Stand: 10.05.2019 12:32 Uhr

Akin-Produzentin: "Cannes ist größtes Filmfest"

In der kommenden Woche beginnt das 72. Filmfestival in Cannes. Brad Pitt wird erwartet, Penélope Cruz, Jim Jarmusch, Quentin Tarantino - die Gästeliste ist lang. Auch Nurhan Sekerci-Porst wird dort sein, seit 2005 Produzentin und Geschäftsführerin von Bombero International, der Produktionsfirma von Fatih Akin. Sie hat zuletzt den "Goldenen Handschuh" produziert, davor unter anderem das NSU-Drama "Aus dem Nichts".

Frau Sekerci-Porst, Sie sind in diesem Jahr in die Jury der Reihe "Un certain regard" berufen worden, d.h. Sie werden nicht über die Vergabe der Palmen mit entscheiden. Was zeichnet die Reihe "Un certain regard" aus?

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Nurhan Sekerci-Porst freut sich besonders auf den Zombie-Film "The Dead Don't Die" von Jim Jarmusch.

Nurhan Sekerci-Porst: Übersetzt bedeutet das: "der besondere Blick". Diese Sektion gibt es seit den 80er-Jahren und sie wurde damals ins Leben gerufen, um etwas außergewöhnlichere Filme zu unterstützen und zu fördern.

Als Ihre Berufung bekannt wurde, haben Sie gesagt, Sie finden das sehr aufregend. Wissen Sie schon, was inhaltlich auf Sie zukommt?

Sekerci-Porst: Ich kenne die Anzahl der Filme und weiß, dass es eine ganz gute Mischung ist. Ich möchte das ganz entspannt angehen, die Filme auf mich wirken lassen und dann in der Jury diskutieren, was man gut und was man weniger gelungen findet.

Große Namen beim 72. Filmfest in Cannes

Was für ein Festival ist Cannes für Sie? Hat das für Sie immer noch eine ganz große Strahlkraft?

Sekerci-Porst: Das eine ist die Strahlkraft, dieser Glamour-Faktor, den es auf anderen Filmfestivals nicht gibt. Es hat auch einen Grund, warum dort jedes Jahr so viele internationale Stars aufschlagen und dem Festival damit auch einen Wert mitgeben. Auch inhaltlich ist es das interessanteste Filmfestival, weil es sehr politisch ist. Was die Anzahl der Filme angeht, ist und bleibt es das größte Filmfestival, was wir in unserer Filmbranche haben.

Gibt es einen Film, der für Sie im Vorfeld schon besonders spannend klingt oder auf den Sie sich besonders freuen?

Sekerci-Porst: Ich bin echt gespannt auf diesen Zombie-Film von Jim Jarmusch. "The Dead Don't Die" eröffnet am Dienstag, und da machen sehr viele bekannte Schauspieler mit. Ich finde es ungewöhnlich, dass Jim Jarmusch einen Zombie-Film macht und darauf bin ich sehr gespannt. Ich finde es auch sehr mutig von Thierry Frémaux, den Film als Eröffnungsfilm auserwählt zu haben - cool!

Thierry Fremont hat bei der Vorstellung des Programms auch verkündet, das Cannes insgesamt weiblicher werden will. Es sind immerhin fünf Frauen im Wettbewerb. Ist das aus ihrer Sicht wirklich ein Signal? Ist Cannes in diesem Jahr wirklich weiblicher?

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Sekerci-Porst: Es ist ausgewogener als sonst, und ich finde es wichtig, dass man das Augenmerk darauf konzentriert, dass das einigermaßen ausgewogen ist. Der Film - der Inhalt und die Umsetzung - muss natürlich auch für sich sprechen. Es wäre total doof, wenn man in Zukunft sagt: "Es muss immer 50/50 sein." Das ist schon ein Akt, das so hinzubekommen, dass es hier nicht nur um Gender geht, sondern auch um die Kunst an sich. Es ist schwierig.

Nurhan Sekerci-Porst © picture alliance/dpa

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In der kommenden Woche beginnt das 72. Filmfestival in Cannes. Die Hamburger Produzentin Nurhan Sekerci-Porst ist in die Jury der Reihe "Un certain regard" berufen worden.

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Welche Erfahrungen machen Sie als Produzentin? Suchen Sie zum Beispiel auch gezielt nach Regisseurinnen?

Sekerci-Porst: Die Produktionsfirma, die wir seit 2012 zusammen führen, produziert bisher nur Fatih Akins Filme. Wir wollen das aber für die Zukunft ändern und gucken uns in der Branche nach weiblichen Regisseurinnen oder nach weiblichen Stoffen mit Hauptdarstellerinnen um. Aber das steht alles noch etwas in den Sternen. Da sind wir noch nicht soweit, dass wir das jetzt kommunizieren können. Als Frau in der Filmbranche habe ich bisher keine Probleme gesehen, außer dass es weniger weibliche Produzenten gibt als männliche. Das ist leider so. Ich denke aber, dass sich das gerade sehr wandelt.

Das zweite große Thema - zumindest im Vorfeld von Cannes - war Netflix: Auch in diesem Jahr werden dort keine Filme des Streamingdienstes zu sehen sein; offensichtlich kann man sich das noch leisten. Wird oder muss sich das ändern?

Sekerci-Porst: Ob sich das ändern muss, kann ich noch nicht absehen. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Man sollte versuchen, das so lange wie möglich auszusitzen oder zu vermeiden. Das wird sich in Zukunft ändern, aber auch das Kino wird sich vom Inhalt her ändern müssen. Wir Produzenten sind da natürlich auch gefragt: Welche Inhalte wollen wir erzählen, welche Geschichten? Was bringt die Leute überhaupt noch dazu, ins Kino zu gehen? Denn die Streamingdienste haben es einfacher: Die Leute haben ihre Abonnements, setzen sich abends vor den Fernseher, müssen nicht raus, können jederzeit aufstehen und das Streamen unterbrechen. Das hat natürlich Vorteile für den Konsumenten. Ich habe auch ein Netflix-Abo und gucke selber gerne Netflix. Aaber ich gehe viel lieber ins Kino, weil das ein anderes, viel konzentrierteres Gucken ist.

Das Interview führte Katja Weise

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NDR Kultur | Journal | 09.05.2019 | 19:00 Uhr

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