Stand: 19.02.2020 16:49 Uhr  - NDR Info

Goldene Kamera: Das Sterben der Preisverleihung

von Orestis Skenderis

Am 21. März 2020 findet zum letzten Mal die Verleihung der Goldenen Kamera statt. Nach rückläufigen Quoten und Kritik in den vergangenen Jahren wird die Preisverleihung als TV-Show eingestellt. Auch der Musikpreis Echo ist seit 2018 Geschichte. Die ARD kündigte zudem an, die Übertragung des Bambi einzustellen. Orestis Skenderis hat sich auf die Suche nach den Gründen gemacht.

Die Zeiten, in denen Familien noch zusammen im Wohnzimmer vor dem Fernseher saßen und große Samstagabendshows in Überlänge sahen, sind vorbei. Das gilt auch für Preisverleihungen. "Junge Leute folgen nicht mehr den traditionellen Fernsehstars. Die sind eher zu YouTube und Netflix gewechselt. Sie haben ein ganz eigenes Star-System und das Interesse an Stars und Glamour äußert sich natürlich auch anders", sagt Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher.

Mit allen Mitteln versuchen die Macher der Preisverleihungen daher, sich zu verjüngen. Das Ziel sei, den Geschmack des jungen Publikums treffen. Doch wie bindet man die junge Generation, die mit dem schnelllebigen Internet aufwächst, erfolgreich an eine traditionelle Fernsehsendung, die bis zu drei oder vier Stunden dauern kann? So jedenfalls nicht, meint Joan Bleicher, und nennt einen weiteren Grund des Quotenrückgangs: "Die zu geringe Finanzierung führt dazu, dass alles gleichbleibt, die Kulissen sehr gleichförmig sind, man denkt den Eltern, den Produzenten, den Regisseuren. Das macht das natürlich so langweilig."

Die Sucht nach internationalen Stars

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Die Schauspieler Anette Frier und Matthias Matschke bei der Verleihung der Goldenen Kamera 2017.

Einige Dankesreden stechen dennoch hervor. Neben Marcel Reich-Ranicki 2008 beim Deutschen Fernsehpreis auch die Laudatio von Annette Frier und Matthias Matschke bei der Goldenen Kamera 2017: Veranstaltungen wie der Bambi oder die Goldene Kamera gerieten in den vergangenen Jahren aber auch häufiger in die Kritik, weil ihnen vorgeworfen wurde, sie zeichneten internationale Persönlichkeiten willkürlich aus. Einen erfolgreichen Star anwesend zu haben, sei den Veranstaltern wichtiger als deren Leistung, sagen Kritiker.

Gosling-Double: Joko und Klaas enttarnen Goldene Kamera

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Die Macher der Goldenen Kamera wurden mit einem falschen Hollywoodstar reingelegt, was für beschämende Schlagzeilen sorgte.

Medienwirksam enttarnten die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf die Goldene Kamera im Jahr 2017: Sie schleusten ein Double des Schauspielers Ryan Gosling in die Preisverleihungen ein und sorgten dafür, dass dieser einen Preis gewinnt. "Das Thema #GoslingGate zeigte natürlich wunderbar die Mechanismen, wie solche Preisverleihungen laufen." Die Sucht nach Stars führe dazu, dass jedes Angebot angenommen werde, was einen internationalen Star biete.

Mehr Kategorien für junge Leute

Wie geht es nun mit Deutschlands Preisverleihungen weiter? Die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher meint: "Selbstironie wäre natürlich wichtig. Und Selbstironie dient natürlich der Auflockerung der festen Rituale, der Infragestellung von Ritualen." Man müsse Kategorien bilden, die für junge Leute interessant sind und gleichzeitig die Einbindung in Social Media stärker fokussieren, so Bleicher. Weg vom traditionellen Fernsehen: Das würde den Reiz an Preisverleihungen wieder erhöhen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 19.02.2020 | 09:54 Uhr

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