Fritz Hollenbeck als Schustergeselle Matten in "Meister Anecker" am Ohnsorg-Theater in Hamburg. © picture alliance / United Archives | United Archives / kpa

Ohnsorg-Schauspieler Fritz Hollenbeck mit 91 gestorben

Stand: 08.06.2021 14:20 Uhr

Er war einer der beliebtesten Schauspieler am Hamburger Ohnsorg-Theater, aber auch mit hochdeutschen Rollen in Film und Fernsehen wurde er einem großen Publikum bekannt. Wie jetzt bekannt wurde, starb der gebürtige Mecklenburger bereits am 2. Juni im Alter von 91 Jahren.

Fritz Hollenbeck als Schustergeselle Matten in "Meister Anecker" am Ohnsorg-Theater in Hamburg. © picture alliance / United Archives | United Archives / kpa
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von Rainer Schobeß

Das Ohnsorg-Theater schreibt auf seiner Homepage: "Er war ein waschechter Volksschauspieler, der alle Facetten der Schauspielkunst virtuos beherrschte und der zweifelsohne zu den Ohnsorg-Legenden gezählt werden darf. Wir trauern gemeinsam mit seiner Familie und werden Fritz Hollenbeck stets ein Andenken bewahren".

Fritz Hollenbeck wurde 1929 in Lübz geboren, als Sohn einer Kaufmannsfamilie. Und hier hat er auch seine erste Lektion gelernt, gleich nach der Einschulung: "Ich hatte mich gleich in meine Mitschülerin verliebt, in Anneliese Meyer", erzählte er in einem Interview. "Und ich bat meine Tante, einen Liebesbrief an sie zu befördern. Aber dann hörte ich, wie sie den Brief stattdessen beim Kaffeekränzchen vorlas. Das war eine der ersten großen Enttäuschungen in meinem Leben. Und so lernte ich schon als Sechs- oder Siebenjähriger die Menschen kennen."

Berufswunsch Schauspieler bereits mit zehn Jahren

Schon mit zehn Jahren - die Familie war mittlerweile nach Güstrow umgezogen - wollte Hollenbeck Schauspieler werden. Da wiederum war sein Vater skeptisch. Doch der Junge ließ sich nicht beirren. "Mit zwölf, 13 Jahren habe ich schon auf der Bühne gestanden", erinnerte sich Hollenbeck. "Wir machten so Elternabende damals. Und da war ich der große Star. Ich habe Tarnow vorgetragen. Und da kam mein Vater eines Tages zu mir und rief mich ins Wohnzimmer, ganz offiziell. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Er bat mich, Platz zu nehmen und sagte: 'Du kannst Schauspieler werden'."

Fritz Hollenbecks Erfolg als Schauspieler in der DDR

Er ist es geworden: Mit 17 erhielt Hollenbeck Unterricht in Schwerin, hier bekam er auch sein erstes Engagement. Weitere Stationen: Parchim, Staßfurt und Erfurt. Dann wurde er 1956 von Bertolt Brecht zum Berliner Ensemble geholt und war fortan bei allen wichtigen Inszenierungen dabei. Hollenbeck wurde als Schauspieler gefeiert in der DDR - doch dann kam der Bruch. Während des Mauerbaus war er mit seiner Frau bei einem Privatbesuch in Hamburg. Die beiden kehrten nicht zurück. Eingemauert wollten sie nicht leben. 

Neuanfang in Hamburg: Harte Anfangsjahre, späterer Erfolg

"Ich konnte es mir leisten, in der DDR in Maßanzügen zu gehen", erzählte Hollenbeck im Interview. "Und in Hamburg kam nun die bitterste Zeit. Wir haben uns in zehn Jahren langsam wieder hochgearbeitet. Ich stand anfangs bei Karstadt und verkaufte Hüte, später Teppiche."

Zwar erhielt er einige Gastrollen in Hamburg, eine feste Stelle aber bekam Hollenbeck erst vier Jahre später in Ulm. 1972 ging er nach Hamburg zurück - zum Ohnsorg-Theater, wo er einer der beliebtesten Schauspieler wurde. Als "Onkel Bräsig" ist er auch beim Fernsehen aufgetreten, in der NDR Serie, die seit 1977 zu sehen war. 

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Dieses Thema im Programm:

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