Stand: 17.01.2020 16:16 Uhr

"Don Giovanni": Mozart-Oper feiert Premiere in Flensburg

von Peer-Axel Kroeske

Er hat 2065 Frauen in Spanien, Deutschland, Frankreich und der Türkei verführt. Wer kann das sein? Natürlich Don Giovanni, über dessen Eroberungen sein Diener Leporello akribisch Buch führt. Doch auf einmal gerät der Frauenheld in Schwierigkeiten. Die große Mozart-Oper "Don Giovanni" feiert am Sonnabend am Landestheater in Flensburg Premiere. 230 Jahre nach der Uraufführung könnte man sagen: Damals war es der Aufschlag zur #MeToo-Debatte.

Schon mit dem Einsetzen der Ouvertüre, dem düsteren D-Moll-Akkord, deutet Mozart an, dass der Lebenswandel des Verführers Folgen haben wird. Don Giovanni flieht über die mit schwarzen Rampen schlicht gehaltene Bühne, nachdem er sich offenbar Donna Anna genähert hat, und ersticht deren Vater im Zweikampf. Aber was ist genau passiert? Das Libretto ist nicht so ganz eindeutig, sagt Regisseur Markus Hertel: "Die erste Frage lautet: War das mit Donna Anna eine Vergewaltigung oder einvernehmlich? Die zweite Frage lautet: Hat er den Vater totgeschlagen oder war es Notwehr? So hat man in dem Stück fundamental wichtige Wegpunkte, die man nur mit den Darstellern gemeinsam entscheiden kann."

Wie zum Beispiel beim Bauernmädchen Zerlina: Christina Maria Fercher spielt nach Donna Anna und Ehefrau Elvira die dritte Frau, bei der es für Don Giovanni nicht so läuft wie gedacht. Dabei glaubt der lockige Eroberer - in weißem Hemd, mit dunkler Samthose und einem üppig mit Rosen verzierten Mantel - leichtes Spiel zu haben, denn Zerlinas Bräutigam Massetto, rundlich und robust, wirkt eher einfach gestrickt. "Das ist fast wie im realen Leben. Auf der einen Seite hat man einen Mann, der solide ist, und auf der anderen Seite diesen Charmeur, der viel verspricht, was er nicht hält", so Fercher.

#MeToo-Debatte trifft Mozart

Szene aus "Don Giovanni" am Stadttheater Flensburg © Screenshot
Vergewaltigung oder einvernehmliche Verführung? Das Ensemble thematisiert die MeToo-Debatte in der Mozart-Oper.

Und so versucht Zerlina mit wacher Mimik die Situation zwischen dem Trubel der Festgesellschaft, Massettos Eifersucht und vehementen Annährungen Don Giovannis zu jonglieren. "Im ersten Akt nimmt mich Don Giovanni mit auf seine Gemächer und es passiert so etwas wie eine Vergewaltigung. Und das ist unsere Interpretation. Wir haben die Debatte um #MeToo mit reingenommen", so Fercher.

Für Mozart hätte die vergleichsweise dramatische Komposition einen fast autobiografischen Hintergrund gehabt, meint der neue Generalmusikdirektor des Landestheaters Kimbo Ishii. Denn Mozart galt selbst als Frauenheld.

Orchester experimentiert mit Raumklang

Wenn die geisterhafte, zum Leben erweckte Statue des Commendatore Giovanni dann richtet und die Handlung damit doch etwas hanebüchen wird, lohnt es sich zumindest, die Ohren offen zu halten. Denn das Orchester experimentiert mit Raumklang. Genauer gesagt spielen drei getrennte Orchester gleichzeitig. "So geht es dem, der Böses tut", wird es am Ende heißen. Glücklicherweise tragen die Darsteller diese etwas plump moralisierende Botschaft mit einer gewissen Leichtigkeit vor - wie auch andere Szenen zuvor, sodass die wirklichen schwierigen Gesangslinien unverkrampft rüberkommen.

Eine Inszenierung mit stimmigen und stimmsicheren Darstellern, etwas Selbstironie, aber ohne große Überraschungen.

Weitere Informationen
Programmheft: Titelblatt © NDR

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Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Stadttheaer Flensburg
Rathausstraße 22
24937Flensburg
Preis:
21 - 37 Euro
Kartenverkauf:
Telefon: (0461) 233 88

kasse.flensburg@sh-landestheater.de
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 18.01.2020 | 06:40 Uhr