Stand: 29.07.2019 06:00 Uhr

Güstrower Schloss: Sanierung für 19 Millionen Euro

von Axel Seitz

In Norddeutschland gehört es zweifellos zu den großartigsten Renaissancebauwerken: das Güstrower Schloss. Im 16. und 17. Jahrhundert war Güstrow nach Schwerin die zweite Hauptresidenz der Mecklenburger Herzöge. Über Jahrhunderte blieb der Originalzustand erhalten. Doch gerade das ist seit Jahren das große Problem - das Schloss muss dringend saniert werden. Immer wieder gab es Ankündigungen für einen Beginn der Arbeiten, nun soll es Ende des Jahres tatsächlich losgehen. Allerdings gibt es noch einige offene Fragen.

1972 wurde das Güstrower Schloss als Museum der Öffentlichkeit übergeben. In den folgenden fast fünf Jahrzehnten hat sich im und am Gebäude wenig getan, wie die Leiterin des Güstrower Schlosses, Regina Erbentraut, weiß: "Wir sind auf dem Stand Ende der 60er- und 70er-Jahre. 1972 war die erste große Sanierung abgeschlossen. Da zogen das staatliche Museum Schwerin, die Kreisbibliothek und ein Filmclub ein. Im Grunde war das Schloss damals ein Stück weit ein 'Kulturhaus nach sozialistischem Modell'."

Schloss Güstrow wird saniert

Sanierung ist lange überfällig

Heute geht jeder Besucher bereits zwischen Torhaus und Hauptgebäude an Sperrgittern vorbei, sieht bröckelnde Fassaden, unverputzte Wände, fehlende Dachziegel - das Schloss wirkt an vielen Stellen wenig einladend. Das sieht Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt ähnlich. Er wartet bereits seit mehreren Jahren auf die Schlosssanierung: "Bei bestimmten Ereignissen wie Sturm hat man sogar schon den Innenhof sperren müssen, weil die Dachziegel runterfallen. Man sieht, die Sanierung aus DDR-Zeiten muss jetzt erneuert werden. Man hatte ja schon 2013 das Gefühl, jetzt geht es los, aber dann kamen andere Dinge, sodass wir schon sehr lange gewartet haben."

Schloss wird für drei Jahre verhüllt

Andere Dinge - das waren die Sanierungen der Schlösser in Ludwigslust und Bothmer, sowie der Neubau des Plenarsaals im Schweriner Schloss. Jetzt, 2019 ist nun endlich das Güstrower Schloss an der Reihe: "Wir sanieren nicht nur die Gebäudehülle, also Dach und Fassade des Schlosses, sondern auch das Torhaus und die Brücke. Wir werden dort ein Programm von etwa 19 Millionen Euro umsetzen. Das wird, was die Fassaden- und Dachsanierungen angeht, Ende dieses Jahres losgehen", erklärt Robert Klaus, der Schweriner Niederlassungsleiter des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften. Zunächst einmal müssen im Dach inzwischen nicht mehr verwendete Holzschutzmittel aufwendig entfernt werden. Vom kommenden Jahr an wird sich dann das Güstrower Schloss verhüllt präsentieren. Und zwar für gut drei Jahre, so Klaus: "Nach unseren derzeitigen Planungen werden die Hüllen tatsächlich ein wenig unterschiedlich fallen. Beim Nord- und Südflügel, die etwas einfacher zu bearbeiten sind, ist das Ziel, die Verhüllung zum Jahreswechsel 2022/2023 zu entfernen. Im Westflügel werden wir das voraussichtlich erst etwas später, möglicherweise zur Jahresmitte hin schaffen."

Schloss Güstrow soll bunter werden

Nach der Sanierung soll das Schloss 2023 dann viel farbenfroher als jetzt aussehen: "Wir wissen, es ist ein Schloss der Renaissance und Renaissance-Schlösser wirkten ursprünglich sehr bunt", erklärt Klaus. "Wir werden es zwar nicht wirklich bunt machen, aber es kann im Vergleich zu jetzt durchaus gewisse Abweichungen in der Farbigkeit der Putze und bei den Fenstern geben."

Bleiben die Fragen, was im Inneren des Gebäudes geschieht - wann wird hier saniert? Welches Ausstellungskonzept ist geplant? Die Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen des Landes, Pirko Kristin Zinnow, kann aktuell noch keine konkreten Auskünfte geben: "Wir sind bestrebt, während der Bauarbeiten ein attraktives, wenn auch weniger umfangreiches Programm aufrechtzuerhalten. Nähere Einzelheiten zu all den geplanten Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Schloss Güstrow werden dann im September die Stadt Güstrow, der Betrieb für Bau und Liegenschaften, die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern zusammen mit dem Finanzministerium hier vor Ort bekannt geben."

Güstrow braucht mehr Besucher

Selbst wenn das Güstrower Schloss wie geplant in vier Jahren von außen in neuem Glanz erstrahlt, um es auch von innen attraktiver und moderner zu gestalten, sind noch gewaltige Anstrengungen vonnöten. Denn wer sich die Besucherzahlen anschaut, wird feststellen: Güstrow hat noch viel Potenzial. Während das Schweriner Schloss jährlich mehr als 160.000 Gäste besuchen, in Ludwigslust sich weit über 40.000 Besucher das Schloss ansehen, sind es in Güstrow deutlich weniger als 20.000 Gäste pro Jahr.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 29.07.2019 | 19:00 Uhr

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