Stand: 13.01.2020 12:10 Uhr  - NDR Fernsehen

Jan Fedder - Hamburger Jung und Publikumsliebling

von Kathrin Weber, NDR.de

Den Polizisten Dirk Matthies vom Großstadtrevier, Bauer Kurt Brakelmann in der Serie Neues aus Büttenwarder oder den Taucher Jan Hinrichs in der Buchverfilmung "Der Mann im Strom": Jan Fedder spielte meist typisch norddeutsche Charaktere - hart aber herzlich. Auch privat war er eher ein Raubein, einer, der sich nicht an Konventionen hielt und sich nicht verbiegen ließ. Und genau so liebte ihn das Publikum: Mehrfach wählten ihn die NDR Zuschauer zum beliebtesten Schauspieler des Nordens. Am 30. Dezember ist er in Hamburg gestorben - kurz vor seinem 65. Geburtstag am 14. Januar 2020.

Jan Fedder wurde am 14. Januar 1955 als waschechter Hamburger Jung geboren. Seine Vorfahren fuhren alle zur See, er wuchs als Sohn eines Kneipenwirtes und einer Revue-Tänzerin im Stadtteil St. Pauli auf. Im Alter von zehn Jahren begann er mit dem Schauspielunterricht, mit 13 stand er das erste Mal in seiner Heimatstadt auf der Bühne: in "Unsere kleine Stadt" am Ernst-Deutsch-Theater.

Filmrolle im Welterfolg "Das Boot"

Nach der Schule machte Fedder eine Ausbildung als Speditionskaufmann, arbeitete aber nie in dem Beruf. Stattdessen spielte er weiter Theater, unter anderem an der Württembergischen Landesbühne Esslingen (1974 - 1976). Nach kleineren Fernsehauftritten wurde er 1981 als schnoddriger Bootsmann Pilgrim in Wolfgang Petersens Welterfolg "Das Boot" einem größeren Publikum bekannt. Danach folgten Rollen unter anderem in "Superstau" (1991) sowie Gastauftritte in TV-Krimi-Reihen wie "Tatort".

Weggefährten über Jan Fedder

  • Peter Heinrich Brix, Schauspieler:

    "Ich sehe Jan als Gesamtkunstwerk. Ich denke, man sollte ihn so nehmen, wie er ist, und das ist eine ganze Menge. Ich meine, wenn man mit seiner Klatsche Geld verdienen kann, dann ist man doch weit vorne."

  • Marion Fedder, Ehefrau:

    "Er braucht sich fast gar nicht auf Rollen vorzubereiten. Es dauert zwei, drei Tage, dann ist er die Rolle. Das geht ganz schnell. "

  • Maria Ketikidou, Schauspielerin:

    "Drehen, am Set sein, das braucht er wie die Luft zum Atmen."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Für mich ist das die größte Symbiose aus einer ziemlich großen Klappe und einem großen Herzen. Und beides hat er."

  • Norbert Eberlein, Drehbuchautor:

    "Er hat dieses Hauptdarsteller-Gen. Wenn er in einer Szene drin ist, ist es eine Fedder-Szene."

  • Tim Mälzer, Koch:

    "Jan ist Freizeitvegetarier. Jan isst Wurst, weil er Wurst nicht als Fleisch bezeichnet. Wurst ist Wurst, das ist für ihn etwas anderes."

  • Axel Milberg, Schauspieler:

    "Für mich besteht der Kern des Berufes Schauspieler aus dem 'Sich-Verbiegen'. Jan kürzt das ab und sagt: 'Ich lass mich nicht verbiegen.' Aber Recht hat er: Für ihn, für sich, hat er seine eigenen Gesetze, die hat er durchgezogen und ist dabei auch mutig."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Was er nicht will, macht er nicht. Er ist nicht verführbar, nicht zu kaufen - der Typ ist unbestechlich. Er muss etwas wollen und dann ist er gut."

  • H.P. Baxxter, Scooter-Frontmann:

    "Jan ist ja passionierter Sammler von allen alten Gegenständen. Also nicht nur Autos, auch Möbel und alles Mögliche. Ich war mal bei ihm, das war unglaublich. Da kannste ja drei Museen draus machen ... was der alles hat!"

  • Tim Mälzer, Koch:

    "Er sammelt wirklich alles - also alles, was eine Geschichte hat. Jan ist ein ganz moderner Geschichtenerzähler und das macht ihn so besonders. Das macht ihn so liebenswert und ich glaube, deshalb mögen ihn die Menschen auch. Weil er nicht eine Rolle spielt, sondern Geschichten erzählt. Man hört ihm einfach wahnsinnig gerne zu."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Er ist sehr ehrlich, der lügt wirklich nicht. Er hat keine Uhr, kein Handy, geht grundsätzlich auch nicht ans Telefon - was mich immer fuchst, weil manchmal muss man auf Gottvater zwei oder drei Tage warten, bis er dann zurückruft. Dann sagt er: 'Warum regst du dich eigentlich auf? War doch klar, dass wir das sowieso so machen!'"

  • Fatih Akin, Regisseur:

    "Ich hatte ihn ja eigentlich schon für 'Gegen die Wand' besetzt. Aber ich habe ihn rausgeschnitten, weil es zu lustig war. Aber es lag nicht an Jan. Jan war großartig."

  • Maria Ketikidou, Schauspielerin:

    "Der ist Rock 'n' Roll. Das macht ihn sexy."

  • Peter Heinrich Brix, Schauspieler:

    "Er kann unglaublich viel einstecken. Ich kenne niemanden, der mehr einstecken kann. Er jammert nie."

  • Tim Mälzer, Koch:

    Wir sind nicht über die Kulinarik zueinander gekommen, sondern über die Freundschaft. Die ist entstanden, als ich in die Medien gekommen bin und er mir ein sehr väterlicher Freund wurde. Gerade zu Zeiten, als es mir nicht ganz so gut ging - ich hatte ja mal ein Burn-out - war Jan wirklich der Fels in der Brandung."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Ich hatte mal eine persönliche Situation, da ging es mir sehr, sehr schlecht. Und da stand er plötzlich vor der Tür - ich glaube, das sagt alles. Ich hatte ihm das gar nicht erzählt, er hat's irgendwie rausgefunden. Und da stand er und sagte: 'Könnte sein, dass du mich jetzt brauchst, immer wenn ich dich brauche, bist du auch da. Kann ich reinkommen?' - und dann haben wir geredet und dann war gut."

  • H.P. Baxxter, Scooter-Frontmann:

    "War haben uns kennengelernt auf Ibiza und waren sofort auf einer Wellenlänge. Er hat auch Ecken und Kanten und solche Leute mag ich immer am liebsten. Auf den kann man sich verlassen und auch nachts anrufen, wenn was ist - der wäre einfach da. Er ist zuverlässig wie ein Mercedes und urig wie seine Trecker."

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Als Kiez-Polizist Matthies ab 1992 auf Streife

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Dirk Matthies (Jan Fedder) und Ellen Wegener (Mareike Carrière, l.) in einer Folge der Serie "Großstadtrevier" aus dem Jahr 1993.

"Ich bin der Neue" - mit diesen Worten trat Jan Fedder als Dirk Matthies 1992 seinen Dienst im Großstadtrevier auf dem Hamburger Kiez an. Die Fernseh-Serie, die inzwischen Kult-Status hat, machte ihn bundesweit bekannt. Als Streifenpolizist Dirk Matthies kümmerte er sich darin - wie kann es anders sein - um die großen und kleinen Nöte der Bewohner des Kiezes rund um den Hamburger Hafen. Die Rolle war ihm auf den Leib geschneidert: Matthies beherrschte den rauen Ton des Kiezes und ließ es an Härte nicht missen. Er hatte aber auch Herz und setzte sich, wenn nötig, für die kleinen Leute ein - auch wenn sie den Pfad der Tugend einmal verlassen hatten.

Jan Fedder als Bauer Brakelmann in Neues aus Büttenwarder

Nicht weniger erfolgreich und ebenfalls schon Kult ist die NDR Serie Neues aus Büttenwarder. Fedder mimte darin - an der Seite von Peter Heinrich Brix ("Adsche") - den Bauern Kurt Brakelmann. Der sorgt in dem Dorf auf dem platten Land, wo eigentlich nicht viel los ist, immer wieder für Aufregung, wenn er auf trickreiche Art und Weise das ganz große Geschäft zu machen versucht. Die erste Folge von "Büttenwarder" war Weihnachten 1997 im Rahmen der "Heimatgeschichten" zu sehen. Wegen des großen Erfolges wurde aus der Dorfgeschichte eine Serie.

Deutscher Fernsehpreis für "Der Mann im Strom"

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Mal was anderes - Fedder als Taucher in "Der Mann im Strom".

In etwa 250 Filmen spielte Fedder mit, die nach seinen eigenen Worten "nicht alle preisverdächtig" sind. Aber nicht immer konnte sich der Schauspieler, besonders am Anfang der Karriere, seine Rollen aussuchen. Für die Hauptrolle in "Der Mann im Strom", einer Verfilmung des gleichnamigen Romans des 2014 verstorbenen Siegfried Lenz, hatte sich Fedder allerdings ganz bewusst entschieden: "Ich bin einfach froh, dass ich in dieser Produktion einmal eine andere Facette zeigen kann. Wenn man so intensiv mit einer Serie verbunden ist wie ich mit dem 'Großstadtrevier', hat man nicht oft die Gelegenheit dazu", sagte er damals. Er spielte in dem Film einen Taucher im Hamburger Hafen, der seine Papiere fälscht, um an einen Job zu kommen, und sich damit erpressbar macht. Für die Darstellung erhielt er 2006 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Bester Schauspieler Fernsehfilm".

Jan Fedder - mit Ecken, Kanten und ganz viel Herz

Doku & Reportage -

Seine Paraderollen waren die norddeutschen, kantigen Charaktere: Jan Fedder war einer der beliebtesten Schauspieler im Norden. Der Film zeichnet sein Leben und seine Karriere nach.

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An diesen Erfolg knüpfte Fedder in den folgenden Jahren an und spielte in zwei weiteren Verfilmungen, die auf Erzählungen von Siegfried Lenz basieren. "Das Feuerschiff" (2008) und "Die Auflehnung" (2010). Beide Produktionen kamen bei Publikum und Kritikern gut an, Fedder wurde für seine schauspielerischen Qualitäten gelobt. Gleichzeitig entwickelte er eine tiefe Zuneigung zu dem Schriftsteller. Sein Verhältnis zu Lenz beschrieb er in einem Interview mit dem Kulturjournal schmunzelnd: "Ich liebe ihn. Er ist gütig, er ist schlau, er ist liebenswert. Wenn ich ihn sehe, geht mein Herz auf und dann möchte ich ihn beschützen, wie man seinen Großvater vor allem Unbill dieser Welt beschützen möchte." Und Siegfried Lenz gestand: "Jan Fedder ist ein Schauspieler, den ich einfach gern habe. Das geht so weit, dass ich für den Rest meines Lebens, das, was ich schreibe, insgeheim an ihn adressieren werde; in der Hoffnung, das kann nur Jan Fedder spielen."

Vegetarier, Sammler und Musiker

Privat sammelte Fedder, der sich jahrzehntelang überwiegend vegetarisch ernährte, leidenschaftlich alte Fahrzeuge. Auf seinem Bauernhof in Schleswig-Holstein bei Itzehoe, wo er meist die Wochenenden verbrachte, hatte er sich ein kleines Privatmuseum eingerichtet und hortete dort seine Schätze. Dazu gehörten Autos, Trecker, Motorräder und Antiquitäten. Sein absolutes Lieblingsstück war ein Messerschmitt Kabinenroller. In seiner Freizeit bastelte der Schauspieler gern an den Motoren seiner Sammlerstücke herum. Zudem war er Musiker und hatte sich als Leadsänger der Rockband Big Balls einen Namen gemacht. Im Jahr 2000 heiratete Jan Fedder seine Lebensgefährtin Marion.

Krankheitsbedingte Pausen im Großstadtrevier

2012 schlüpfte Jan Fedder in "Der Hafenpastor" in eine neue Rolle: Als Pastor Stefan Book mimt er die gute Seele in der Hamburger St. Pauli-Kirche. Doch bereits im Herbst desselben Jahres musste der Schauspieler wegen eines Krebsverdachts eine mehrmonatige Drehpause einlegen. Wegen seiner Auszeit fehlte er als Bauer Brakelmann bei zwei Folgen von Neues aus Büttenwarder und konnte an den Drehs zur 26. Staffel vom Großstadtrevier nicht teilnehmen. In der 27. Staffel war der Kult-Polizist wieder mit am Start, fehlte aber im Herbst 2014 bei den Dreharbeiten zur 28. Staffel erneut aus gesundheitlichen Gründen. Jan Fedder musste wegen eines Mundhöhlen-Karzinoms insgesamt 30 Bestrahlungen überstehen. Zu pausieren sei ihm "ehrlich" sehr schwer gefallen. Die Zeit mit dem Krebs sei die schlimmste seines Lebens gewesen, erzählte Fedder nach seiner Rückkehr zur 29. Staffel ins Großstadtrevier. Die Uniform hatte er inzwischen abgelegt, stattdessen übernahm er als als Milieu-Ermittler in Zivil eine neue Rolle. Auch wenn er nie wieder ganz der Alte werde, er lebe noch, sei noch dabei - und das sei wunderbar. Gerade die Arbeit an der Vorabendserie hat Jan Fedder viel bedeutet: Das Großstadtrevier sei seine Familie, sein Zuhause.

Jan Fedder stand bis 2019 vor der Kamera

Nachdem der Schauspieler den Krebs zunächst besiegen konnte und wieder Lebensmut geschöpft hatte, kam der nächste Nackenschlag. Er zog sich an beiden Beinen schwere Brüche zu. Infektionen erschwerten die Heilung. Trotz dieser zahlreichen gesundheitlichen Rückschläge kehrte Jan Fedder immer wieder vor die Kamera zurück: Noch 2019 drehte er neue Folgen für das Großstadtrevier (ab 27. Januar um 18.50 Uhr im Ersten). Im vergangenen Herbst desselben Jahres zwang ihn eine Sprunggelenksverletzung erneut zu einer Drehpause. Seine Arbeit war für den Schauspieler wie ein Lebenselixier - in 28 Jahren spielte er in mehr als 400 Folgen Großstadtrevier mit. Aufhören zu arbeiten, das könne er nicht, sagte er einmal - denn "wenn ich nicht mehr drehen darf, dann falle ich tot um. Dann ist es vorbei."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

14.01.2020 | 13:45 Uhr

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