Jan Hofer © picture alliance / dpa Foto: Hendrik Lüders

Jan Hofer - das Gesicht der Tagesschau sagt Tschüs

Stand: 15.12.2020 09:58 Uhr

Jan Hofer war über 35 Jahre das Gesicht der Tagesschau - so lange wie niemand vor ihm. Am Abend des 14. Dezember 2020 moderierte er die Sendung zum letzten Mal.

von Kathrin Schmid

Erste Tagesschau-Moderation 1985

"Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau. Guten Abend, meine Damen und Herren. Am Vorabend seines Besuchs in der Bundesrepublik hat der amerikanische Präsident Reagan ..." So klang das 1985, in dem Jahr, als Jan Hofer seine Karriere als Sprecher bei der ARD-Tagesschau begann. Seitdem wurde er über die Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Oberkörper der Nation. Die "Süddeutsche Zeitung" nannte ihn zuletzt den "Acht-Uhr-abends-Meister der Intonation" Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer gehört er einfach dazu, als gern gesehener Gast - isst nichts, trinkt nichts, ist dafür aber gut informiert und bestens gekleidet. Das macht ihn zur Institution um 20 Uhr.

Privatsphäre gibt es nicht mehr

Tagesschau Studio mit Jan Hofer © ARD, Marcus Krüger Foto: M, Marcus Krüger
Immer souverän, ruhig und verlässlich: Jan Hofer hat 35 Jahre die ARD-Tagesschau moderiert.

Wobei man als Chefsprecher eigentlich immer im Dienst ist, wie Jan Hofer beschreibt: "Man unterliegt einer unglaublich hohen sozialen Kontrolle. Man weiß einfach, dass man keinen Schritt mehr unbeobachtete machen kann. Man kann sich nicht mehr in die Kneipe setzen und so tun, als sei man da privat. Man kann nicht mehr in den Urlaub fahren - und zwar an keinen Winkel dieser Erde - wo nicht irgendeiner ist, der einen kennt. Bei täglich über zehn Millionen Zuschauern ist das ja auch gar kein Wunder."

Fall der Mauer schönster Moment im Studio

In den Augen der Menschen sei er an 365 Tagen 24 Stunden lang für die Tagesschau da, daher auch meist zu Selfies bereit. Manchmal gerate man dadurch auch in "Stellvertreterkriege", sagt Hofer. Denn wer die Tagesschau ablehne, werde auch die Sprecherinnen und Sprecher ablehnen. Das ist jedoch nichts, was ihn jemals aus der Ruhe gebracht hätte. Ebenso wenig wie herausfordernde Nachrichtenlagen. Außer vielleicht ein Mal - und das sei gleichzeitig sein schönster Moment im Studio gewesen: "Das war die Wende, die Öffnung der Grenze. Das war nicht nur das Schönste, das war auch das Spannendste. Weil wir alle in der Redaktion nicht wussten, ob das wirklich so kommt. Wir haben nicht gewusst ob - eine Minute bevor wir gesendet haben - ob es wirklich so ist oder ob nicht doch plötzlich Panzer auf der Straße sind. Das war unvergessen."  

Hofer und Boetzkes witzeln über Bitcoins

Jan Hofer - Kurzbiografie

  • Geboren am 31. Januar 1952 in Büderich
  • Abitur am Nordseegymnasium auf Langeoog
  • nach dem Wehrdienst BWL-Studium in Köln
  • 1976 Volontariat bei verschiedenen Rundfunkanstalten
  • 1983 erste Fernsehmoderationen im Saarländischen Rundfunk
  • 1985 Moderator bei der ARD-Tagesschau
  • 1989 - 1991 Moderator bei der NDR Talkshow
  • 1992 - 2012 Gastgeber bei der Talkshow Riverboat im MDR
  • Kommentator, Moderator und Gastgeber verschiedener Sendungen
  • seit 2004 Chefsprecher der Tagesschau
Jan Hofer hat vier Kinder und ist in zweiter Ehe verheiratet.

Unvergessen ist auch eine weiter Szene mit Jan Hofer, weil sie ein Hit im Netz wurde: Nach einer Nachrichtenausgabe auf Tagesschau24 frotzelte Jan Hofer mit Kollege mit Claus-Erich Boetzkes - nicht wissend, dass die Mikrofone noch geöffnet waren - über angebliche Reichtümer in der Digitalwährung Bitcoins. So fragte Hofers-Kollege: "Warum arbeitest Du hier noch, Alter? Warum?" Hofer antwortete: "Weiß ich auch nicht."

Legendäres Homeoffice-Video auf TikTok

Nicht nur das. Dazu kommt beim Chefsprecher, der das offizielle Rentenalter längst erreicht hat, auch eine große Begeisterung für Technik, Innovationen und die sozialen Medien. Jan Hofers privater Instagram-Account hat gut 26.000 Abonnenten. Auf der Social Media-Plattform TikTok erschien er zuletzt mit einer Tagesschau-Ausgabe aus dem Homeoffice. Er eröffnete das Video mit einem gesungenen Tagesschau-Gong und den Worten: "Guten Abend,  meine Damen und Herren - immer mehr Menschen arbeiten wegen der Corona-Krise aus ihrem Homeoffice."

Hofer hofft, dass die Tagesschau ihren Stellenwert behält

Jan Hofer © NDR Fernsehen/Uwe Ernst
In der NDR Talk Show blickt der 68-Jährige am 11. Dezember auf seine liebsten Ereignisse der letzten drei Jahrzehnte zurück.

Die Ausstrahlung höchster Seriosität gepaart mit einer glaubwürdigen Portion Selbstironie - Jan Hofer hätte wohl auch das Zeug zum obersten Social-Media-Strategen - zumal es ihm ein großes Anliegen ist: "Ich hoffe, dass die Tagesschau dadurch, dass sie ihre Anbindung an die sozialen Medien ja so grandios hinbekommen hat, auch ihren Stellenwert behalten wir - und dass sich vor allem junge Zuschauer mehr für Politik und gesellschaftliche Themen interessieren. Da ist sie eine ganz wichtige Stimme und das brauchen wir in diesem Land. Ich bin mir auch sicher, dass wir auch in der Zukunft - auch wenn ich nicht mehr dabei bin - dem gewachsen bin."

Aber er sei ja auch nicht aus der Welt. Ruhestand heißt für Jan Hofer: mehr Zeit für Familie und seine Oldtimer. Aber nicht: sich ganz aus den Medien zu verabschieden. Für seine letzte Präsentation wünschte er sich daher eine ganz normale Sendung - womöglich mit ein paar persönlichen Worten zum Ende. "GONG - diese Angaben wie immer ohne Gewähr".

Weitere Informationen
Jan Hofer © NDR Fernsehen/Uwe Ernst
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Chefsprecher Jan Hofer nimmt Abschied von der Tagesschau

In der NDR Talk Show blickt der 68-Jährige auf seine liebsten Ereignisse der letzten drei Jahrzehnte zurück. 15 Min

Jan Hofer mit Wolle und Pferd © NDR
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Wolle und Pferd bei der Tagesschau

Diesmal sind die Filmemacher im Studio der Tagesschau. Wolle und Pferd wollen nämlich in die Nachrichten kommen, um möglichst vielen Menschen über den Eichenpark zu berichten. 3 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 14.12.2020 | 08:50 Uhr