Stand: 15.10.2019 20:15 Uhr  - NDR Kultur

Erste Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse

In Frankfurt wurde am Dienstag die Buchmesse eröffnet. Die Politik war u.a. durch Bundesaußenminister Heiko Maas vertreten, und das norwegische Kronprinzenpaar hat der Veranstaltung royalen Glanz verliehen - Norwegen ist in diesem Jahr das Gastland der Frankfurter Buchmesse. NDR Kultur Redakteur Jürgen Deppe war vor Ort.

Herr Deppe, war denn die Eröffnung auch so richtig königlich?

Jürgen Deppe © NDR Foto: Christian Spielmann
NDR Kultur Redakteur Jürgen Deppe berichtet von der Frankfurter Buchmesse.

Jürgen Deppe: Wenn man das Blitzlichtgewitter nimmt, dann hatte es zumindest etwas Strahlendes und Funkelndes - aber königlich und royal nicht. Das norwegische Königspaar ist ohnehin eher bürgernah und bodenständig. Aber insgesamt hat so eine Eröffnung immer ein bisschen was Feierliches, zumal wenn mit Außenminister Heiko Maas die Bundesregierung vertreten ist. Und in die Richtung Staat und Politik zielten auch die ersten ziemlich beklemmenden und sehr starken Begrüßungsworte von Buchmessendirektor Juergen Boos:

"Seit ein paar Tagen wird in Deutschland gefordert, jüdische Einrichtungen besser zu schützen. Ich schäme mich dafür, dass so etwas wieder gesagt werden muss. Stattdessen sollten wir alles dafür tun, damit jüdische Einrichtungen nie wieder von irgendjemandem beschützt werden müssen." Juergen Boos

Boos nannte die Kultur an den Rand gedrängt und beschrieb, wie die Messe dann ihrem Motto "Create Your Revolution" gerecht werden sollte, Staub aufwirbeln sollte. Beispielhaft nannte er da, dass die Klimabewegung das im Moment schon tut.

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Frau hält Buch auf der Messe vor das Gesicht © picture alliance/Andreas Arnold/dpa Foto: Andreas Arnold

"Eine sehr politische Buchmesse"

Diese Frankfurter Buchmesse will offenbar die politischste aller Zeiten werden, so Alexander Solloch von NDR Kultur. Er ist in Frankfurt und berichtet von der Eröffnungspressekonferenz. mehr

Wenn es schon nicht royal war, wurde es denn mit Heiko Maas wenigstens ministerial oder wenigstens staatstragend?

Deppe: Das hatten wir uns zumindest alle gedacht, als er flotten Schrittes aufs Podium sprang. Aber dann kam das:

"Erlauben Sie mir, dass ich den Außenminister für die nächsten zehn Minuten einmal ablege und ganz persönlich zu Ihnen spreche: als einer von 82 Millionen Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, als einer von fünf Milliarden Lesenden auf der Welt, und als jemand, der sich Gedanken macht darüber, wohin sich unsere Gesellschaft gerade entwickelt." Heiko Maas

Und dann sprach nicht Minister, sondern Mensch Maas sehr beeindruckend über digitalen Wandel und die gesellschaftliche Realität, die auch solche Ereignisse wie das in der vergangenen Woche in Halle meint. Und da appellierte Heiko Maas:

"Meine Damen und Herren, es ist höchste Zeit, dass auch wir hochschauen von unseren Smartphones, den Blick weiten, statt ihn auf die Größe eines Displays zu verengen; dass wir diskutieren, widersprechen, querdenken und auch streiten; dass wir rauskommen aus unserer Konsens-Komfortzone - denn sie ist auch nichts anderes als eine Blase." Heiko Maas

Eine wirklich starke Rede.

Die Ehrengäste kamen aber bestimmt auch zu Wort, oder?

Deppe: Ja, einige sogar. Mir hat die Schriftstellerin Erika Fatland ganz besonders gut gefallen. Die war quicklebendig, hellsichtig und - was in diesem Rahmen eher ungewöhnlich ist - auch herrlich humorvoll:

"Ich war ein einsames und seltsames Kind, und ein noch einsamerer und seltsamerer Teenager. Aber ich fühlte mich niemals allein, denn ich hatte Bücher. Meine Jugendrevolte bestand darin, dass ich die obligatorische sonntägliche Wanderung mit der Familie schwänzte, um zu lesen. Das klingt möglicherweise nicht sonderlich gravierend, aber in meiner westnorwegischen Familie war das so, als würde man vor dem Frühstück Schnaps trinken oder am Wochenende harte Drogen nehmen." Erika Fatland

Das hat sie Gott sei Dank nicht gemacht. Aber auch sie thematisierte das derzeit allgegenwärtige Thema Digitalisierung, entwarnte dann aber doch ein bisschen die Voraussagen über den baldigen Tod des Buches. Die hätten sich ja bislang alle als falsch erwiesen. Hoffen wir mal, dass das in den nächsten fünf Tagen auch so bleibt.

Das Gespräch führte Andrea Schwyzer

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 15.10.2019 | 19:00 Uhr

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