Ein Plakat mit der Aufschrift "Wir spielen weiter" trennt die Baustelle von der Straße. © NDR Foto: Hauke Bülow

Figurentheater: Einzigartige Kulturinstitution entsteht in Lübeck

Stand: 22.03.2021 17:07 Uhr

Passend zum Internationalen Tag des Puppenspiels am vergangenen Sonntag haben sich das Lübecker Theaterfigurenmuseum und das Gastspielhaus Figurentheater Lübeck zusammengeschlossen.

von Linda Ebener

In historischen Backsteingemäuern mitten in der Lübecker Altstadt befindet sich ein Kulturschatz. In der Straße Kolk 17 wird die Welt des Figurenspiels lebendig. Dort befinden sich das Theaterfigurenmuseum und das Figurentheater. Diese zwei voneinander getrennten Institutionen haben viele Gemeinsamkeiten, gehörten aber nicht zusammen - bis jetzt.

Figurentheater, Forschung und Ausstellung an einem Ort

Seit Sonntag haben sie sich zu der neuen Institution Kolk 17 zusammengeschlossen, die nach der Straße und Hausnummer benannt wurde. Sie verbindet Figurentheater, Forschung und Ausstellung auf spielerische Art und Weise. Theaterleiter Stephan Schlafke freut sich darüber: "Das zentrale Ziel ist, dass wir Energie bündeln, um gemeinsam an dem Thema Figurentheater zu arbeiten. Denn es war für viele Menschen nicht klar ersichtlich, warum es eigentlich zwei Institutionen in der gleichen Gasse gibt und jeder für sich einzeln gearbeitet hat."

Weitere Informationen
Zwei Bauarbeiter tragen Steine einer Hauswand ab. © NDR Foto: Hauke Bülow

Abriss per Hand - Lübecker Figurentheater wird saniert

Ende 2023 will das Figurentheater inklusive Museum wieder öffnen. Aktuell wird es umfassend und aufwendig saniert. mehr

Geplant sind im Theater Inszenierungen für Kinder, Familien und Erwachsene, immer verbunden mit Ausstellungen zu aktuellen Themen und Fragestellungen im Museum. "Wir nutzen die Synergien, die daraus entstehen, dass unterschiedliche Sichtweisen aufeinander treffen, also die Forscher mit den Spielern", so Schlafke. "Man kann für die Ausstellungsgestaltung einen unheimlichen Vorteil gewinnen. So können wir als Puppenspieler bei neuen Produktionen gucken, was wir eigentlich in der Sammlung an Exponaten haben. Das ist einfach toll für die heutige Arbeit im Theater."

Museum und Theater: Ein Geben und Nehmen

Die einzigartige Sammlung des Theaterfigurenmuseums enthält circa 20.000 Figuren, Requisiten, Kulissen und Plakate sowie Musikinstrumente aus Asien, Afrika und Europa. Damit gehört es international zu den wenigen Museen, das sich monothematisch mit Figurentheater beschäftigt. Durch die Zusammenarbeit wird es eine runde Sache, sagt Museumsdirektorin Antonia Napp: "Bei dem Zusammenschluss ist mir am wichtigsten, dass wir die Perspektive der Puppenspieler und Puppenspielerinnen mit in unsere Arbeit aufnehmen. Das muss Praxisbezug haben."

Es ist ein Geben und Nehmen, denn bereits vor diesem Zusammenschluss haben Museum und Theater immer mal wieder zusammengearbeitet - jetzt sind die Institutionen noch näher zusammengerückt. "Theaterarbeit ist ganz stark von der Dramaturgie geprägt: Wie legt man Szenen an, wie ist der Rhythmus des Ganzen, wie folgen die Szenen aufeinander? Dieses dramaturgische Denken kann man wirklich toll in die Ausstellungsarbeit übernehmen."

Eröffnung voraussichtlich erst 2023

So sieht es auch Theaterleiter Stephan Schlafke und schmiedet schon Pläne für die Zukunft. "Wir werden Gastspiele heranholen, wenn es bestimmte Themen und Ausstellungen gibt, wo es wichtig wäre, ein Spiel auch mal live erleben zu können. Genauso gibt es umgekehrt vielleicht thematische Einflüsse, die unser Spielplan auf die Museumsgestaltung hat."

Die Räume im Kolk werden voraussichtlich erst 2023 neu eröffnen. Bis dahin gibt es Gastspiele im Europäischen Hansemuseum und Kooperationsausstellungen mit anderen Museen in Lübeck.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 22.03.2021 | 10:20 Uhr