Eingang des Museums für Hamburgische Geschichte © SHMH, Sinje Hasheider

Bettina Probst: Ideen und Geld für das Museum am Holstenwall

Stand: 12.02.2021 16:05 Uhr

Das Museum für Hamburgische Geschichte wird umgekrempelt - Altes raus, Neues rein. Direktorin Bettina Probst stehen 36 Millionen Euro zur Verfügung.

von Annette Matz

Einen der ersten Spaziergänge hat Bettina Probst im Zentral Depot des Hauses unternommen - und hat es dabei gleich entdeckt: das ausgebrannte Auto vom G20 Gipfel. "Ich habe gedacht, was steht da denn unter Planen verhüllt? Wir können das jetzt nicht auspacken und irgendwo hinstellen, sondern das muss konservatorisch noch behandelt werden. Aber natürlich ist das ein starkes Objekt, mit dem man viel verbindet oder über das man viel über Protestkultur zeigen kann." Auf jeden Fall soll dieses Autowrack von 2017 mit in einen neuen historischen Rundgang im Haus am Holstenwall. Überhaupt möchte die neue Direktorin Dinge ins Museum bringen, die hier noch nie zu sehen waren. Einen Corona-Abstandhalter aus Theaterproben hat sie sich schon gesichert. Oder das Fläschchen, in dem die allererste Corona-Impfdosis war. "Auch das ist natürlich ein Objekt, wo sich sozusagen sofort der ganze Kosmos dieser Pandemie erschließt", so Probst.

Probst möchte Publikum aus der Nachbarschaft anziehen

Bettina Probst, Direktorin des Museum für Hamburgische Geschichte © SHMH, Sinje Hasheider
Die neue Direktorin Bettina Probst will das Museum für Hamburgische Geschichte umgestalten - 36 Millionen Euro stehen ihr dafür zur Verfügung.

Bettina Probst will das Museum umkrempeln, auch anders im Stadtteil präsent sein: "Ein Problem, mit dem sich alle Museen, die ich kenne, herumschlagen ist, wie kriegen wir auch die Nachbarschaft ins Museum. Wenn man hier mal einen Radius von ein oder zwei Kilometern zieht, dann kommt hier eine super Mischung zustande. Sobald die Pandemie das zulässt, wird es auf meiner Agenda sein, mich hier auch mal vorzustellen und 'hallo' zu sagen."

Neue Schwerpunkte: Hafenstraße, Sport, Medien

Das Haus soll sich verändern - die Räume sollen luftiger werden, weniger Exponate insgesamt, weniger Schiffsmodelle insbesondere. Geschichte ausdehnen bis in die Gegenwart ist das Ziel der neuen Leitung. "Die Kanonen kommen ins Depot" - mit diesen Worten ist Probst oft zitiert worden. Das Zitat ist ein Synonym dafür, dass das Museum für Hamburgische Geschichte andere Schwerpunkt setzen will. Hafenstraße, Sport und Medien sollen viel mehr stattfinden. "Wir haben vor einiger Zeit auch einige Exemplare vom 'Stern' bekommen. Ein größeres Konvolut. Wir planen auch die Bibliothek auszuweiten mit einem Reading Room", berichtet Probst.

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Die meisten im Haus sind im Homeoffice. Für die neue Chefin ist eher das Museum gerade das Zuhause, ihr Think Tank. Sie selbst ist mitten in der Pandemie nach Hamburg gekommen - vom Humboldt Forum in Berlin. Seit November ist Bettina Probst hier. "Es ist natürlich für mich persönlich eine völlig kuriose Situation ein Museum zu übernehmen ohne Besucher. Das hat manchmal was von Geisterschloss", sagt Probst unter Lachen. Hamburg kennt die gebürtige Hannoveranerin schon lange, besucht seit vielen Jahren eine gute Freundin in der Stadt. "Es fühlt sich fantastisch an, an der Elbe spazieren zu gehen", sagt sie.

36 Millionen Euro für Umbauten

Traurig sei sie über die neuesten Beschlüsse zur Verlängerung des Lockdowns, hat aber Verständnis. Die 55-Jährige hofft, dass nach der Öffnung von Schulen und Kitas die Museen dran sind: "Ein Museum ohne Besucher ist nur so ein halbes Museum - wenn es keiner anschaut und die Menschen nicht darüber ins Gespräch kommen und nicht miteinander reden. Da dieser Dialog gar nicht stattfindet, ist das natürlich nur die halbe Miete." 36 Millionen Euro - die Hälfte vom Bund und die Hälfte von der Stadt - hat die neue Direktorin für Sanierungen und Umbauten zur Verfügung. Bis 2026 sollen die neue Dauerausstellung und die Umbauten fertig sein. Das wird man auch draußen merken: Geplant ist ein zweiter Eingang auf der Parkseite.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.02.2021 | 19:00 Uhr