Eine Treppe führt zu einem dunklen Eingang. Darüber die Aufschrift "club". © photocase | matlen Foto: matlen

Tram 83

Sendung: Hörspiel | 01.06.2022 | 20:03 Uhr | von Mujila, Fiston Mwanza
53 Min | Verfügbar bis 26.05.2023

Hörspiel nach dem vielfach preisgekrönten Roman von Fiston Mwanza Mujila.

Ein Nachtclub irgendwo auf der dunklen Seite einer Millionenstadt in Afrika oder vielleicht auch in Europa, ein Paralleluniversum, in dem schon seit jeher die Gesetze der (post-kolonialen) Realität außer Kraft gesetzt sind. Hier spielen sich komplette Leben ab, und solange das Bier fließt, muss hier niemand erwachen. Lucien betritt diese Welt zum ersten Mal unter der Führung seines Freundes Requiem. Lucien kritzelt vor sich hin, versucht sich schreibend dem Tram 83 zu nähern, ein Stück, einen Roman oder Gedichte zu schaffen, um diesem Ort eine Literatur zu geben: "eine Art Bühnen-Epos, das dieses Land aus einer historischen Perspektive beleuchtet: 'Das Afrika der Möglichkeiten: Lumumba, der Engelssturz oder die Stößel-Mörser-Jahre'. In den Hauptrollen Che Guevara, Sékou Touré, Gandhi, Abraham Lincoln, Lumumba, Martin Luther King, Ceaușescu und nicht zuletzt der abtrünnige General."

Währenddessen ist sein Freund Requiem vor allem damit beschäftigt, mit Single-Mami-Küken zu flirten, den großen Coup zu planen und alle vom einfachen amerikanischen Touristen bis zum abtrünnigen General zu erpressen. Die Diva der Eisenbahntrassen hofft auf eine Sprache der Liebe am Ende der Wörter und Mortal Kombat wundert sich über die grenzenlose Zuneigung der westlichen Welt zu ihren Hunden ...

"Tram 83" ist trotz aller Kongo-Bezüge ein fiktiver Ort, also keine Dokumentation einer afrikanischen Community, sondern der Traum einer Bar. Es sind nicht die einzelnen Geschichten, die im Vordergrund stehen. Das, was sowohl der Roman als auch das Schreiben Luciens im Roman, den Worten entlang aufeinanderfolgen lässt, vermischt sich im Hörspiel. Die Literatur verwandelt sich in Gesprächsfetzen, Geräusch, Melodie, Lärm, Rhythmus. Es gibt keine Ruhe, keine Stille in der Tram-Welt. Hier sitzt man mit einem trunkenen Tschechow-Doppelgänger am Tresen, lauscht auf das Schweigen des Beckett-Fanatikers in der von Hieronymus Bosch eingerichteten Bar am Ende der Welt. Joseph Conrad kommt auf einen Drink vorbei, verwandelt sich in einen Mamba Muntu, und schlussendlich marschiert die Armee ein.

Aus dem Französischen von Katharina Meyer und Lena Müller.

Mit: Barbara Petritsch (Diva), Christoph Luser (Lucien), Peter Knaack (Malingeau), Daniel Lommatzsch (Requiem), Falk Rockstroh (der abtrünnige General), Mavie Hörbiger (Frau 1), Katharina Lorenz (Frau 2), Nany Mensah-Offei (Mortal Combat), Philipp Hauss (der Chef), Marta Kizyma (Kellnerin), Talula Bamforth (ein Kind).

Regie & Bearbeitung: Philipp Hauss.
Musik: Thomas Kürstner und Sebastian Vogel.
Ton: Anna Kuncio und Manuel Radinger.
Produktion: ORF/NDR 2019.
Redaktion: Michael Becker.

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