Stand: 04.08.2017 16:14 Uhr

Facebook kämpft gegen Falschmeldungen

In der Vergangenheit wurde Facebook vorgeworfen, mit seinem Newsfeeds zur Verbreitung von Falschmeldungen beizutragen. Gefälschte Informationen werden aufgrund ihres oft skandalösen Inhalts von den Facebook-Usern häufig und schnell geteilt. Der Facebook-Algorithmus bemerkt dies, erkennt die Meldung als wichtig und zeigt sie immer mehr Usern an. Eine Kettenreaktion entsteht. Richtigstellungen hingegen gehen häufig unter.

Bisher konnten User falsche Nachrichten bei Facebook melden. Jetzt wird Nutzern auch angezeigt, wenn Meldungen als falsch erkannt wurden. Fiete Stegers ist NDR Netzexperte und erklärt im Gespräch die Hingründe zum Facebook Faktencheck.

Warum ist dies überhaupt notwendig?

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Fiete Stegers ist NDR Netzexperte und arbeitet auch für die ARD Faktenfinder.

Fiete Stegers: Facebook spielt mittlerweile eine ganz große Rolle, wenn es darum geht, wie Nachrichten, Gerüchte oder eben Falschmeldungen sich verbreiten. Da gab es entsprechende Studien nach der letzten Wahl in den USA. Auch wenn letzlich ungeklärt ist, inwieweit sich Nutzer letzlich davon beeinflussen lassen, so zeigt doch alleine die Zahl der Reaktionen und die Kritk darauf, dass da etwas getan werden muss. Und jetzt tut sich eben auch langsam bei uns in Deutschland was.

Wie funktioniert dieser Faktencheck? Wie werden Falschmeldungen gefunden?

Stegers: Als Nutzer habe ich schon lange Zeit die Möglichkeit, wenn ich in meinem Newsfeed einen Beitrag sehe, der womöglich falsch ist, dann kann ich das melden, indem ich mit der rechten Maustaste daraufklicke. Dann wird das bei Facebook auf einer schwarzen Liste geführt und an verschiedene Faktencheck-Organisationen weitergegeben, die das dann überprüfen können. So zumindest die Theorie. Bisher gibt es allerdings erst ein einziges Journalistenbüro, das diese Faktenchecks vornimmt und dann ihr Ergebnis entsprechend publizieren kann. Und das wird dann auch auf Facebook angezeigt.

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Stegers: Sobald ein Faktencheck zu einer Meldung existiert, bekommen alle Nutzer, die den Link zur Falschmeldung angezeigt bekommen, darunter noch mehr Posts zum Thema ausgespielt und sehen dann gleich, dass Faktenchecker diese Nachricht überprüft haben und dass diese womöglich zu einem anderen Ergebnis gekommen sind. Das ist noch nicht die scharfe Lösung, die Facebook ursprünglich vorhatte, nämlich richtig große Warnhinweise zu machen.

Was ändert sich für die Nutzer?

Stegers: Der Nutzer kann weiterhin nach Lust und Laune Falschmeldungen einstellen und weiterverbreiten. Er wird dafür auch nicht bestraft. Man hat jetzt aber die Gewissheit, dass jemand die Inhalte, die ich melde, auch überprüft.

Sie arbeiten auch bei den ARD Faktenfindern. Für wie effektiv halten Sie den neuen Faktencheck?

Stegers: Ich glaube, das ist auf jeden Fall auch ein Schritt in die richtige Richtung. Inwieweit sich die Leute, die diese Nachrichten nur zu gerne glauben wollen, dann tatsächlich davon abhalten lassen, das ist eine andere Frage. Häufig zählt die Wahrheit ja gar nicht, sondern sie wollen sich in ihrem Weltbild bestätigt sehen und verbreiten dann gerne etwas weiter, wo ihnen eine effekthascherische Überschrift suggeriert, dass dies etwas ist, was sie schon immer mit ihrer Meinung über Frauen, Flüchtlinge, was auch immer gemeint haben.

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Dieses Thema im Programm:

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