Ein Mann spricht auf einer Wiese zu Frauen © Ilhaam El-Qasem

Im Einklang mit dem Koran: Initiativen für den Umweltschutz

Stand: 17.06.2021 16:00 Uhr

Das Thema Umweltschutz hat bereits in vielen Vereinen, Verbänden und Einrichtungen Einzug gehalten. Wie sich muslimische Initiativen für Umweltschutz stark machen, berichten Redouan Aoulad-Ali und Ilhaam El-Qasem.

von Miriam Stolzenwald

"Mit Kindern Samenbällchen zur Rettung der Bienen basteln und in der Stadt verteilen, das ist faire Moschee. Ein öko-faires Frühstück mit Nachbarn organisieren, Wasser sparen, Müll trennen, gemeinsame Feste feiern, auch das ist faire Moschee", sagt Redouan Aoulad-Ali. Er hat die Initiative "faire Moschee" ins Leben gerufen. Sein Ansatz dabei: die Religion und das eigene Handeln wieder mehr in Einklang zu bringen, durch faires soziales Miteinander, fairen Konsum und fairen Umgang mit der Umwelt. Deshalb ruft er dazu auf, sich wieder mehr nach islamischen Grundwerten zu richten. Die Diskrepanz zwischen religiösem Gebot und dem tatsächlichen Handeln der Muslime sei enorm.

Pilotprojekt "faire Moschee"

Eine Moschee in Dortmund diente dafür als Pilotprojekt. Zum Beispiel beim Thema Wasser für die Gebetswaschung, die zu den fünf täglichen Gebeten gehört: "Im Koran wird eine Situation beschrieben, in der ein Jünger des Propheten Mohammed die Gebetswaschung an einem Fluss vollzieht und der Prophet ihn maßregelt und ihm sagt: 'Was ist das für eine Verschwendung?!' Und dann fragt der andere zurück: 'Gibt es auch eine Verschwendung an einem Fluss?' Und dann antwortet ihm wieder der Prophet: 'Selbst an einem fließenden Fluss kann es zu Verschwendung kommen.' Diesen Ausspruch hat man über ein Jahr in den Waschräumen angehängt. Ohne zusätzliche Vorrichtungen, die wassersparend sind, hat diese Moschee eine Ersparnis von 30 Prozent Wasser in einem Jahr gehabt", freut sich Aoulad-Ali.

Osnabrücker Initiative HIMA

Durch Vorträge, den Aufbau neuer Strukturen und die Vernetzung untereinander hat Redouan Aoulad-Ali mit der "fairen Moschee" inzwischen einiges erreicht. In eine ähnliche Richtung geht auch das Konzept der Osnabrücker Initiative HIMA, die sich bundesweit engagiert. Ilhaam El-Qasem ist die Vorstands-Vorsitzende. HIMA leiste Aufklärungsarbeit, sagt sie, um zu erinnern, was die islamische Religion verkündet. Das Wissen sei vorhanden. Jetzt gehe es darum, danach zu leben. Jeder einzelne solle Verantwortung für die Schöpfung und den Umweltschutz übernehmen.

Ilhaam El-Qasem erklärt: "Muslimische Menschen, die vielleicht mit dem Thema noch nicht so viel anfangen können, die erreichen wir sehr effektiv, weil wir sehr quellenbasiert arbeiten. Unsere Informationen leiten sich sehr, sehr stark ab von den Primärtexten und Sekundärtexten innerhalb der islamischen Religion. Das heißt also, wenn ein Mensch, der sich selbst als Muslim identifiziert, er aber vorher noch nicht so viel darüber nachgedacht hat - wenn ich dem mit islamischen Prinzipien komme, kann er das nicht ignorieren. Da haben wir oft die Erfahrung gemacht, dass ein großes Umdenken passieren kann."

Plastikfrei-Kampagne im Ramadan

Dafür arbeitet HIMA auch mit anderen Initiativen zusammen. Ilhaam El-Qasem nennt ein Beispiel: "Nour Energy, die jeden Ramadan die plastikfrei-Kampagne machen. Diesen Ramadan haben sie die Kampagne umbenannt in Green Eftal. Da haben wir zum Beispiel auch mitgemacht."

Weitere Informationen
Das Team der muslimischen Umweltschutzorganisation NourEnergy © Nour Energy

Plastikfasten: Nachhaltigkeit im Ramadan

Im Ramadan, dem Fastenmonat im Islam, geht es nicht nur um Verzicht und Enthaltsamkeit. Der muslimische Umweltschutzverein NourEnergy etwa ruft zum Plastikverzicht während der Fastenzeit auf. mehr

Furcht vor antimuslimischen Angriffen

Redouan Aoulad-Ali erzählt, dass nicht jede Gemeinde oder Einrichtung offen dafür sei, sich mehr um den Umweltschutz zu kümmern. Die Gründe sind vielfältig: Einige befürchten dadurch noch mehr ehrenamtliche Arbeit. Andere würden damit argumentieren, sie seien gerade mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Und manche haben Sorge, durch ein neues interessantes Projekt verstärkt ins Licht der Öffentlichkeit zu geraten und dadurch vermehrt antimuslimischen Angriffen ausgesetzt zu sein.

Beide, Redouan Aoulad-Ali und Ilhaam El-Qasem, betonen, dass ihre Arbeit insgesamt auf sehr fruchtbaren Boden falle. Es kämen viele positive Rückmeldungen und Anfragen, beispielsweise für Vorträge zu Umweltthemen, sagt Ilhaam El-Qasem: "Tiere sind ganz wichtig. Halal schächten, was ist das überhaupt? Wie ist es mit dem Verzehren von Tierprodukten? Wie kann es sein, dass Muslime vergessen haben, dass wir eigentlich die Milch einer Kuh nicht trinken dürfen, bevor das Kalb sich nicht satt getrunken hat? Das sind alles Sachen, die in Vergessenheit geraten sind. Das erleben wir auch immer wieder an den Reaktionen danach, dass es wirklich etwas bewegt hat, dass die gesagt haben: Das habe ich danach nie wieder kaufen können."

Weitere Informationen
Kinderhände halten einen Globus.  Foto: Nadezda Kraft

Jumua for Future: Muslimisches Umweltschutz-Projekt

Der Umweltschutz ist nicht nur eine Herausforderung für die internationale Politik. Auch bei Muslimen hierzulande ist Klimapolitik ein Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 18.06.2021 | 15:20 Uhr