Stand: 13.03.2018 08:12 Uhr

Foyerkonzert: Stradivari Quartett in Hannover

von Agnes Bührig

Stradivari - das ist nicht nur der Name eines hervorragenden Geigenbauers aus Italien, es ist seit 2007 auch der Titel eines erfolgreichen Streichquartetts aus der Schweiz, des Stradivari Quartetts. Zwei der Musiker spielen Instrumente des Italieners aus der Sammlung der Stiftung Habisreutinger. Gestern waren die vier Musiker zu Gast im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover, eingeladen von NDR Kultur im Rahmen der Reihe "Foyerkonzert on tour". Im Publikum saßen 120 Zuhörerinnen und Zuhörer, die Tickets für den Abend gewonnen hatten.

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Das Stradivari Quartett im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover.

Mozart machte den Anfang, das Allegro aus dem vorletzten Streichquartett, Nr. 22 in B-Dur. Selten gespielt und doch mit einer wunderbaren Tonsprache, sagt die Gründerin des Ensembles, Maja Weber und gibt auf die Frage nach der Persönlichkeit ihres Stradivari-Cellos einen unerwarteten Kommentar zu Instrumente des berühmten Italieners ab: "Am Anfang sind sie ein bisschen wie Biester, die man zähmen muss."

Vom Essstäbchen zur Stradivari

Xiaoming Wang, der erste Geiger, geboren in China, erzählt NDR-Kultur-Moderator Ludwig Hartmann eine andere Geschichte, die das Publikum zum Schmunzeln bringt. Seine Eltern, eine Krankenschwester und ein Hobbygeiger, hätten die Grundlagen für seine Berufswahl bereits in jungen Jahren gelegt, auf ungewöhnliche Weise: "Ich war vier Jahre alt, da habe ich zwei Essstäbchen bekommen, als Geige, zum Streichen." Vielleicht sei darum neben dem Musizieren das Essen sein Lebenselixier.

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Der Bratschist Lech Uszynski und die Cellestin Maja Weber.

Und das ist daraus geworden: Ein Kobold, der Schumann tanzt im zweiten Satz des Streichquartetts, Opus 41 in F-Dur, sagt sein Kollege Sebastian Bohren. Der hört in seiner Freizeit selbst gern schnelle Rhythmen, Techno zum Beispiel. Zuletzt machte der Schweizer vor allem als Solist auf sich aufmerksam. Ist es da nicht ein Problem, die zweite Geige zu spielen? Eigentlich überhaupt nicht, so Bohren, denn er wollte "gar nie Quartett spielen".

Qualität aus Belgien

Das machte Bohren dann aber doch, nachdem er von seinem Studienkollegen Lech Uszynski von einem freien Platz im Stradivari Ensemble erfahren hatte. Und schwärmt heute davon, dass er sich im Mittelklang neben dem Bratschisten sehr wohlfühlt. Auch, wenn dieser "nur" ein Instrument aus der Werkstatt von Hendrick Willems spielt, der auch der belgische Stradivari genannt wird. Dafür mit 44 Zentimetern Corpuslänge ein großes Exemplar. Die Konkurrenz konnte er so beim Kauf ausschalten, sagt Lech Uszynski: "Im Concertgebouw Amsterdam hat das dem Orchester gehört und ich nehme mal an, es war einfach dem nächsten Solo-Bratschisten zu groß."

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Ludwig Hartmann von NDR Kultur entlockt den Musikern Anekdoten zu ihren Instrumenten.

Ein unterhaltsames Gespräch über Musik und teure Streichinstrumente, Ausschnitte aus unterschiedlichen und zum Teil selten gespielten Streichquartetten und ein renommiertes Quartett in nächster Nähe machten den Reiz dieses NDR Kultur Foyerkonzerts aus. Und auch das Publikum war begeistert. Eine Zuhörerin: "Es war einfach klasse und auch ganz entspannt - wir gehen mit einem breiten Grinsen nach Hause." 

Nachhören können Sie das Konzert am Ostersonntag (1. April) ab 18 Uhr auf NDR Kultur.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.03.2018 | 07:40 Uhr

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