Stand: 21.01.2020 19:59 Uhr

Handys im Theater - ein Phänomen wird zum Problem

Von Konzerten kennt man es ja schon lange: Beim ersten Ton wird das Handy gezückt und fleißig fotografiert oder gefilmt. Das geht bei einigen Konzertbesucherinnen und -besuchern so weit, dass eigentlich das ganze Konzert nur noch durch das Handy erlebt wird. Besonders ärgerlich ist das für die, die dahinterstehen und nur den leuchtenden Bildschirm sehen. Filmen und Fotos machen - das wird nun auch in Theatern und Opernhäusern in Norddeutschland ein Problem.

von Anina Pommerenke

Auf einem Handydisplay steht "Ausschalten". © picture alliance Foto: Sven Hoppe
Handy aus! Ein gezücktes Smartphone kann im Theater- oder Konzertsaal schnell zum Zankapfel werden.

Charmant, aber bestimmt: Mit von Künstlerinnen und Künstlern des Hauses eingesprochenen Ansagen hat die Staatsoper Hannover gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen schmunzeln und schalten ihr Handy aus, berichtet Pressesprecherin Christiane Hein. Große Probleme mit Handys gäbe es an der Staatsoper nicht: "Und wenn es dann doch vorkommt, bemerken wir immer mehr, dass andere Zuschauerinnen und Zuschauer darauf hinweisen, dass man das nicht macht. Und im Zweifelsfall würde dann auch unser Einlasspersonal eingreifen."

Filmen trotz Verbots

Fest steht: Rechtlich ist es nicht erlaubt, während der Vorstellung Fotos oder Videos zu machen. Das ist Urheberrechtsverletzung. Darauf weist auch der Deutsche Bühnenverein ausdrücklich hin. Aber ein Thema ist es trotzdem an vielen Theatern in Norddeutschland.

Hamburg: Ein Konzertbesucher filmt mit seinem Smartphone bei einem Konzert in der Elbphilharmonie. © picture alliance/Christian Charisius/dpa Foto: Christian Charisius

AUDIO: Fotografieren und Filmen im Theater (4 Min)

"Das liegt vor allem daran, dass die Bedürfnisse heute andere sind", sagt Hein und ergänzt: "Ein Operngänger vor 40 Jahren, ohne Handy, hat seinen Abend anders erlebt. Dann wurde vielleicht davon erzählt, dass man in der Oper war, man hatte das Programmheft zu Hause. Heute spielt sich sehr viel online ab, das Privatleben spielt sich online ab, man möchte die Welt daran teilhaben lassen. Uns ist sehr daran gelegen, dass Menschen auf ihren privaten Kanälen von uns erzählen, und da spielen Videos und Fotos einfach eine große Rolle."

Tatsächlich dreht sich die Diskussion aber nicht nur um das Publikum, sondern findet auch unter den Kunstschaffenden des Hauses statt: "Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die das komplett ablehnen", berichtet Hein. "Sie möchten auch den Probenprozess sehr geschützt sehen, ohne dass da etwas nach außen dringt. Es gibt aber gerade auch junge Kolleginnen und Kollegen, die das für sich nutzen wollen und damit nicht ganz so große Probleme haben, die aber auch den Schutz brauchen - sich zum Beispiel nicht mit aufgerissenem Mund im Internet wiederzufinden."

Theater passen sich Bedürfnissen an

Hannover Opernhaus © Marek Kruszewski Foto: Marek Kruszewski / Visum
Die Staatsoper Hannover plant sogenannte Insta-Walks.

Die Theater in Norddeutschland gehen unterschiedlich mit dem Thema um: Im Thalia Theater in Hamburg klingelt vor jeder Inszenierung ein Handy - als freundliche Erinnerung daran, das Gerät auszuschalten. Das Theater Osnabrück plant zurzeit eine Ansage, die ausdrücklich darauf hinweisen soll, dass jegliche Aufnahmen verboten sind, auch weil sie Schauspielerinnen und Schauspieler und die anderen Besucher stören. Viele Theater stellen Video- und Fotomaterial online zur Verfügung. Beim Schauspielhaus Hamburg gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, das Material in den Sozialen Medien zu teilen.

An der Staatsoper Hannover wird aber auch viel darüber diskutiert, ob man diesen neuen Bedürfnissen des Publikums entsprechen muss, berichtet Christiane Hein: "Es wird immer mal wieder überlegt, ob wir das bei gezielten Inszenierungen einfach mal freigeben, damit man fotografieren kann. Wir planen gerade 'Insta-Walks', damit man auch mal hinter die Bühne kommen und in einem geschützten Raum Fotos machen kann. Es werden gerade viele Formate angedacht und dann auch umgesetzt, einfach um auf der Höhe der Zeit zu bleiben."

Aktuell gibt es eine Kompromisslösung: Fotografieren ist vor und nach der Vorstellung erlaubt. Schließlich ist jedes Foto in den Sozialen Medien auch Werbung.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.01.2020 | 07:40 Uhr