Stand: 10.01.2020 13:44 Uhr  - NDR Info

Stereotype Geschlechterrollen auf Social Media

von Merlin van Rissenbeck

In sozialen Medien wie Instagram sind insbesondere Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen: Dünn und langhaarig sollen sie sein - ihre Themen sind überwiegend Mode, Ernährung und Beauty. Diesen Trend belegt eine Studie der "MaLisa-Stiftung" aus dem Jahr 2019 zum Thema weibliche Selbstinszenierung in den neuen Medien.

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Die MaLisa-Studie besagt, dass Frauen auf ihren Kanälen gern lächeln, wohingegen Männer sich eher mit Freunden zeigen - oder von hinten.

Die Studienreihe hat zum Beispiel wiederkehrende Posen bei Influencerinnen kategorisiert. Dazu gehören "ein angewinkelter Arm und die Hand wie beiläufig im Haar" oder "der attraktiv in S-Form gebogene Körper". Dass Frauen und Männer sich oft sehr unterschiedlich inszenieren, bemerken manchmal auch junge Followerinnen: "Mädchen zeigen zum Beispiel gern ihr Gesicht und lächeln. Jungs zeigen sich meistens im Ganzen von hinten, oder mit Freunden als Mannschaft", so die Studie.

Sexy Posen und gestählte Körper für die Likes

lnfuencerinnen mit einer oder mehreren Millionen Followerinnen und Followern - wie Pamela Reif oder Caro Daur - zeigen ihre gestählten Körper oft in sexy Posen oder an Traumstränden. Problematisch wird es dann, wenn Mädchen daraus schließen, dass sie als Frauen nur über Äußerlichkeiten Anerkennung bekommen können.

Erfolg nur mit bestimmten Themen?

Eine Umfrage der Kinderrechtsorganisation Plan International hat 1.000 Frauen und Männer in Deutschland im Alter zwischen 14 und 32 Jahren befragt. Dabei kam heraus, dass die Befragten umso stärker in stereotypen Rollenbildern denken, je intensiver sie soziale Netzwerke nutzen. Martina Schuegraf hat als Professorin für Medienwissenschaften zum Thema Influencerinnen geforscht und kommt zu dem Ergebnis, es glaubten sowohl die Influencerinnen selbst, wie auch die Nutzer ihrer Profile, man müsse bestimmte Themen bedienen, um erfolgreich zu sein. Beispielsweise seien das bei Frauen die Themen Beauty, Mode und Lifestyle.

Influencerinnen prägen Konsumverhalten

Die Themen Mode, Beauty und Lifestyle sind auch die Themen, bei denen sich besonders viele Produkte unterbringen lassen. Für Unternehmen ist das ein großes Geschäft. Jugendliche Konsumentinnen betrachten Influencerinnen und Influencer als Vorbilder und ahmen deren Aussehen, zum Teil auch Gestik und Mimik nach. Die MaLisa-Studie ergibt auch: Mädchen, die Beauty-Influencerinnen folgen, bearbeiten und retuschieren verstärkt ihre eigenen Bilder. Amelie Duckwitz, Professorin für Medien- und Webwissenschaft an der TH Köln, sieht ein Problem im Rollen- aber auch im Konsumverhalten, das oft vermittelt würde. Dass man vermeintlich nur ein glücklicher Mensch sein könne, wenn man sich modisch und angesagt kleide, immer gut aussehe, gut geschminkt sei.

Gegenbewegungen auf Social Media

Eine junge Frau auf einem Balkon wird von ihrer Freundin mit dem Handy fotografiert © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Christin Klose

Geschlechterstereotype auf Instagram

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Duckwitz stößt aber auch auf Gegenbewegungen: "Auf Instagram und YouTube berichten Influencer auch viel über ihre Krankheiten oder psychischen Schwierigkeiten." Es gebe also eine Gegenbewegung, sich so anzunehmen, wie man sei - "dass man sich ungeschminkt zeigt". Gerade bei kleineren Profilen sehe es auch oftmals anders aus, erklärt Martina Schuegraf: "Die Vielfalt ist viel größer, weil auch queere Ansätze Platz finden und die Themen politischer sind." Die Profile würden versuchen, eine größere gesellschaftspolitische Reichweite zu entwickeln.

Dialog mit eigenen Kindern über das Thema

Die MaLisa-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Normierung entstehe, in der die Selbstinszenierung der Mädchen aber auch der Profis immer gleichförmiger werde und Vielfalt verloren gehe. Make-up und Mode an sich sind kein Problem und auch Identifikationsfiguren für Jungen und Mädchen sind wichtig. Gerade deshalb sollte das Angebot nicht zu einseitig sein. Martina Schuegraf empfiehlt daher, sich mit den eigenen Kindern zusammenzusetzen und zu schauen: Welche Accounts mit welchen Themen gibt es sonst noch in der Welt von Instagram, YouTube und Co, die interessant sein könnten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 14.01.2020 | 06:55 Uhr