Moderatorin und Slam-Poetin Ninia LaGrande steht am 23.11.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) bei der Aufzeichnung der ARD Comedy- und Kabarett-Sendung "Ladies Night - ein Kabarettistischer Abend mit reiner Frauenbesetzung". © picture alliance / Horst Galuschka/dpa Foto: Horst Galuschka

Inkluencer: Mit Instagram für Inklusion und gegen Diskriminierung

Stand: 02.12.2020 17:31 Uhr

Am 3. Dezember ist "Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung". Ein Tag gegen Diskriminierung, für Inklusion. Dafür tritt unter anderem Ninia LaGrande als "Inkluencerin", also Influencerin mit Handicap, ein.

Beitrag anhören 4 Min

von Vanessa Wohlrath

Ninia LaGrande, Ninia die Große - so selbstironisch ihr Künstlername, so selbstbewusst die Frau dahinter: "Ich bin kleinwüchsig. Kleinwüchsig ist man in Deutschland, wenn man zwischen 70 Zentimetern und 1,50 Meter lang ist. Das bringt erst mal keine Diagnose mit sich. Es gibt zahlreiche verschiedene Ursachen für Kleinwuchs. Ich bin 1,38 Meter lang und gehöre somit zu den Kleinwüchsigen." Ninia Binias wirkt energisch, fast heiter, wenn sie über ihre Behinderung spricht. Kleinwüchsig zu sein gehört für die 37-jährige Hannoveranerin zum Alltag. Dass sie damit so gelassen umgehen kann, verdankt sie vor allem ihrem unterstützenden Umfeld.

"Ich war auf einem Regelkindergarten und auf einer Regelschule," erzählt LaGrande. "Die Grundschule hat damals gesagt: 'Die ist ja ganz klein und die soll also nicht auf die Förderschule gehen. Okay, die kann gerne zu uns kommen. Was können wir tun, damit die sich hier wohlfühlt?' Daraufhin haben sie erst überlegt, ob sie mir einen kleinen Tisch und einen kleinen Stuhl besorgen. Aber dann wäre ich ja auch so eine Art Außenseiterin gewesen. Also gab es dann Kissen und einen Hocker und einen zweiten Satz Schulbücher. Und irgendwie ging das dann immer alles."

"Instagram nimmt diese unangenehme Ebene des Fremden weg."

Das läge aber, so LaGrande, auch an dieser willkommenden Atmosphäre in der Schule. Das wünsche sie sich heute auch bei vielen anderen Schulen, "dass die mit so einer Einstellung zum Thema Inklusion gehen. Damals hat man von diesem Stichwort noch gar nicht so richtig gesprochen." Inklusion - also die Teilhabe für alle in der Gesellschaft, gleich des Geschlechts, des sozialen Hintergrunds oder eben einer Behinderung - hat sich Ninia LaGrande schließlich selbst zur Aufgabe gemacht. Sie ist "Inkluencerin", also Influencerin mit Behinderung, die sich in sozialen Medien mit großer Reichweite für inklusive Themen einsetzt.

Auf Instagram zeigt sie, wie ihr Leben als Kleinwüchsige aussieht: Sie posiert in modischen Outfits, ist zu sehen als Slam Poetin auf der Bühne, zeigt Bilder von ihrer Schwangerschaft. Besonders das habe viele ihrer Follower neugierig gemacht. Es kamen Fragen auf, die ihr im echten Leben vielleicht keine fremde Person so direkt gestellt hätte.

Soziale Medien als Sprachrohr für Menschen mit Behinderung

Anderen Userinnen und Usern, ob mit oder ohne Behinderung, diese Unsicherheiten zu nehmen, darin schöpfen viele der Inkluencer ihre Motivation. Die beiden Geschwister Tabea und Marian Mewes haben als Blogger angefangen, mittlerweile führen sie den Instagram-Account "notjustdown" mit über 47.000 Followern. Marian hat Down-Syndrom. Gemeinsam wollen sie die Barrieren in unseren Köpfen abbauen, so Tabea Mewes: "Es hat alles mit der Idee angefangen, unsere persönliche Geschichte in die Welt hinauszuschicken und zu zeigen, was es bedeutet einen Bruder mit Down-Syndrom zu haben. Und zu zeigen, dass das Leben mit Down-Syndrom alles andere als down ist."

Ob in sozialen Netzwerken oder im realen Leben: Zwar sind Diskriminierung, Ausgrenzung und Mobbing für viele Menschen mit Behinderungen nach wie vor an der Tagesordnung. Doch das Thema Inklusion kommt immer mehr in Bewegung.

Inkluencerin Ninia LaGrande findet sogar, dass die sozialen Medien hier einen entscheidenden Beitrag leisten: "Ich habe das Gefühl, dass es im Gegensatz zu den klassischen Medien viel, viel diverser ist und einfach es so eine ganz große Range an Leuten gibt, die über Accounts von ihrem Leben erzählen. Also seien es Kleinwüchsige, Menschen mit Down-Syndrom, selbst Menschen mit Sehbehinderungen nutzen ja Instagram und teilen sich darüber mit und tauschen sich aus. Also das hat wirklich sehr, sehr viel getan. Und ich glaube, dass die sozialen Medien auch einfach ein Sprachrohr sein können für das, was politisch und gesellschaftlich noch insgesamt passieren muss."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 03.12.2020 | 18:00 Uhr