Puppe "Bernhard" und Schimpansin "Gerda" mit Jens Heidtmann © NDR Foto: Peter Helling

Hamburger Puppentheater: Corona-Videos statt Auftritte

Stand: 10.02.2021 11:11 Uhr

In der Corona-Krise sind die Theater geschlossen, auch das Puppentheater in Hamburg-Barmbek muss zu bleiben. Wie geht es dort weiter?

von Peter Helling

Gestatten: Puppe "Gerda". Die Schimpansin ist eine Klappmaulfigur, Maske muss sie naturgemäß nicht ragen. "Gerdas" Chef ist Jens Heidtmann. Seine Hand steckt in "Gerdas" Kopf, und auch die Stimme ist von ihm. "Sie hat ja grandiose Wimpern", erzählt er. "Wir haben einen Film gedreht für die Hamburger Zahnärzte, Zahn-TV, und da war sie Reporterin, und da wir sonst ganz viele männliche Figuren haben, brauchten wir noch eine weibliche Darstellerin, und dann war das 'Gerda'." Sein Blick geht in den leeren Saal des Puppentheaters. Dass er nicht vor Publikum auftreten kann, macht Jens Heidtmann traurig. "Ich bin seit mittlerweile über 30 Jahren mit diesem Ort verbunden, bin seit ein paar Jahren Vorsitzender des Trägervereins, dieses Theater bedeutet mir sehr sehr viel."

Zielgruppe des Puppentheaters ist ein junges Publikum

"Gerda" ist eine von etwa 100 Puppen des Holzwurm Theaters. Und: Sie wird behutsam gepflegt. "Ich werde regelmäßig nachgeschminkt", sagt sie. "Das ist ganz wichtig. Manchmal kommen ja die Kinder, die wollen ja immer streicheln, und das sind immer die gleichen Stellen. Obwohl sonst, ich sach' mal, wir Puppen sind im Grunde anspruchslos."

Jens Heidtmanns Figurentheater richtet sich an ein junges Publikum. Eines seiner Markenzeichen: ernste, brisante Themen. "Ich arbeite präventiv gegen sexualisierte Gewalt, ich arbeite gegen Cyber-Mobbing, das heißt, wir haben schon immer ernste Themen so aufbereitet, dass man nach einem gelungenen Theatererlebnis wieder nach Hause geht."

Statt Auftritten Videos über die Corona-Krise

Vergangenes Jahr hat er Videos über Corona gedreht, zusammen mit Puppe "Bernhard". Die sieht ein bisschen wie der Lieblingslehrer aus, den man nie hatte: cool und sympathisch, Basecap und Lesebrille. Aber Videos ersetzen nicht das Live-Ereignis im Saal, wie Alexander Pinto, Geschäftsführer des Hamburger Puppentheaters, betont: "Es ist erstmal unglaublich traurig, dass wir jetzt mittlerweile fast ein ganzes Jahr hier nicht so spielen konnten, wie wir das gerne würden. Das grenzt schon fast an deprimierend."

Normalerweise rund 150 Vorstellungen im Jahr

Geschäftsführer Alexander Pinto, Puppe "Gerda" und Jens Heidtmann vom Hamburger Puppentheater. © NDR Foto: Peter Helling
Geschäftsführer Alexander Pinto hofft, im September mit einer Premiere wiedereröffnen zu können.

Das Hamburger Puppentheater macht keine eigenen Stücke, sondern lädt zu Gastspielen ein, mit rund 150 Vorstellungen im Jahr. Gezeigt werden hier die Stücke von etwa 50 Gruppen und Ensembles. Und einige von ihnen denken wegen Corona ans Aufhören, wie Pinto befürchtet. Jetzt müssen er und sein Team mit der Planung bei null anfangen. Immerhin: "Organisatorisch haben wir das Glück, dass wir zum Teil institutionell gefördert sind von der Kulturbehörde in Hamburg. Wenn wir allerdings so wie im September und Oktober nur mit sehr eingeschränkter Platzkapazität spielen dürfen, dann ist das für uns wirtschaftlich eigentlich ein Desaster."

Hoffnung auf Premiere im September

Für das Frühjahr rechnet Pinto nicht mehr mit einer Rückkehr zum normalen Spielbetrieb. Das Ziel sei stattdessen, "im September wieder mit einer tollen Premiere zu eröffnen. Und zu hoffen, dass das Publikum das wahrnimmt und auch annimmt."

"Einfach wieder auf die Bühne"

"Gerda", "Bernhard" und die anderen, sie bleiben optimistisch. Denn: "Puppenspielen ist ja nicht nur ein Beruf, das ist eine Lebensform." Seine Stücke, sagt Heidtmann, enden nie ohne Happy End. Und das wünschen sich gerade alle Menschen, in Bezug auf Corona. Aber auch Bernhard, der Anti-Corona-Lehrer mit dem Knautschkopf: "Wie soll ich das vornehm ausdrücken? Ich würde sagen: Da kannste einen drauf lassen, Meister." Und "Gerda", die Schimpansin, klappert ihre schönen Wimpern: "Es soll einfach überhaupt wieder stattfinden, ich möchte einfach wieder auf die Bühne, dann ist alles gut."

Die Erklär-Videos mit Puppe Bernhard über Corona finden Sie übrigens auf der Homepage des Holzwurm Theaters.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 10.02.2021 | 19:00 Uhr