Fünf Frauen stehen vor einem Kircheneingang und halten ein Banner mit der Aufschrift "Gleiche Würde - gleiche Rechte". © NDR Foto: Anina Pommerenke

Frauen von "Maria 2.0" fordern Kirchenreform - auch im Norden

Stand: 22.02.2021 09:10 Uhr

"Maria 2.0" ist eine Reformbewegung von Frauen aus der katholischen Kirche. Am Wochenende hat die Initiative mit einem bundesweiten Aktionstag auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht - auch im Norden.

Thesenpapier der Initiative Maria 2.0 an der geöffnetenTür des Hamburger Mariendoms © NDR Foto: Anina Pommerenke
Beitrag anhören 4 Min

von Anina Pommerenke

Während im Hamburger Marien-Dom im Stadtteil Sankt Georg das Hochamt läuft, versammelt sich vor der Tür eine Handvoll Frauen. Ihnen geht es um Gleichberechtigung in der katholischen Kirche, Aufklärung von Gewaltverbrechen und Reform von Strukturen. Deswegen kleben sie Zettel mit pinkfarbener Schrift an die Kirchentür. Darauf stehen ihre auf sieben Thesen komprimierten Forderungen.

"Es bewegt sich nicht vorwärts!"

Thesenpapier der Initiative Maria 2.0 an der geöffnetenTür des Hamburger Mariendoms © NDR Foto: Anina Pommerenke
Thesenpapier der Initiative "Maria 2.0" an der Tür des Marien-Doms in Hamburg.

"Wir wollen diese Kirche retten, wir wollen sie nicht spalten! Uns ist das ganz, ganz wichtig, uns ist das ein Herzensanliegen. Wir wollen, dass sich etwas in der Kirche ändert!", betont Brigitte Jaschke von "Maria 2.0" Hamburg. Wie viele Frauen in der katholischen Kirche ist sie sauer. Weil sich seit Jahrzehnten nichts geändert hat. Die erste Forderung der Bewegung, die sie als These auf ihre Flugblätter geschrieben haben, lautet: In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Brigitte Jaschke erzählt: "Ich habe von Frauen gehört, die vor zwanzig oder dreißig Jahren Theologie studiert haben und denen man auch von Priestern gesagt hat: 'Bist du fertig bist - sagen wir mal spätestens im Jahre 2000 - werden auch Frauen zu Priesterinnen geweiht.' Was ist in diesen zwanzig Jahren passiert? Nichts! Es bewegt sich nicht vorwärts."

Bisher kein persönlicher Gesprächstermin beim Bischof

Weitere Forderungen lauten: Gewaltverbrechen aufzuklären und strukturelle Ursachen zu bekämpfen, Anerkennung aller Formen von Sexualität und Partnerschaften, Abschaffung des Zölibats. Aber auch nachhaltiges wirtschaftliches Handeln gehört dazu. Die Aktion läuft im gesamten Bundesgebiet. Allein in Hamburg und Schleswig-Holstein wurden die Thesen an über zwanzig Kirchen "geschlagen". Das mache deutlich, dass "Maria 2.0" keinesfalls eine Randbewegung sei, sagt Jaschke. Auch wenn sie bisher vom Klerus ignoriert werde: "Wir hier in Hamburg bei 'Maria 2.0' haben schon mehrfach beim Bischof einen Gesprächstermin ersucht - seit 2019! Wir haben bis heute keinen Gesprächstermin bekommen, weil der Bischof leider keine Zeit hat."

Um in den Austausch zu treten, bleiben die Frauen noch bis zum Ende des Gottesdienstes vor Ort, verteilen Flugblätter und sprechen Mitglieder der Gemeinde an. Viele bleiben stehen und lesen aufmerksam in der Sonne vor der roten Backsteinkirche die sieben Thesen durch. Die meisten Reaktionen fallen positiv aus: "Ich finde das schon schon nötig", sagt eine Frau, "und ich war eben auch ein bisschen überrascht, dass es so eine Bewegung gibt. Ich wusste es nicht. Ich finde, da muss sich auf jeden Fall etwas tun und ich würde mich freuen, wenn das ein kleiner Meilenstein würde, in die Richtung, die ich schon längere Zeit ersehne."

Man möchte gehört und ernst genommen werden

"Maria 2.0"-Aktivistin und Theologin Eva-Maria Schmitz findet, dass der Klerus es sich nicht mehr leisten könne, den Wunsch nach Reformen zu ignorieren: "Ich glaube, die schlimmste Konsequenz für die Kirche wäre, dass sie schrumpft. Und zwar nicht sich gesundschrumpft, sondern zu einer kleinen Sekte verkommt. Wir sehen es gerade in Köln, da gibt es so viele Kirchenaustritte. Da haben die extra noch Online-Angebote gemacht, und der Server ist zusammengebrochen."

Die Forderungen der Aktivistinnen sind also klar: Man möchte gehört und ernst genommen werden. Und man erwartet, dass sich die Verantwortlichen in der Katholischen Kirche ernsthaft mit Reformen auseinandersetzen und Taten folgen lassen. Mit der symbolträchtigen Aktion sendet "Maria 2.0" ein deutliches Signal in Richtung Vollversammlung der Deutschen Bischöfe, die diese Woche stattfindet. Ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz kommentierte die Aktion: Er verstehe die Unruhe, die viele Gläubige verspürten. Aber man könne die Kirche nicht von heute auf morgen ändern, sondern müsse das in einem guten und von Vertrauen geprägten Dialog tun.

Weitere Informationen
Vornehmlich Frauen stehen am 19. Januar 1919 für die Wahl der Deutschen Nationalversammlung in einer Schlange vor einem Wahllokal. © AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung/dpa

Wie Frauen sich ihr Wahlrecht erkämpft haben

Ein historischer Schritt in Richtung Gleichberechtigung: Am 12. November 1918 erfüllt sich eine zentrale Forderung der deutschen Frauenbewegung - das freie Wahlrecht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.02.2021 | 12:20 Uhr