Stand: 25.09.2018 20:45 Uhr

"Heiß auf 2. Liga" - HSV-Drama auf der Bühne

von Peter Helling

Ein Saurier geht baden. Für viele Hamburger ist es die Katastrophe schlechthin: der Abstieg des HSV. Fassungslos stehen die Fans vor einem Scherbenhaufen. Da klingt er fast wie böser Spott, der Titel des neuen Stücks von Jörg Menke-Peitzmeyer in den Hamburger Kammerspielen: "Heiß auf 2. Liga". Am Montag war die Uraufführung der rasanten Komödie. Dabei war ein Publikum zu erleben, das am liebsten vergessen möchte - und trotzdem noch lachen konnte.

Mancher im Publikum muss sich vor Schmerzen gewunden haben, nachdem der HSV am letzten Sonntag mit 0:5 gegen Regensburg verloren hat. Heiß auf 2. Liga? Ist hier wohl keiner. Aber: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. "War nette Unterhaltung", meint einer der Zuschauer am Ende des Theaterabends. "Ich bin absoluter HSV-Fan mit blauem Blut in den Adern - durch und durch. Aufbauend sieht sicherlich anders aus, gerade nach so 'nem Spiel wie gegen Regensburg, aber es hat Spaß gemacht", fügt er hinzu. Ein anderer sagt: "Also ich fand's sehr amüsant. Allerdings: Wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, erkennt man einiges wieder, was nicht so amüsant ist." Gemeint sind Millionentransfers, Verträge mit unfassbaren Sondervergütungen.

Eine Frau in einem Putzkittel sitzt auf Waschmaschinen

"Heiß auf 2. Liga": Der HSV im Theater

Hamburg Journal -

Ein Stück für Fußball- und Theaterfans: "Heiß auf 2. Liga" heißt die neue Komödie an den Hamburger Kammerspielen. Am Montag feierte sie Premiere.

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Ein Wunderkind aus Brasilien soll es richten

Theater trifft auf Fußball: Dass beide viel miteinander zu tun haben, bewies schon manche oscarreife Schwalbe bei der letzten WM. Schauplatz im Theaterstück: ein Waschsalon mit fünf Waschmaschinen. Sie tragen Namen wie Uwe, Felix und Horst. Gemeint sind die HSV-Legenden Uwe Seeler, Felix Magath und Horst Hrubesch. Luise hält die Maschinen am Laufen. Sie ist die gute Seele des HSV. Hannelore Droege spielt sie, warmherzig und leicht tragisch umflort. Heiß auf 2. Liga? Ist sie auch nicht. Genauso wenig wie der Großinvestor Rolf-Peter Hala, den Franz Joseph Dieken als asigen Großkotz spielt. Millionenschwer und siegelringbewehrt, gehört ihm das Waschsalon-Imperium. Und eben der Verein, dessen Aufstieg er so schnell wie möglich wieder ermöglichen will. Die Lösung kommt mit Sergio. Der soll es richten! Das Wunderkind aus Brasilien! Der eiskalte Spielerberater Nettermann schwatzt dem Investor die vermeintliche Eintrittskarte zurück in die Oberliga auf und meint, mit Sergio sei der Aufstieg nur noch eine Formsache.

Schnell, böse, ernüchternd

Aber der vermeintliche Fußballmagier ist eine Niete: Im Stück taucht er nie auf. Man sieht ihn nur in den entsetzten Blicken des zunehmend ernüchterten Großmäzens. Die vier Schauspieler geben Tempo, die Dialoge des Stücks sind schnell, böse, ernüchternd. Regisseur Gil Mehmert lässt hier keine Ruhe aufkommen. Nicht jeden im Publikum fesselt das. "Ich fand's langweilig, einfach nur langweilig", sagt eine Zuschauerin, ein Mann fand es "wechselhaft". "Schauspielerisch war es am Anfang ziemlich mau. Ich bin St. Pauli-Fan, insofern war das eine ganze Persiflage auf den HSV, die sehr passend war" - und eine weitere Zuschauerin sagt knapp: "Das ist was für Fußballfans."

Anspielungen auf bekannte HSVler

Im Fußball nennt man das wohl Pressing

Der Abend vergibt eine Chance: mal innezuhalten, die Stopp-Taste zu drücken, einen Hauch Tragik einzuweben statt atemloses Dauer-Aufdrehen. Im Fußball nennt man das wohl Pressing. Und die echte Fußballwelt? Ein HSV-Fan aus Westfalen findet durch das Theater seinen Mut wieder - nach dem 0:5 am vergangenen Sonntag: "Wir müssen nach vorne gucken, es geht weiter, auch nach dem Spiel gegen Regensburg. Und ansonsten wird der Trainer halt wieder ausgetauscht."

"Heiß auf 2. Liga" - HSV-Drama auf der Bühne

Nach dem Abstieg des HSV klingt der Titel der neuen Komödie in den Hamburger Kammerspielen fast wie Hohn: "Heiß auf 2. Liga". Am Montag hatte das rasante Theaterstück Uraufführung.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
20146   Hamburg
Preis:
18 bis 43 Euro
Kartenverkauf:
Tageskasse: Mo-Sa, 14-19 Uhr und jeweils eine Stunde vor der Vorstellung
Telefon: 040/41 33 44 0
E-Mail: tickets[at]hamburger-kammerspiele.de
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