Stand: 13.01.2018 00:01 Uhr

Matrosenaufstand 1918: "Feuer aus den Kesseln"

von Jutta Przygoda

Der Kieler Matrosenaufstand war die Initialzündung für die revolutionäre Bewegung, die im November 1918 in kürzester Zeit das Deutsche Reich ergriff - und schließlich zum Sturz der Monarchie führte. Er gehört zu den Schlüsselereignissen der deutschen Geschichte. Ein Rechercheprojekt zum 100-jährigen Gedenken an diesen Aufstand der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober in Wilhelmshaven, bei der die Heizer die Heizkessel löschten und die Matrosen Befehle verweigerten, ist nun als Theaterstück von Michael Uhl nach Ernst Toller am Theater Wilhelmshaven zu sehen. Das Stück, das auf der Grundlage des Wortführers der Meuterei, Hans Becker, basiert, hat Michael Uhl nach einem Drama von Ernst Toller adaptiert.

"Feuer aus den Kesseln": Mutiger Matrosenaufstand

Auf den Großkampfschiffen "Helgoland" und "Thüringen" rumort es. Der 1. Weltkrieg ist für Deutschland längst nicht mehr zu gewinnen. Dennoch will sich die kaiserliche Marine nicht kampflos geschlagen geben. Ende Oktober 1918 gibt es den Befehl, zu einem Einsatz gegen die britische Flotte auszulaufen - doch die Matrosen auf den Schiffen weigern sich. Diese Meuterei leitet die Revolution ein. Kurze Zeit später solidarisieren sich Arbeiter und Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel. Es soll endlich Frieden sein und der Kaiser muss weg.

Revolution aus der Sicht der Matrosen

Der 1893 geborene Schriftsteller Ernst Toller hatte vor 100 Jahren einen Theaterabend zur Revolution aus der Sicht der Matrosen geschrieben - Regisseur Michael Uhl fügt nun an der Landesbühne Nord den historischen Kontext in der Gegenwart hinzu, indem er das Stück um mehrere Szenen ergänzt. Uhl hat sich die Frage gestellt: Was bedeutete "kaiserliche Marine" vor Kriegsbeginn? Es war der renommierteste Job, der Lieblingsstreitkraft des Kaisers, der Marine, anzugehören.

Aus kaisertreuen Matrosen werden rebellierende Kämpfer

Aber wie werden aus einst kaisertreuen Matrosen rebellierende Kämpfer? Das Stück zeigt zunächst den Aufbau der Stadt Wilhelmshaven als preußischer Kriegshafen, dann den Bau der Flotte bis zum Beginn des 1. Weltkriegs. Aber während an allen Fronten die Soldaten verbluten, liegt die kaiserliche Kriegsflotte unter der Blockade der Briten größtenteils im Hafen fest. So spannt Regisseur Uhl den Bogen im ersten Teil des Stückes. Aber warum sagen dann irgendwann nach zwei, drei Jahren die Heizer: "So, wir haben die Schnauze voll, es geht nicht mehr"? Es kommt jedenfalls zur Verweigerung und, in der Folge, zu drakonischen Strafen - und das ist das Kernstück von Toller.

Der entscheidende Satz war "Feuer aus den Kesseln"

Bei der Recherche zur Geschichte vor 100 Jahren wurden Regisseur Uhl und Dramaturgin Lea Redlich vom Deutschen Marinemuseum unterstützt. Hier gibt es Tagebücher, die den Dienst auf den Kampfschiffen genau beschreiben - so auch, aus welcher Motivation heraus der harte Drill erfolgt ist und wie das Denken der Offiziere funktioniert hat.

Die Zuschauer des Stückes sollen den Alltag und die Hierarchie zwischen Offizieren und Mannschaft hautnah erleben. Zum Beispiel das Bunkern von Steinkohle von Hand mit der Schippe. Anfangs wurden für Schnelligkeit noch Prämien pro Mann gezahlt, wenn ein Schiff schneller "bekohlt" war als das andere. "Feuer aus den Kesseln" ist am Ende der entscheidende Satz, der von ganz unten aus der Mannschaft kommt - und wenn diese Matrosen nicht mehr wollen, wenn sie sich nach viereinhalb Jahren sinnlosem Krieg und Hunger weigern, Befehle zu befolgen, dann bewegt sich auf einem Marineschiff nichts mehr. In Wilhelmshaven war das der Anfang zur Revolution.

Matrosen aus Novembersturm proben.

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Mit ihm begann die Revolution und endete die Monarchie: 2018 jährt sich der Kieler Matrosenaufstand zum 100. Mal. Im Doku-Drama "Novembersturm" wird die Geschichte lebendig.

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Matrosenaufstand 1918: "Feuer aus den Kesseln"

Das Stück "Feuer aus den Kesseln" an der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven zeigt, wie der Matrosenaufstand von 1918 zur Weimarer Republik führte.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Landesbühne Nord
Virchowstraße 44
26382  Wilhelmshaven
Telefon:
(04421) 94 01 15
E-Mail:
service.center@landesbuehne-nord.de
Preis:
von 26,90 (erm. 21,50 und 13,45 Euro) bis 14,10 (erm. 11,30 bzw. 7,05) Euro
Öffnungszeiten:
Mo - Fr 9 bis 18 Uhr
Sa 11 bis 13 Uhr
Kartenverkauf:
für Aufführungen an anderen Orten siehe http://landesbuehne-nord.de
Besonderheit:
Premiere am 13. Januar, weitere Aufführungen in Emden, Norden, Leer, Aurich, Jever und Hameln
Hinweis:
Feuer aus den Kesseln - Ein Theaterabend zur Revolution 1918
Regie: Michel Uhl, nach Ernst Toller
Bühne und Kostüme: Thomas Rump
Dramaturgie: Lea Redlich
Ensemble: Simon Ahlborn, Philipp buder, Sven Heiß, Ben Knop, Julius Ohlemann, Jördis Wölk
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 13.01.2018 | 14:55 Uhr

Hintergründe

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