Stand: 02.02.2018 17:13 Uhr

Islam-Professorin Amirpur verlässt Hamburg

von Daniel Kaiser

Katajun Amirpur war 2011 die erste Professorin für Islamische Theologie an der Universität Hamburg. Sie ist eine der wichtigsten islamischen Intellektuellen in Deutschland. Nach Informationen von NDR 90,3 wechselt sie zum 1. April aus familiären Gründen nach Köln.

Bild vergrößern
Sieben Jahre lang hat Katajun Amirpur an der Universität Hamburg gelehrt. Jetzt geht sie nach Köln.

Die Regale in ihrem Büro sind schon fast alle leergeräumt. Unter dem Schreibtisch stehen letzte Umzugskartons. Bislang hatte Katajun Amirpur mit ihrer Familie in Köln gewohnt und an der Akademie der Weltreligionen in Hamburg gearbeitet. "Ich habe mich nie woanders beworben und wollte nie woanders hin als nach Hamburg", erklärt die 46-Jährige. "Aber als nun der Lehrstuhl in Köln frei wurde, konnte ich doch nicht anders."

Islamische Theologie zwischen Schleier und Minirock

Amirpur, die mit dem Publizisten Navid Kermani verheiratet ist, schwärmt von den vielfältigen Erfahrungen, die sie an der Akademie der Weltreligionen machen konnte, an der Wissenschaftler mehrerer Religionen gleichberechtigt miteinander forschen und lehren. Unter den Dozentinnen und Dozenten war sie der Star, der auch immer wieder vom Feuilleton zu aktuellen Themen befragt wurde. In der Akademie hat sie vor zwei Jahren unter anderem auch mit der Einrichtung des Bachelor-Studiengangs "Islamische Religion" begonnen. "Es war spannend zu erleben, wie die jungen Menschen da zum Teil verschleiert und zum Teil im Minirock saßen, sich aber auch untereinander gut verstanden. Das war eine tolle Erfahrung für mich."

"Es wird immer aggressiver!"

Die öffentliche Diskussion über den Islam sieht Amirpur in einem kritischen Zustand. "Es wird immer schlimmer", sagt die Islamwissenschaftlerin. "Es wird immer aggressiver und polemischer. Mit so viel Schwarzweiß in der Diskussion hatten wir das vor einigen Jahren noch nicht." Eigentlich hätte man erwarten können, dass es nach den vielen Dialog- und Aufklärungsprogrammen besser werden würde. "Tatsächlich ist aber eher ein Backlash zu erkennen." Es würden heute viele Dinge gesagt, die man sich vor sechs Jahren nicht zu sagen getraut hätte, so Amirpur. "Ich finde zum Teil sehr unterirdisch, was über den Islam formuliert wird."

Unter der Gürtellinie - auch in Hamburg

Die Situation in Hamburg, die als Hauptstadt des interreligiösen Dialogs gilt, bewertet Amirpur besser. Hier sei in den vergangenen Jahren vieles auf der Dialogebene geschehen. Allerdings nimmt sie auch persönlich eine immer aggressivere Stimmung wahr. "Es kommt nach Vorträgen, die ich halte, häufig vor, dass sich die Veranstalter anschließend dafür entschuldigen, dass die Diskussion unter die Gürtellinie ging. Und da kann ich auch Hamburg nicht ausnehmen."

Kommentar
NDR Kultur

Iran-Proteste - Welche Rolle spielt die Religion?

12.01.2018 15:20 Uhr
NDR Kultur

Warum genau es Anfang des Jahres zu den Demonstrationen in Iran kam, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur schildert ihre Sicht auf die Proteste. (11.01.2018) mehr

NDR Kultur

Navid Kermani reist "entlang den Gräben"

26.01.2018 19:00 Uhr
NDR Kultur

Das neue Buch von Navid Kermani vereint die Berichte einer Reise, die ihn von seiner Heimatstadt Köln bis ins iranische Isfahan geführt hat. Auf NDR Kultur spricht er über seine Reise. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 02.02.2018 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

03:54
NDR Kultur

Weihnachtsempfehlungen von unseren Autoren

10.12.2018 14:20 Uhr
NDR Kultur
58:27
die nordstory

Hamburg von unten: Die Stadt unter der Stadt

10.12.2018 14:15 Uhr
die nordstory
04:11
NDR Kultur

Schrifstellerin Cornelia Funke wird 60

10.12.2018 07:20 Uhr
NDR Kultur