Der Kinderbuchautor Janosch vor einer großen Zeichnung von Tiger und Bär © picture alliance / dpa Foto: Roland Weihrauch

Janosch: "Kein Mann der großen Worte"

Stand: 11.03.2021 17:06 Uhr

Illustrator und Kinderbuchautor Horst Eckert, besser bekannt als Janosch, hat seinen 90. Geburtstag gefeiert. Seine illustrierten Kindergeschichten haben ihm hierzulande große Bekanntheit verschafft.

Der Kinderbuchautor Janosch vor einer großen Zeichnung von Tiger und Bär © picture alliance / dpa Foto: Roland Weihrauch
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Der Vater der Tigerente und anderer Tiere kann es aber auch für Erwachsene. Und so ist er ins winzig kleine Gifkendorf in der Nähe von Lüneburg gekommen - bis heute eine feste Ortsmarke auf seiner Lebenslandkarte -, wo auch der Merlin Verlag von Andreas J. Meyer beheimatet ist. Heute geleitet von dessen Tochter Katharina Eleonore Meyer.

Frau Meyer, wie kommt Janosch ins beschauliche Gifkendorf?

Katharina Eleonore Meyer: Über seine Kunst. Mein Vater hat ihn Ende der 70er-Jahre gefragt, ob er sich an einer Grafik-Edition beteiligen möchte, und Herr Janosch hat sofort gesagt: "Ja, mach ich gerne - aber ich habe noch nie eine Radierung gemacht." Mein Vater stellte also den Kontakt zu einem Münchner Drucker her, und dort hat sich Janosch mit der Radierkunst auseinandergesetzt. Er sollte eigentlich für die Volkslieder-Mappe ein Blatt machen, hat sich das Lied "Guter Mond, du gehst so stille" ausgesucht und hat dann aber drei Motive gemacht. Eines davon ist in die Mappe gekommen und die beiden anderen sind als Einzelblätter verkauft worden. Das war der Beginn der Zusammenarbeit mit Janosch.

Es ist nicht bei dieser einmaligen Zusammenarbeit geblieben. Was macht dieses enge Vertrauensverhältnis aus?

Meyer: Wenn man mit Künstlern und Autoren zusammenarbeitet, dann ist das immer auch eine Schwierigkeit, weil sie kreativ sind und Freiräume brauchen. Gleichzeitig stellt man die Verbindung zu dem Publikum her, und dieses Vertrauensverhältnis zwischen Herrn Janosch und meinem Vater hat sich wahrscheinlich intuitiv entwickelt. Das ging relativ schnell: Erstmal hat man über die Kunst zusammengearbeitet: Janosch hat Gefallen an der Radierkunst gefunden und hat sehr viele Radierungen und Mappenwerke gemacht. Er hat auch Texte, die nicht von ihm waren, mit Bildern versehen oder Romane, die schon erschienen waren, mit Radierkunst versehen. Das war ein vertrauensvolles Verhältnis in dem Bereich, sodass mein Vater dann in zunehmendem Maße im Hinblick auf andere Verlage und Projekte vermittelt hat. Da haben sich zwei gefunden, die sich gegenseitig respektiert haben, die auch um die kleinen Fehlerchen des einen oder anderen wussten, aber trotzdem gut miteinander arbeiten konnten.

Sie sprechen von "Herrn Janosch" - wie eng sind Sie mit ihm verbunden? Denn Sie müssen noch jung gewesen sein, als Sie ihm zum ersten Mal begegnet sind.

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Meyer: Meine erste Berührung habe ich 1978 gehabt, als mir mein Vater ein Buch von Herrn Janosch mitbrachte: "Die Maus hat rote Strümpfe an". Da war ich 13 und fand, dass das nicht so ganz das war, was ich las. Ich habe mir das aber trotzdem angeschaut und die Figuren sofort lieb geworden. Dieser Zeichenstil hat mir schon damals sehr gut gefallen.

Durch die enge Zusammenarbeit meines Vaters ist man dann immer mehr mit dem Werk und auch mit der Persönlichkeit in Berührung gekommen. Wir haben ihn vor ein paar Jahren noch einmal auf Teneriffa besucht. Ich würde sagen, wir haben ein normales Verhältnis.

Neben dem Merlin Verlag gibt es in Gifkendorf auch den Little Tiger Verlag. Bei dem Titel ahnt man schon, dass es irgendetwas mit Janosch zu tun hat. Wie ist es zu dem gekommen?

Meyer: Das hing damit zusammen, dass Janosch Mitte der 80er-Jahre, den genialen Einfall hatte, Postkarten mit kleinen cartoonartigen Zeichnungen zu entwerfen, die er auch mit Sprüchen versehen hat. Er hat das selber drucken lassen, und in seiner Münchner Wohnung lagen auf zwei Paletten diese Postkarten. Er fragte dann meinen Vater, ob er diese Postkarten nicht verkaufen wolle. Mein Vater hat ihm jemanden vermittelt, der diese Postkarten direkt an den Buchhandel verkauft hat. Das ging eine Weile gut, dann gab es aber Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten und die Postkarten landeten wieder auf dem Tisch meines Vaters, der in der Zwischenzeit ein bisschen weiter darüber nachgedacht und schließlich eine eigene Firma dafür gründet hat. Das war Herrn Janosch sehr recht, dass er einen Verlag hatte, der praktisch nur für ihn da war. Diese Exklusivität in der Betreuung ist etwas, was Autoren logischerweise sehr gefällt. Und so gibt es jetzt zwei Firmen, die in Gifkendorf sitzen und nebeneinander wirtschaften. Natürlich gibt es Verschränkungen, also übereinstimmende Autoren, die auch bei Merlin veröffentlicht werden. Das ist eine ganz gute Ergänzung.

Horst Eckert, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist eine relativ zurückgezogene Figur. Warum?

Meyer: Herr Janosch ist ein sehr zurückhaltender Mensch. Wenn man ihm begegnet, dann verliert er auch nicht viele Worte. Er ist sehr ruhig. Wenn er etwas sagt, dann sitzt das. Er ist schon sehr präsent in einem Gespräch, er ist ein sehr guter Beobachter, und er analysiert auch sehr gut. Er ist einfach nicht ein Mann der großen Worte, und er meidet auch diesen ganzen Trubel um ihn. Ich glaube, dass das in gewisser Weise auch geschickt ist, dass er sich aus den öffentlichen Auftritten weitestgehend rausgezogen hat, weil das auch immer die Gefahr birgt, dass man zu viel von sich preisgibt und sich auf eine bestimmte Art und Weise auch angreifbar macht. Das zeichnet ihn auch aus, dass er ein sehr überlegter Mensch ist. Er hat schon in frühen Jahren sehr viele Erfahrungen gesammelt. Er weiß genau, was er will, er verhält sich aber sehr bescheiden und zurückgenommen, weil das einfach seinem Wesen entspricht.

Das Interview führte Jürgen Deppe.

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NDR Kultur | Journal | 11.03.2021 | 18:00 Uhr

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