Stand: 02.08.2017 00:00 Uhr

Isabel Allende zum 75.

von Ulrike Sárkány

Eine weltberühmte Schriftstellerin feierte am 2. August ihren 75. Geburtstag. Es ist die Chilenin Isabel Allende, deren Debüt "Das Geisterhaus" 1982 ihren Ruhm begründete. Dieser erste Roman beruhte auf der eigenen Familiengeschichte, und auch Allendes weitere zwanzig Bücher sind immer von ihrem eigenen Leben inspiriert, das selbst einem Schicksalsroman gleicht.

Für eine eitle Person, wie sie es sei, erzählt Isabel Allende ihrem begeisterten Publikum, sei das Altern sehr schwer. Innen drin fühlt sie sich charmant, verführerisch, sexy. Aber niemand sonst sieht das. Sie sei unsichtbar, dabei stehe sie so gern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Natürlich kokettiert das Kommunikationstalent Isabel Allende hier ein bisschen, aber zugleich stimmt es, dass die zierliche Südamerikanerin, die seit fast 30 Jahren in San Francisco lebt, sehr wohl einkaufen gehen kann, ohne dass jemand besondere Notiz von ihr nimmt. Trotz ihres Ruhms und des damit einhergehenden Reichtums ist sie immer unkompliziert, herzlich und  zupackend geblieben. Mit ihrem Geld finanziert sie eine Stiftung zur Unterstützung junger Frauen in Südamerika, und es ist nicht überraschend, dass sie Donald Trump nicht leiden kann und ihn als "wildgewordenen Stier" betitelt.

Gefühltes Alter und gelebtes Leben

"Wann wir alt sind, entscheidet die Gesellschaft, gewöhnlich mit 65. Aber in Wirklichkeit fangen wir bei unserer Geburt an zu altern. Und wir alle fühlen uns jünger als unser reales Alter, weil der Geist nie altert. Ich bin immer noch 17." Im Jahr 1959, als Isabel Allende 17 wurde, hatte sie bereits eine unstete Kindheit hinter sich. Ihr Vater, der ein Cousin von Salvador Allende, dem späteren Präsidenten Chiles, war, verschwand 1945. Die Mutter lebte mit den drei Kindern bei ihren Eltern in Santiago, bis sie sich 1953 wieder mit einem Diplomaten verheiratete, der die Familie nach Bolivien und in den Libanon führte. Bis zum Militärputsch 1973 studierte Isabel Allende in Chile, wurde Journalistin und Moderatorin und heiratete früh, bekam zwei Kinder. Doch als Augusto Pinochet an die Macht kam, war ihre Heimat Chile für sie verloren. Der Name Allende machte sie zur Persona non grata. Menschen und Orte hat sie in den zurückliegenden Jahrzehnten verloren, die Energie der Jugend, und jetzt verliert sie auch ihre Unabhängigkeit, was ihr Angst macht.

Bruch mit einem Ritual

Schriftstellerin Isabel Allende zwischen produzent Bernd Eichinger und Regisseur Bille August.  Foto: Rolf Rick
Schriftstellerin Isabel Allende zwischen Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Bille August, der "Das Geisterhaus" 1993 verfilmte.

Weil Isabel Allende ihren Roman "La Casa de los Espiritus" am 8. Januar 1981 zu schreiben begann, hat sie später ein Ritual daraus gemacht. Jedes neue Buch hat sie ebenfalls am 8. Januar angefangen. Nur voriges Jahr floss ihr die Geschichte nicht so aus der Feder wie sonst immer: Zu viele einschneidende Veränderungen waren in ihrem Leben eingetreten. Sie hat sich nach 27 Ehejahren von ihrem amerikanischen Mann William Gordon getrennt.

Der nahende Tod

Den Tod dreier Kinder übersteht keine Ehe, sagt sie. Nicht nur Isabel Allendes Tochter Paula war 1992 gestorben, ihr Mann hatte zwei Kinder durch Drogen verloren. Aus all diesen Schicksalsschlägen hat Isabel Allende sehr anrührende Bücher gemacht. Es sind nicht alles Jahrhundertromane wie "Das Geisterhaus", aber ihre Fans sind der Schriftstellerin treu. Und es ist dann doch wieder ein neuer Roman fertiggeworden, der nächstes Jahr auf Deutsch erscheint: "In der Mitte des Winters".

"Ich muss nichts mehr beweisen. Ich hänge nicht daran, wer ich einmal war, wer ich gern sein möchte oder wen andere Leute in mir sehen wollen. Ich muss Männern nicht mehr gefallen. Meinem Über-Ich befehle ich den Rückzug, damit ich genießen kann, was ich noch habe. Mein Körper fällt vielleicht auseinander, aber mein Hirn noch nicht. Ich hege keinen Groll, keinen Ehrgeiz, keine Eitelkeit. All diese Todsünden sind nicht der Mühe wert. Es ist herrlich, loszulassen. Das hätte ich schon früher machen sollen. Ich fühle mich auch weicher, weil ich mich nicht vor der Verletzlichkeit fürchte, die ich nicht mehr als Schwäche betrachte. Ich habe auch noch mehr Spiritualität gewonnen: Früher war der Tod in der Nachbarschaft, jetzt ist er nebenan oder schon im Haus."

Weitere Informationen
Porträtfoto der Schriftstellerin Isabel Allende vor bunten Blumen.  Foto: Random House

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 02.08.2017 | 06:20 Uhr

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