Stand: 27.07.2020 08:11 Uhr  - NDR Kultur

Grünes Idyll: Der Von-Alten-Garten in Hannover

Alte Bäume und geschichtsträchtige Gemäuer regen die Fantasie an.

Hannover ist grün! Es gibt verschiedene Parks und Schrebergartenkolonien, natürlich den Stadtwald Eilenriede, die Herrenhäuser Gärten und die Georgengärten. NDR Kultur Reporterin Andrea Schwyzer ist viel in diesem Grün unterwegs und hat sich für die Sommerserie "Mein Lieblingspark" aufs Rad geschwungen. Vor einiger Zeit war sie bei einem Bigband-Konzert in einem Park, den sie bis dahin allerdings noch nicht gekannt hat: im Von-Alten-Garten. Der Multikulti-Garten der Lindenerinnen und Lindener.

Platz zum Spielen und Erholen

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Vielerlei Pflanzen, wie diese "Herbst-Anemone", wachsen und gedeihen im alten Landschaftspark.

Junge Japaner spielen Federball. Kinder klettern, rutschen und schaukeln. Auf der großen Wiese wird gegrillt. Pilze wachsen zwischen leeren Bierflaschen und Schokoriegelpapierchen. Ein spazierendes Pärchen beschreibt den Von-Alten-Garten als einen "Multikulti-Park". Es würden sich dort viele junge nette Leute zum Grillen treffen. Das Paar selbst gehe häufig dort spazieren. Jeder Stadtpark habe etwas Besonderes, doch der Von-Alten-Garten sei einzigartig.

Vom privaten Garten zum öffentlichen Park

Die am Fuß des Lindener Bergs gelegene Gartenanlage war einst ein französischer Barockgarten - mittlerweile ein englischer Landschaftspark auf einer Fläche von 7,5 Hektar. Doch die Ursprünge des Gartens gehen zurück in das 13. Jahrhundert und den Gutshof der Familie Von Alten. Die musste ihn aus wirtschaftlichen Gründen verpachten. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Teile einer Umfassungsmauer sind noch zu sehen. Das Schloss wurde 1945 von einer Bombe getroffen und existiert nur noch in der Erinnerung. Heute ist der Garten öffentlich und beliebt.

Stress vergessen bei Limonade oder Sekt

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Die einen trinken Sekt, die anderen eine selbst gemischte Zitronen-Minze-Limonade.

Auf einer Picknickdecke sitzen drei Frauen in blumigen Sommerkleidern in der Sonne und trinken erfrischende Limonade mit Minze und Zitrone. "Im Deutschkurs haben wir gelernt, wie alt dieser Garten ist. Darum komme ich oft hierher", erzählt eine junge Afghanin: "Der Stress geht hier ein bisschen weg."

Am Rand des großen Spielplatzes, mit Blick auf eine besprayte Hauswand plaudern bestens gelaunte Freundinnen: "Das ist unser erstes Mal hier. Wir waren in der Nähe etwas essen, dann sahen wir den Park und dachten uns: Jetzt gehen wir mal hierher. Die Kinder spielen und wir quatschen. So muss das sein: Die Männer sind beschäftigt und wir relaxen. Fehlt eigentlich nur noch der Sekt."

Ein geschichtsträchtiger Ort der Ruhe

Ab vom Trubel, im alten Teil des Gartens sitzen zwei Teenager auf einer Bank, hören Musik und blicken auf einen riesigen, grünen Baum: "Man kann hier in Ruhe sitzen und niemand stört einen. Das ist wunderschön. Und dann dieser Baum! Der ist einfach schön anzusehen." Bei dem beeindruckenden Baum handelt es sich um drei ineinander verdrehte Rotbuchen - 200 Jahre alt. Der Stammumfang misst stolze sechs Meter, mehr als 35 Meter wächst der Baum in die Höhe.

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Mit Seilen wird der 200 Jahre alte Baum vor dem Umkippen bewahrt.

Wie stolz die Lindener auf das alte Gewächs sind, zeigt sich an der umfangreichen Unterstützung, die für den Erhalt aufgebracht wird. Bereits seit sieben Jahren wird der Stamm von einem Seilverankerungssystem vor dem Umkippen bewahrt. Die Krone, deren Durchmesser 20 Meter beträgt, verliert bereits ihre äußeren, absterbenden Äste - wie lange der Baum noch am Leben erhalten werden kann, ist ungewiss.

Auf einer anderen Bank sitzt Arm in Arm das verliebte Pärchen: "Der Baum ist klasse! Wenn wir hier sitzen, stellen wir uns vor, wie vor 200 Jahren die Leute hier flaniert sind und wie die wohl angezogen waren. Das ist das Geheimnissvolle, was den Garten umgibt. Dass er eine Vergangenheit hat, die wir nicht kennen."

Urbane Kreativ-Oase

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Beim Harmonium lassen sich, wie auch bei der Orgel, verschiedene Register für unterschiedliche Klangfarben ziehen.

Drüben, auf der Wiese nahe des Westschnellwegs, sitzt unter den Bäumen ein junger Musiker aus Linden. Er hat den Park gerade erst für sich entdeckt hat. Mit seinem Harmonium sitzt er im Schneidersitz auf einer Decke und sucht nach Akkorden, die seinen Gesang begleiten sollen. Er singt Mantras. Die als Mittel der Meditation dienenden Lieder, entfalten ihren spirituellen Klang unter den Baumkronen am Rande des alten Gartens auf eine ganz besondere Weise.

Höreindrücke aus dem Von-Alten-Garten in Hannover bekommen Sie hier:

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 27.07.2020 | 09:20 Uhr

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