Stand: 21.05.2018 10:16 Uhr

"Frankenstein" als Grusel-Oper auf Kampnagel

Mit Jubel und Applaus hat das Hamburger Publikum die Uraufführung der Grusel-Oper "Frankenstein" gefeiert. Das Stück des Komponisten Jan Dvorak ist eine Produktion der Hamburgischen Staatsoper in der Kulturfabrik Kampnagel. Regie führte der bekannte Filmemacher Philipp Stölzl ("Der Medicus"). Der Abend im Rahmen des Internationalen Musikfestes ist die musikalische Adaption eines Baseler Bühnenstücks und wurde trotz einiger Längen zum Erfolg. Ein Premierenbericht.

von Daniel Kaiser

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Der Star des Abends: Frankenstein als zweieinhalb Meter große Puppe.

"Viiiiiktor!" Wenn das Monster den Namen seines Erbauers ächzt, geht das durch Mark und Bein. Die aus Körperteilen und Metallgelenken zusammengeschraubte Kreatur ist eine zweieinhalb Meter große Puppe mit gruseligem Totenkopfgesicht. Kein Wunder, dass es von Bauern mit Mistgabeln und von Priestern mit Kruzifixen gejagt wird.

"Es lebt!"

Keine Frage, das Monster ist der Star des Abends. Gleich drei schwarz gekleidete Puppenspieler (sensationell: Christian Pfütze, Claudia Six und Zora Fröhlich) führen die gigantische Figur, und ihnen gelingt, dass man schnell nicht mehr auf sie achtet, sondern von den flüssigen, detaillierten Bewegungen des Monsters hingerissen ist.

Die Schauspielerin Catrin Striebeck steht auf einer Empore am Bühnenrand und leiht dem Monster ihre Stimme, synchronisiert das Geschehen. Das Ding lebt. Es stürzt sich auf einen Baum und reißt mit seinen Zähnen die Rinde vom Stamm und attackiert Dorfbewohner. Man sitzt mit offenem Mund im Publikum. Es ist wie die Augsburger Puppenkiste - nur für Erwachsene!

Puppenspieler Christian Pfütze mit der menschengroßen  Frankenstein-Puppe.

Gruselklassiker "Frankenstein" auf der Opernbühne

Hamburg Journal -

Zum 200. Geburtstag der Schauergeschichte erwacht das berühmte Monster zu neuem Leben: Regisseur Philipp Stölzl inszeniert "Frankenstein" auf Kampnagel als Oper.

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Mitleid mit dem Monster

Das Monster weiß nicht, wo es herkommt. Und nur weil es von den Menschen wegen seines Äußeren gehasst wird, schlägt es zurück und nimmt Rache. Regisseur Philipp Stölzl findet packende Bilder von tödlichen Kämpfen in Zeitlupe und der Monsterbau-Werkstatt in abgelegenen Landschaften.

Das Ganze spielt hinter einem Zaun wie in einer Käfig-Arena. Das Publikum sitzt rundherum und verfolgt, wie das Monster gefühlvoll herzzerreißend fragt, warum es, wenn jeder Mensch und jedes Tier einen Partner findet, es selbst allein bleiben muss. Wer ist hier eigentlich das wirkliche Monster? Die Kreatur, sein Schöpfer oder die gewalttätige Bevölkerung?

Psychologische Musiklandschaften

Eine Oper im herkömmlichen Sinne mit Arien, Duetten und Ohrwürmern ist das Stück eigentlich nicht. Komponist Jan Dvorak hat sich mit seiner Musik stark an der Satzmelodie beim Sprechen orientiert - immer nah am Text. Es war ein ständiges Parlando. Dadurch wirkt die Musik meistens wie ein bescheidener Begleiter, der Abend hat oft eher den Charakter eines Melodrams als einer Oper.

Portrait

Wie klingt Frankensteins Monster?

20.05.2018 18:00 Uhr
Kampnagel

Der Hamburger Jan Dvorak bringt Frankenstein zur Kampnagel-Fabrik. Ein Porträt des Künstlers, der die Musik für die Gothic Opera komponiert hat. mehr

Dvorak ist es mit effektvollen Klängen gelungen, musikalische Landschaften zu erzeugen, die nicht einfach die Handlung illustrieren, sondern das Geschehen in einen psychologischen Zusammenhang stellen. Mit wenigen Handgriffen im Dunkeln wird aus der Bühne (Heike Vollmer und Philipp Stölzl) mal ein Friedhof mit Grabsteinen der Familie Frankenstein oder mal mithilfe weißer Laken und Nebelmaschinen eine unwirtliche Winterlandschaft.

Dramatik friert ein

Victor Frankenstein (Viktor Rud) jagt sein Monster über Eisschollen bis zum Nordpol. Unterwegs trifft er auf einem Schiff einen Forscher (Alin Anca), und da beginnt dann plötzlich noch einmal ein ganz neuer philosophischer Exkurs über den Fortschritt und dessen Grenzen. In der Eismeer-Odyssee geht die Hitze der Dramaturgie allerdings verloren. Das war dann auf den letzten Metern doch noch ein bisschen viel für einen Abend gewollt.

Am Ende aber gab es viel Applaus und Jubel für ein sinnliches, buntes, gefühlvolles und herrlich monströses Musikereignis.

Boris Karloff als "Frankenstein". © picture-alliance /akg-images

Zum Nachhören

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Der Hamburger Komponist Jan Dvorak bringt Frankenstein zur Kampnagel-Fabrik.

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"Frankenstein" als Grusel-Oper auf Kampnagel

Eines der weltbekannten Gruselstücke hat auf Kampnagel am Sonntag Weltpremiere als Gothic Opera gefeiert: "Frankenstein". Für das herrlich monströse Musikereignis gab es viel Applaus.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Kampnagel
Jarrestraße 20
22303   Hamburg
Preis:
Tickets ab 25 bis 61 Euro
Kartenverkauf:
Kartentelefon: (040) 270 949-49
tickets[at]kampnagel.de
Hinweis:
Philipp Stölzl und Jan Dvorak: "Frankenstein"
in Kooperation mit der Staatsoper Hamburg, der Elbphilharmonie Hamburg und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
im Rahmen des Musikfests Hamburg

Puppenbauer: Marius Kob
Musikalische Leitung: Johannes Harneit
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.05.2018 | 08:00 Uhr

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