Stand: 14.01.2018 13:09 Uhr

Durchwachsene Premiere von Mozarts "Zauberflöte"

von Agnieszka Zagozdzon
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"Die Zauberflöte" an der Staatsoper Hannover wurde von Frank Hilbrich inzeniert.

Die "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart zählt ohne Zweifel zu den beliebtesten Opern aller Zeiten. Dementsprechend häufig setzen Opernhäuser sie auf ihren Spielplan. An der Staatsoper Hannover gab es die bislang letzte Neuinszenierung der "Zauberflöte" im Februar 2008. So war es mal wieder an der Zeit für eine neue Produktion, die am Samstagabend Premiere hatte.

"Psychostudie über das Erwachsenwerden"

Ein Blick auf das Bild von Pamina und der junge Tamino verliebt sich Hals über Kopf in sie. Das nutzt Paminas Mutter, die Königin der Nacht, aus und schickt Tamino und seinen Freund, den Vogelfänger Papageno, los, um Pamina aus den Fängen von Sarastro, einem mystischen Hohepriester, zu retten. Regisseur Frank Hilbrich stellt den komplizierten Übergang zwischen der Zeit der Kindheit und dem Erwachsenwerden ins Zentrum seiner Inszenierung. "Das Stück ist - wie die meisten Mozart-Opern - eine unglaublich spannende Psychostudie über die Schwierigkeit, erwachsen zu werden", so Hilbrich.

Die Zauberflöte spielt die Hauptrolle

Doch eigentlich liege der Fokus auf einem ganz anderen Protagonisten. "Die Hauptrolle des Stücks ist eigentlich ein Musikinstrument: die Zauberflöte. Es ist ein Stück, das sehr viel darüber erzählt, was Musik mit uns macht", betont Hilbrich. "Die Zauberflöte und das Glockenspiel, die Papageno und Tamino bekommen, sind Instrumente, die sie aus der größten Verzweiflung, aus der größten Angst und aus dem größten Druck befreien. Ich denke, dass sie im Laufe des Stücks zu verstehen lernen, dass sie Musik machen müssen, dass sie Musik brauchen und dass sie Musik bei sich behalten sollten - und mit der Musik sich auch einen Hauch Kindlichkeit bewahren sollten."

Fast wie Werbung für "Jedem Kind ein Instrument"

Aus diesem Grund taucht immer wieder eine bunte Schar von Kindern mit Instrumenten auf, die Tamino, Papageno und Pamina zur Seite stehen, wenn sie sich in dem goldenen, von einem Halbrund begrenzten Einheitsraum gegen die Intrigen von Paminas Mutter und die strengen Regeln von Sarastro behaupten. Vielleicht wäre es allerdings in der Regie besser gewesen, sich entweder auf das Thema Erwachsenwerden oder die Rolle der Musik zu fokussieren - denn stellenweise fühlte man sich als Zuschauer wie in einer Werbeveranstaltung für die Initiative "Jedem Kind ein Instrument". Musikalisch war der Premierenabend wechselhaft: So merkte man leider dem jungen Tenor Simon Bode an, dass er stellenweise Schwierigkeiten mit der prominenten Partie des Tamino hatte. Absolut überragend hingegen: Athanasia Zöhrer als Pamina und Matthias Winckhler als Papageno.

Nicht alle können überzeugen

In der Premiere leitete der neue erste Kapellmeister Valtteri Rauhalammi das Niedersächsische Staatsorchester - und wenn er mal das Tempo etwas zurücknahm, dann hörte man auch die vielen feinen Ideen in seiner musikalischen Führung. Doch leider jagte Rauhalammi oftmals zu flott durch die Partitur, so dass die Musik zwar sehr leichtfüßig klang, aber auch zu ausdruckslos blieb. Sehr bedauerlich, nicht zuletzt für die Sängerinnen und Sänger. So ganz konnte Hilbrichs Inszenierung zum Thema "Musikalische Kinder an die Macht" das Premierenpublikum nicht überzeugen. Und musikalisch gibt es - mit den erwähnten Ausnahmen - noch einiges zu verbessern. Insgesamt also ein zufriedenstellender, aber kein herausragender Opernabend.

Durchwachsene Premiere von Mozarts "Zauberflöte"

In der Staatsoper Hannover hat am Sonnabend die Neuinszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" Premiere gefeiert. Aus musikalischer Sicht war der Abend wechselhaft.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatsoper Hannover
Opernplatz 1
30159  Hannover
Telefon:
(0511) 9999 1111
E-Mail:
kasse@staatstheater-hannover.de (für Schulklasse)
Preis:
ab 23 bis 58 Euro
Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 10-19.30 Uhr (Vorverkauf bis 18.30 Uhr),
Sa 10-14 Uhr (im Opernhaus bis 18 Uhr)
Hinweis:
Die Zauberflöte - Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Oper in zwei Aufzügen von 1791, Text von Emmanuel Schikaneder
Inszenierung: Frank Hilbrich
Dramaturgie: Christopher Baumann
Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi
Bühne: Stefan Heyne, Kostüme: Julia Müer
Sarastro: Tobias Schabel
Tamino: Simon Bode
Sprecher: Stefan Adam
Pamina: Athanasia Zöhrer
Königin der Nacht: Dorothea Maria Marx
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 14.01.2018 | 15:20 Uhr

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