Stand: 02.01.2019 15:45 Uhr

Influencer: Was machen eigentlich Youtuber?

Wenn Teenager gefragt werden, was sie mal werden wollen, lautet die Antwort immer häufiger: Youtuber, Blogger oder Instagram-Star. Es scheint verlockend, mit kleinen Videos und Blogeinträgen viel Geld zu verdienen und in kürzester Zeit von vielen Tausend Nutzern bewundert zu werden. Für Werbekunden sind die sogenannten Influencer besonders interessant.  Aber wie arbeiten sie eigentlich wirklich, wie verdienen sie ihr Geld? Wir stellen Influencer vor - Teil 2: der Youtuber.

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Mit Youtube Geld zu verdienen, heißt Druck. Ständig werden neue Clips gedreht. Dafür müssen auch mal Insekten gekostet oder im Schnee ausgeharrt werden.

Philipp Betz kostet Insekten. Er hält die gebratene Grille auf dem Löffel in die Kamera, ist kurz vorm Würgen, verzieht dramatisch das Gesicht. Inszenierung ist alles, seine meist noch sehr jungen Zuschauer finden das toll.

Auf Youtube nennt sich Philipp Betz: MrTrashpack, also frei übersetzt: Herr Müllbeutel. Seine Videos sind vor allem laut, bunt und schrill. Betz postet Videos von seinen Reisen nach Finnland oder in die USA und berichtet im Stil einer One-Man-Show über Kuriositäten aus der Welt der Youtubekanäle. Das trifft offenbar den Humor von mehr als 700.000 Abonnenten. Damit ist Philipp Betz ein Influencer, also jemand, der durch seine enorme Reichweite und Beliebtheit viele Leute beeinflussen kann. "Ich finde diesen Begriff Influencer sehr schlimm. Ich nenne mich lieber Creator. Weil ich erschaffe ja auch etwas", sagt Betz.

Viele Follower, hohe Einnahmen

Philipp Betz trägt einen schwarzen Kapuzenpulli, darauf steht in weißen Buchstaben: "Hier könnte ihre Werbung stehen". Das ist zwar irgendwie ironisch gemeint, aber nicht weit entfernt von der Realität. Denn Betz verdient sein Geld mit Werbung, also zum Beispiel mit Anzeigen, die vor oder während seinen Videos gezeigt werden. Die Höhe der Einnahmen orientiert sich an der Anzahl der Follower, eine dreiviertel Million Abonnenten dürften Betz ein gutes Auskommen bescheren, wie viel er im Schnitt verdient, will er nicht sagen. "Es kommt drauf an, wie der Lebensstil ist. Eine Million Euro ist schon schnell weg. Mit einer Million hat man noch nicht ausgesorgt, da muss man noch arbeiten gehen", sagt Betz.

Am lohnendsten ist aber das sogenannte Product-Placement, also das mehr oder weniger unauffällige Platzieren von Markenprodukten im Video, vom Technik-Gadget bis zur Bierflasche. Ein heikles Thema, denn mehr als die Hälfte seiner Nutzer sind unter 18 Jahren, schätzt Betz. Für die ist er ein Vorbild. Hat er Skrupel? "Ich steh dazu, ich trinke auch gerne mal Alkohol. Wir wollten tatsächlich auch einen Biersponsor für unseren Roadtrip finden, das hat aber leider nicht geklappt."

Den ganzen Tag online

Etwa 50 bis 60 Stunden die Woche arbeite er für seinen Youtube-Kanal, sagt Betz. Er ist den ganzen Tag online, schaut so gut wie immer auf sein Handy, um nichts zu verpassen. Das Skripten, Filmen und Schneiden der Videos macht extra Arbeit. Betz hat sich dafür ein Team zusammengestellt, für die Vermarktung hat er jetzt einen Manager. "Das kann schon sehr anstrengend sein, gerade mental, wenn man jeden Tag beobachtet wird. Jeder bildet sich eine Meinung und der Hass ist übel. Und man muss natürlich ständig Inhalte liefern", erzählt Betz.

Denn der Algorithmus ist gnadenlos. Wer nicht ständig postet, wird in den Suchmaschinen nicht mehr ganz vorn angezeigt und ist damit auch für Werbekunden nicht mehr interessant. Ewig wolle er den Job nicht mehr machen, sagt Betz, jetzt 29. Mit über 40 sei man dafür aber auch eh zu alt.

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Sie sind 24 Stunden am Tag für ihre Fans online und stellen ihr eigenes Leben wie eine Art Reality Soap in Echtzeit zur Schau: die neuen Stars aus dem Netz, genannt "Influencer".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 02.01.2019 | 09:55 Uhr