. Insofern weiß Cannes das französische Kino immer schon sehr gut zu feiern, auch am Geburtstag.

Das Interview führte Jan Wiedemann.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 17.05.2017 | 07:20 Uhr

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