Vor dem Schweriner Schloss steht eine Sukka - eine jüdische Laubhütte. © NDR Foto: Axel Seitz

Jüdisches Laubhüttenfest in Schwerin: Eine Sukka vorm Schloss

Stand: 20.09.2021 18:14 Uhr

Der Burggarten rund um das Schweriner Schloss besticht durch seine abwechslungsreiche Gestaltung. In dieser Woche können Besucher zudem etwas entdecken, was es sonst nicht im Burggarten gibt: eine Sukka, eine Laubhütte.

von Axel Seitz

Die Laubhütte ist der Mittelpunkt des jüdischen Laubhüttenfestes, das von Montagabend an eine Woche lange gefeiert wird. Sukkot - das jüdische Laubhüttenfest - feiern die Juden jährlich eine Woche lang, erklärt Mecklenburg-Vorpommerns Landesrabbiner Yuriy Kadnykov: "Sukkot, das kommt von Sukka. Und Sukka ist der hebräische Name für Laubhütte. Es gibt ein Gebot in der Thora, sowohl im 2. Buch Mose als auch im 5. Buch Mose: Man muss sieben Tage in der Sukka wohnen. Es erinnert an den Auszug aus Ägypten, damals haben die Kinder Israels 40 Jahre lang in solchen Laubhütten gelebt."

1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland

Eine Laubhütte (Sukka) von innen. © NDR Foto: Axel Seitz
Die Sukka von innen: Durch das Dach muss man den Himmel sehen können - aber es muss auch Schatten spenden.

Normalerweise stehen diese Hütten zumeist in den jüdischen Gemeindezentren. 2021 ist das anders, denn aus Anlass des Jubiläums - 1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland - gibt es Sukkot XXL. Und an diesem Projekt hat sich auch die Schweriner Jüdische Gemeinde beteiligt, mit einer Laubhütte im Burggarten hinter dem Schloss. "Es ist wichtig, dass wir hier auch in Schwerin zeigen, dass die Gemeinde in der Mitte der Gesellschaft ist", betont Kadnykov. "Wir haben schon eine Synagoge auf einem historischem Platz in der Altstadt gebaut. Aber hier, beim Schloss, dem Sitz des Landtags, wo die legislative Macht ist, steht die Sukka. Ein Haus, das ganz wackelig ist. Dort leben wir eine ganze Woche und hoffen auf gutes Wetter. Und es ist ein Zeichen für unsere Parlamentarier: Die müssen wissen, wie wackelig unsere Welt ist."

Konzerte und Veranstaltungen informieren über jüdische Bräuche

Eine Woche Sukkot XXL in Schwerin - das heißt Konzerte unter anderem mit dem Landespolizeiorchester sowie dem Jugendchor des Goethegymnasiums. Es gibt auch mehrere Veranstaltungen, in denen über jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern und jüdische Bräuche informiert wird.

Schirmherrin ist Landtagspräsidentin Birgit Hesse

Mecklenburg-Vorpommerns Landtagspräsidentin Birgit Hesse und Landesrabbiner Yuriy Kadnykov stehen vor der Laubhütte vor dem Schweriner Schloss. © NDR Foto: Axel Seitz
Landtagspräsidentin Birgit Hesse hat die Schirmherrschaft übernommen und präsentiert die Sukka gemeinsam mit Landesrabbiner Yuriy Kadnykov.

Die Schirmherrschaft hat Landtagspräsidentin Birgit Hesse übernommen; sie fand die Idee großartig, mit einer Sukka im Burggarten auf das Laubhüttenfest hinzuweisen: "Das passt zu uns als Landtag und das passt auch zu dem Duktus, den ich in diesem Landtag gerne haben möchte, nämlich die Weltoffenheit, die Toleranz und die gegenseitige Akzeptanz", sagt sie. "Insofern war es für mich auch selbstverständlich, dass wir mitmachen. Und dieses Schloss soll nicht geschlossen, sondern soll offen sein - auch für andere Religionen und für andere Ideen. Sukkot ist für mich ein tolles Beispiel, wie wir uns gegenseitig beleben können. Insofern war es für mich ein Selbstverständnis, dass wir daran teilnehmen und das unterstützen."

Laubhüttenfest während zweier großer Wahlen

Rabbiner Yuriy Kadnykov sagt, als gläubiger Mensch glaube er nicht an Zufälle. Dabei gibt es während des diesjährigen Laubüttenfestes, das am Montagabend kommerder Woche endet, gleich zwei Wahlen, die zum Bundestag und die zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. "Demokratie ist eine wacklige Sache, man muss sich immer wieder verteidigen" sagt Kadnykov. "Und wir können sie verteidigen, denn wir wissen, was 1933 passierte, als die Falschen an die Macht kamen. Die ganze deutsche Geschichte lag in Trümmern. Alles wurde zerstört, nicht nur jüdisches Leben. Die ganze deutsche Nachkriegsgeschichte ist von dieser furchtbaren Zeit geprägt - bis heute. Und wenn man so eine Laubhütte betrachtet und sieht, dass unsere Realität ziemlich wackelig ist, und mit dieser Erkenntnis zu den Wahlen geht, dann kann man vielleicht bessere Entscheidungen treffen, denn es geht um die Zukunft."

Laubhütten in zahlreichen Städten Deutschlands

Mit dem Sonnuntergang am Montagabend heißt es nun: Sukkot XXL und zwar in der ganzen Bundesrepublik. In zahlreichen Städten wurden an öffentlichen Plätzen Laubhütten errichtet: in Hamburg, Hannover, im ostfriesischen Leer, in Potsdam, Halle, Trier - und im Schweriner Burggarten neben dem Schloss mit Blick auf den See.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 20.09.2021 | 19:00 Uhr