Hannah Arendt mit Zigarette © picture-alliance / /HIP | Jewish Chronical

Hannah-Arendt-Tage blicken in Hannover in die Zukunft

Stand: 12.10.2021 09:22 Uhr

Bis zum 16. Oktober finden in Hannover die Hannah-Arendt-Tage statt. In diesem Jahr stehen sie unter dem Motto "Start Doing - Unsere Verantwortung für die Zukunft".

von Agnes Bührig

"Lieder ohne Worte" des jüdischen Komponisten Paul Ben-Haim. Sie werden am Mittwoch zu Hannah Arendts Ehren in der Villa Seligmann zu hören sein, dem Haus der Jüdischen Musik. "Eine zweite Heimat" ist der Abend überschrieben, der eine weniger beachtete Seite der Philosophin zeigt: ihre Heimat in der Dichtung.

Schon als junges Mädchen schrieb sie Gedichte, ab 1950 führte sie ein Denktagebuch, sagt Franziska Martinsen vom Kuratorium der Hannah-Arendt-Tage: "Sie hat privat Gedichte geschrieben, und diese Gedichte werden musikalisch untermalt. Oder man könnte sagen: Es ist ein Programm, das sowohl aus der Lyrik Arendts als auch aus der Musik zusammengesetzt ist. Da wird es um jüdische Musik des frühen zwanzigsten Jahrhunderts gehen. Und das wirft ein anderes, ein sinnliches Licht auf Hannah Arendt als Person."

Klimagerechtes Nachdenken über Zukunft

Denn im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe steht ansonsten eine sehr politische Frage: Welches Handeln von jedem und jeder einzelnen ist im arendtschen Sinne nötig, um die Welt klimagerechter und nachhaltiger zu machen? Das etwa hinterfragt der Vortrag von Maria Robaszkiewicz von der Universität Paderborn anhand des politischen Engagements der Protestbewegung "Fridays for Future".

Und auch die Präsentationsform ist nachhaltig, da das Publikum nicht unbedingt anreisen muss, um dabei zu sein. Sabine Meschkat-Peters von der Stadtverwaltung Hannover: "Wir können sagen, dass wir bei allen Veranstaltungen sowohl Präsenz vor Ort anbieten an Plätzen als auch digital. Wir sind gleich dieses Jahr wieder in die hybriden Formate eingestiegen und wir haben sogar ein Format dabei, das wir komplett digital ausrichten, also als Zoom-Meeting. Das ist eine Veranstaltung mit Christian Felber zur Gemeinwohlökonomie, Wir haben darin eine Chance gesehen im letzten Jahr, also Corona sozusagen als Beschleuniger auch von technischen Innovationen, weil wir mehr Personen erreichen können, die nicht hier vor Ort sind."

Was wäre wenn?

Weniger digital wird die Geburtstagsfeier von Hannah Arendt ausfallen. Bei einem Festakt vor dem Hannah-Arendt-Gymnasium in Barsinghausen, westlich von Hannover, wird am Donnerstag eine an neuronale Netze erinnernde Skulptur des niedersächsischen Bildhauers Michael Zwingmann enthüllt. Dagegen zielt die Lesung mit dem Designtheoretiker Friedrich von Borries eher auf das Gegenteil von Vernetzung: "Fest der Folgenlosigkeit" heißt sein Roman. Er fragt, wie ein Leben aussehen würde, das – im ökologischen Sinne - möglichst ohne Folgen bleibt.

Und was hätte Hannah Arendt wohl zum Klimawandel von heute gesagt? Hinweise darauf gäbe es in ihrem Hauptwerk "Vita activa oder Vom tätigen Leben", sagt die Privatdozentin Franziska Martinsen: "In diesem Werk steigt sie tatsächlich in dem Vorwort damit ein, dass sie von der atomaren Bedrohung der Welt ausgeht. Das war Ende der 50er-Jahre. Das war da gerade ein großes Thema. Wie gehen wir mit Nukleartechnik um? Und das ist natürlich eine Parallele jetzt zum Klimawandel. Wir können das Leben zukünftiger Generation verunmöglichen, indem wir den Planeten zerstören. Und das ist der Aufhänger für sie, darüber nachzudenken, wie wir konstruktiv miteinander Weltgestaltung betreiben sollten."

Hannah-Arendt-Tage blicken in Hannover in die Zukunft

Unter dem Motto "Start Doing - Unsere Verantwortung für die Zukunft" beginnen in Hannover die Hannah-Arendt-Tage.

Art:
Diskussion
Datum:
Ende:
Ort:
Trammplatz 2
30159 Hannover
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.10.2021 | 06:40 Uhr