Stand: 11.01.2018 17:34 Uhr

Emmanuel Tjeknavorian: Geiger mit Mission

von Christiane Irrgang

In Sachen Karriere läuft es für Emmanuel Tjeknavorian richtig gut: 2015 gewann der junge Geiger beim Sibelius-Wettbewerb gleich zwei Preise; in der Saison 2017/2018 gastiert er als "Rising Star" in den besten Konzertsälen Europas; und gerade ist seine Debüt mit einer Auswahl von Sololiteratur aus vier Jahrhunderten erschienen. Mit diesem Programm ist Tjeknavorian auch im Kleinen Saal der Elbphilharmonie zu erleben. NDR Kultur hat den Österreicher mit armenischen Wurzeln kennengelernt.

Er liebt Sachertorte und ist ein Fan von Real Madrid. Den ersten Geigenunterricht bekam er mit fünf, zwei Jahre später stand er bereits mit Orchester auf der Bühne. Und nun tritt er auch noch als "Klassik-Tjek" bei Radio Klassik Stephansdom in Wien auf - ein Wortspiel, das seinen Namen mit seinem Anspruch als Moderator verbindet: Emmanuel Tjeknavorian, gerade 22, ist ein Mann mit einer Mission - und das schon von Kind an: "Als ich in der ersten Klasse erfahren habe, dass meine Mitschüler überhaupt keine klassische Musik hören, da habe ich mir gedacht, wie kann ich das in den nächsten acht Jahren ändern. Und ich denke, man sollte Menschen, die klassische Musik überhaupt nicht hören, sehr behutsam zu der Musik bringen und ja nicht mit Daten und Fakten konfrontieren, sondern eher die emotionale Seite ansprechen."

Zum Beispiel mit dem Hochzeitstanz aus der Alpen-Suite von Christoph Ehrenfellner, einem Stück aus Tjeknavorians aktuellem Programm. Man hört es deutlich: Bei dieser Hochzeit werden auch ein paar Tränen vergossen. "Wenn man im Saal sitzt und ein zeitgenössisches Stück hört, das emotional nicht berührt", so Emmanuel Tjeknavorian, "dann bin ich auch als klassischer Musiker ein Stück weit enttäuscht."

Ein Konzertabend ausschließlich mit Solo-Violine?

Aber eine ganze CD, ein ganzer Konzertabend nur mit Werken für Violine solo - das will doch niemand hören! Gegen dieses Vorurteil hatte auch Emmanuel Tjeknavorian zu kämpfen: "Da war sehr viel Überzeugungsarbeit dahinter, und ich bin wahnsinnig glücklich und allen Veranstaltern dankbar, dass sie gemeint haben, gerade weil eben sehr viel das gängige Repertoire gespielt wird, interessiert es den einen oder anderen, einfach mal was anderes zu hören."

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Emmanuel Tjeknavorian will mit seinem Solo-Programm zeigen, was die Violine alles kann.

Und tatsächlich war nicht nur der Abend in der Elbphilharmonie (wie immer) schnell ausverkauft, sondern auch die Premiere in Wien. Vielleicht auch, weil das Publikum nicht nur ein abwechslungsreiches Programm zu hören, sondern auch etwas zu sehen bekommt: "Bei der letzten Rose ist es auch einfach für den Zuhörer so irritierend, weil man Zupfer hört und dann Arpeggien rauf und runter, und man denkt sich, ja, wo ist der zweite Geiger hier? Aber es ist nur ein Geiger. Und dann bei Enescu wird man zu einem Volksmusiker. Also, bei diesem Soloprogramm reizt es mich einfach zu zeigen, was die Violine alles kann."

Später Triumph

Und - in aller Bescheidenheit - was der Geiger alles kann. Ein später Triumph für den jungen Emmanuel, der heute dank eines privaten Gönners eine Stradivari spielt: "Ich hab als Kind immer von meinen Lehrern gehört, dass ich zwar musikalisch bin, dass ich aber viel an meiner Technik arbeiten muss, weil bei mir die Balance laut meinen Lehrern nicht gestimmt hat. Und ich finde das jetzt wirklich sehr witzig, dass darüber gesprochen wird, dass ich technisch gute Leistungen bringe."

"Musik ist zu 99 Prozent harte Arbeit und Technik und zu einem Prozent Inspiration, und die kommt vom Schöpfer", hat schon Vater Tjeknavorian gesagt, ein im Nahen Osten sehr berühmter Komponist und Dirigent. Emmanuel stimmt zu - und betet vor jedem Konzert zu seinem Schöpfer. In diesem speziellen Fall reicht das allerdings nicht: "Das ist ja eigentlich das Spannende daran. Dieses Programm spiele ich ja während der gesamten "Rising Star"-Tour, und jedes Mal, wenn die Konzerte kommen, merke ich einfach, dass ich das Programm neu üben muss. Ohne Auffrischen geht da überhaupt nichts."

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NDR Elbphilharmonie Orchester

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Das Flaggschiff der NDR Ensembles ist das Residenzorchester der Elbphilharmonie Hamburg. Festivalauftritte und Konzertreisen führen es auf die weiteren großen Bühnen der Welt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 12.01.2018 | 18:20 Uhr

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