Stand: 21.08.2019 11:26 Uhr

Heidi Mahler: "Zu Hause sprachen wir nie Platt"

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Kleine Pause während der Proben zu "En Mann mit Charakter": Heidi Mahler im Gespräch mit NDR 90,3 Redakteur Daniel Kaiser.

Heidi Mahler ist zurück im Ohnsorg-Theater mit dem Klassiker "En Mann mit Charakter", die Komödie über den Bäckermeister Heinrich Hintzpeter. Damals, 1979, war das Stück auch im Fernsehen mit Werner Riepel, Hilde Sicks, Heidi Kabel und Heidi Mahler ein großer Erfolg. Heidi Mahler steht nun in genau diesem Stück auf der Bühne, diesmal aber in der Rolle der Dora Hintzpeter, die ihre Mutter Heidi Kabel damals gespielt hat.

Wie viele Déjà-vu, wie viele Flashbacks haben Sie gerade bei den Proben?

Heidi Mahler: Tatsächlich ganz viele, weil ich ja zwischendurch auch schon mal die Ex-Frau gespielt habe. Ich bin sozusagen im Laufe der Zeit schon durch das ganze Stück marschiert. Ich kenne es in- und auswendig. Jetzt schließt sich der Kreis, und ich spiele die Oma Hintzpeter. Das macht natürlich wahnsinnigen Spaß, es ist ja die schönste Rolle im Stück.

Wie viel 2019 steckt denn in der Neuauflage des Stücks?

Mahler: Wir haben das Stück in die 70er-Jahre geholt. Ich glaube, das ist, was das Stück an Modernität verträgt. Es ist ja ein Klassiker, und den muss man dann auch in der Zeit lassen.

Der andere Klassiker "Tratsch im Treppenhaus" funktioniert ja auch nicht als Neu-Inszenierung in der Gegenwart, allein schon wegen der Geschlechter-Rollen, die damals zum Stück gehörten.

Mahler: "Tratsch im Treppenhaus" ist so was von aktuell, weil das ja in jedem Treppenhaus heute noch so passieren kann. Das erzählen uns die Leute, die das Stück gesehen haben, jedes Mal hinterher. Aber auch in "En Mann mit Charakter" sieht man diese Typen, die es immer gibt: einen, der präpotent und überzeugt von sich selbst ist - oder die kleine Tochter, die alle an der Nase herumführt, weil sie alles weiß und ihr eigenes Brötchen backt.

Ich habe Sie neulich auch hier in "Tratsch im Treppenhaus" gesehen. Der Saal tobte. Es gab Zusatzvorstellungen. Da war das Ohnsorg so richtig auf Betriebstemperatur. Im Publikum war eine große Zuneigung zu spüren. Erreicht Sie die?

Mahler: Ja, auf alle Fälle. Schon, wenn ich die Bühne betrete. Und das habe ich natürlich alles meinen Eltern zu verdanken. Darüber bin ich sehr glücklich und dankbar. Und es macht so einen Riesenspaß, Volkstheater zu spielen. Wir sind das einzige Theater in Hamburg, und ich möchte fast sagen in Deutschland, das noch Volkstheater spielt. Und dass ich dabei sein darf und das genießen kann, freut mich sehr.

Heidi Mahler, Schauspielerin am Hamburger Ohnsorg-Theater erinnert sich ans Baden in der Elbe. © NDR/taglichtmedia

"Zu Hause haben wir nie Plattdeutsch gesprochen!"

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Heidi Mahler ist zurück im Ohnsorg. Vor der Premiere des Klassikers "En Mann mit Charakter" spricht sie über ihr Alltags-Plattdeutsch und den neuen Kurs des Ohnsorg-Theaters.

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Das Ohnsorg-Theater geht seit einiger Zeit eine neue Richtung, indem es behutsam das Plattdeutsche so gestaltet und das Hochdeutsche so einbaut, dass neues Publikum gewonnen werden soll, dessen Muttersprache nicht Plattdeutsch ist. Wie empfinden Sie das?

Mahler: Ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist. Es gab ja immer Leute, die kein Plattdeutsch konnten und trotzdem ins Theater gekommen sind und Spaß hatten, Plattdeutsch zu lernen. Ich glaube, das ist immer noch der Fall. Ich würde mir wünschen, dass ganz, ganz viel Plattdeutsch hier im Theater gesprochen wird und die Leute trotzdem kommen.

Wie schwer ist es eigentlich für Sie gewesen, sich zu emanzipieren und vom Publikum nicht im Wettbewerb mit der Mutter gesehen zu werden?

Mahler: Ich habe da überhaupt keine Schwierigkeiten empfunden. Ich habe einfach gespielt, weil es mir Spaß machte, und von meinen Eltern gelernt, gut zu spielen und auf der Bühne gut zu sein. Es gab überhaupt keine Konkurrenz. Meine Mutter hat ja auch ganz andere Rollen gespielt, als ich anfing. Sie hat auch nie gesagt: "Du musst das so oder so spielen." Sie hat mich einfach so spielen lassen, wie ich das empfunden habe.

Was bedeutet das Ohnsorg heute für Sie?

Mahler: Früher war das Heimat und Familie für mich. Das ist es natürlich nicht mehr. Es ist ja jetzt ein professionelles Theater, und ich hoffe, dass es durch die Volksstücke, die wir spielen, für das Publikum heimatlich wird - vor allem auch durch die Sprache.

Wie viel Plattdeutsch steckt in Ihrem Alltag?

Mahler: Ich spreche überhaupt kein Plattdeutsch. Wir haben auch als Kinder zu Hause überhaupt kein Plattdeutsch gesprochen. Ich habe wohl Plattdeutsch gelernt, als ich meinen Eltern als Siebenjährige die Rollen abhörte. Aber eigentlich haben wir zu Hause nie Plattdeutsch gesprochen.

Das Interview führte Daniel Kaiser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.08.2019 | 19:00 Uhr

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