Ein Dudeneintrag definiert die Worte Handelspartner und Handelspartnerin © imago images/MiS

Duden gendert seit 2021 alle 12.000 Berufsbezeichnungen

Stand: 13.05.2022 20:31 Uhr

Der Duden hat 2021 online alle 12.000 Berufsbeschreibungen im Zuge der geschlechtergerechten Sprache geändert. So bekommen Begriffe wie 'Lehrerin', 'Pfarrerin' und 'Anwältin' einen eigenen Eintrag und sind nicht mehr nur ein Verweis in der männlichen Form.

Mittlerweile begegnet sie uns tagtäglich: Die geschlechtergerechte Sprache. Manchmal ist da nicht mehr die Rede von Studenten, sondern von Studierenden, von Ärzten und Ärztinnen und ab und zu sogar von Patient*innen. Der Gedanke dahinter: Alle Geschlechter sichtbar oder eben hörbar machen und sich zu einer vielfältigen Gesellschaft bekennen. Das will auch der Duden.

Neben maskulinen Personenbezeichnungen gibt es auch weibliche

Im Online-Duden gibt es neben maskulinen Personenbezeichnungen wie Arzt oder Patient mit Bedeutungserklärungen jetzt auch feminine Einträge, die damit den Status als Anhängsel verlieren. Gleichzeitig wird konkretisiert: Ein Arzt etwa ist per Definition nicht mehr ein geschlechtsloser "jemand", sondern eine explizit männliche Person, eine Ärztin eine weibliche.

Gendergerechte Einträge im Duden

Mit solchen gendergerechten Einträgen wolle der Duden-Verlag die Kernbedeutungen der Wörter präzisieren, so Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Duden-Redaktion. Das generische Maskulinum könne weiterhin verwendet werden. Empfohlen werde es aber nicht. "Dadurch, dass inzwischen so häufig differenzierter gesprochen oder geschrieben wird, entsteht eine deutlich größere Unsicherheit beim generischen Maskulinum, weil viele jetzt häufig nicht mehr wissen, ob nun die Form wirklich generisch gemeint ist oder nicht generisch gemeint ist, also tatsächlich nur auf Männer bezogen ist."

Gendern: Der Duden gibt Beispiele

Der Duden erklärt, wie ich am besten gendern kann, gibt Beispiele und Vorschläge und bedenkt dabei immer die maskuline und die feminine Form. So heißt es beispielsweise im Online-Duden:

Wie gendert der Duden?

Die Doppelnennung femininer und maskuliner Formen ist besonders in der Anrede üblich. Sie kann durch Schrägstrich verkürzt werden.

  • Kolleginnen und Kollegen, jede und jeder
  • Kolleginnen/Kollegen

Die schriftliche Kurzform der Doppelnennung wird den amtlichen Regeln folgend mit Schrägstrich und Ergänzungsstrich oder mit Klammern gebildet.
  • Mitarbeiter/-innen, Direktor/-in

Die Einklammerung der femininen Endung ist heute nicht mehr oft zu finden. Sie wird häufig abgelehnt, weil durch sie der Eindruck ent­stehen kann, die feminine Form sei zweitrangig.
  • Lehrer(innen), Kolleg(inn)en, Lehrer(in)

Duden rät dazu flexibel in der Sprache zu bleiben

Der Duden rät dazu, flexibel zu bleiben und unterschiedliche Formen geschlechtergerechter Sprache abzuwechseln. So empfiehlt es auch der Rat für deutsche Rechtschreibung, zuständig für das amtliche Regelwerk. Da gibt es zum Beispiel auch die zusammengesetzten Wörter mt Personenbezeichnungen, wie zum Beispiel: Aus Lehrer wird Lehrkraft, oder aus Studentin, wird Studierende, um alle Personen mit einzubinden. Auch dazu bietet der Duden viele Beispiele auf ihrer Online Seite. Aus einem Anfängerkurs wird dann ein Grundkurs oder Einstiegskurs und das Expertenwissen wird zu Fachwissen, so werden männliche oder weibliche Formen umgangen und jede Personengruppe wird angesprochen.

Podcast NDR Info Welt-Wissen © (c) dpa Foto: UPI Arthur Sasse
AUDIO: Wer war Konrad Duden? (4 Min)

Bücher über das Gendern

Mittlerweile hat der Duden einige Bücher rausgebracht, die sich mit der geschlechtergerechten Sprache beschäftigen, es gibt Handbücher, Ratgeber und Lektüre für Zwischendurch, die sich mit dem Gendern auseinandersetzen. Und auch online wird das Gendern beim Duden nicht vernachlässigt, er entwickelt sich eben, wie die Sprache, immer weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 21.01.2021 | 15:55 Uhr

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